29.10.2019 - 14:48 Uhr
AmbergSport

Biathlon-Zukunft: Ein Oberpfälzer sucht die neue Laura Dahlmeier

Tausendsassa - dieser Begriff ist wohl für Leute wie ihn erfunden worden. Zibi Szlufcik, der umtriebige Freudenberger, hat jetzt eine neue Aufgabe in der Sportwelt. An einer ganz wichtigen Schaltstelle.

Zibi Szlufcik hat eine neue Aufgabe: Er soll helfen, dass in Deutschland die Biathlon-Talente nicht ausgehen.
von Josef Maier Kontakt Profil

Er wohnt mit seiner Familie in Freudenberg, sein Büro hat er in Amberg. Zu Hause ist er in der Sportwelt rund um den Globus. Zibi Szlufcik hat sich mit dem Triathlon-Produkt "Challenge-Family", der Konkurrenz-Serie zum "Ironman", in den vergangenen Jahren etwas Großes aufgebaut. An weltweit mehr als 30 Standorten, darunter auch die Traditionsveranstaltung in Roth, werden Triathlon-Wettbewerbe unter dem Dach des Oberpfälzer Unternehmens ausgetragen.

Einst war der 52-Jährige in Polen Biathlet. 1988 blieb er nach einem Wettbewerb in Deutschland, verbaute sich somit auch den Start bei Olympia in Calgary. Jetzt hat er, der jahrelang auch das Speedgolf-Event in Schwanhof organisiert hat, wieder eine neue Aufgabe im Biathlon: Der Oberpfälzer ist Nachwuchs-Cheftrainer im Deutschen Skiverband.

Im Interview mit den Oberpfalz-Medien spricht Stlufcik über Laura Dahlmeier, Kontakte zu Bundestrainer Mark Kirchner und die Langlauf-Hochburg Hirschau.

ONETZ: Sie waren früher Biathlet. Ist der neue Job jetzt auch ein bisschen ein Zurückkehren zu den Wurzeln?

Zibi Szlufcik: Nach meiner aktiven Zeit und meiner Zeit als Trainer beim SC Monte Kaolino Hirschau, war ich in den letzten Jahren eher stiller Beobachter des Biathlonsports. Ich habe aber nach wie vor viele Freunde und Verbindungen dort. Emotional war ich immer an den Biathlonsport gebunden, jetzt schließt sich ein bisschen der Kreis. Ich habe in den vergangenen Jahren viele Systeme kennengelernt und viele Erfahrungen mit anderen Sportarten gesammelt. Diese Kenntnisse kann ich nun an den Biathlon weitergeben.

ONETZ: Wie kam der Kontakt zum Skiverband zustande?

Zibi Szlufcik: Der neue Sportliche Leiter, Bernd Eisenbichler, und ich kennen uns seit 30 Jahren. Unsere Wege haben sich immer wieder gekreuzt. Bernd hat mir einmal das Gesamtkonzept für das Nachwuchsbiathlon vorgestellt. Unsere Vorstellungen und unsere Werte stimmen da total überein.

ONETZ: Wie sieht Ihre Funktion aus? Ist das die klassische Trainertätigkeit an der Strecke und am Schießstand?

Zibi Szlufcik: Als Cheftrainer Nachwuchs-Biathlon arbeite ich schon eng mit Athleten und Trainern zusammen, aber nicht direkt an der Strecke und am Schießstand. Meine Aufgabe liegt darin, optimale Rahmenbedingungen für die Athleten und Trainer zu schaffen. Es geht um Sportstätten, um die Zusammensetzung der Nachwuchsmannschaften, um Ernährung, um Biomechanik, um Behörden, um das Training als Ganzes. Ich bin, wann immer es geht, bei Trainings- und Lehrgangsmaßnahmen dabei.

ONETZ: Ist es ein Vorteil, dass Sie in den letzten Jahren nicht verantwortlich im Biathlon unterwegs waren?

Zibi Szlufcik: Obwohl ich im DSV-Auftrag meine Ausbildung zum Diplomtrainer in Köln gemacht habe, komme ich nicht wie gewöhnlich aus dem Verbandssystem. Aber als Diplomtrainer mit den Erfahrungen aus den Trainerlizenzausbildungen kennt man die Strukturen. Da meine berufliche Laufbahn in den letzten 25 Jahren eine wirtschaftliche Richtung eingeschlagen hat, werde ich vielleicht als branchenfremd betrachtet. Dennoch: Aus meiner Sicht und aus Sicht des DSV kann das durchaus von Vorteil sein.

ONETZ: Deutschland, Biathlon-Land. Hat Sie deshalb der Job gereizt?

Zibi Szlufcik: Nirgendwo auf der Welt kann man Biathlon besser betreiben als in Deutschland, nicht mal in Norwegen, Frankreich oder Russland. Es gibt einen gut organisierten Verband, und die Athleten sind über Behörden abgesichert. Darüber hinaus gibt es Landesverbände und gut geführte Vereine. Das alles muss natürlich optimal vernetzt sein.

ONETZ: Wie ist Ihr erster Eindruck nach den ersten sechs Wochen?

Zibi Szlufcik: Es hat sich schon ein bisschen wie im Außendienst angefühlt (lacht). Ich habe die Olympiastützpunkte und Trainingsstätten besucht und die Verantwortlichen kennengelernt. Ich war im September bei den deutschen Meisterschaften am Arber und in Ruhpolding sowie bei manchen Schüler- und Jugendwettkämpfen, um möglichst viel aus erster Hand zu erfahren.

ONETZ: Haben Sie auch Kontakt zu den Großen der Szene? Und gibt es eine Zusammenarbeit mit Bundestrainer Mark Kirchner?

Zibi Szlufcik: Die Wege mit den Profis kreuzen sich immer wieder, wie zuletzt bei den deutschen Meisterschaften, und viele der Top-Athleten kenne ich sehr gut. Mit Mark Kirchner bin ich zwar nicht laufend in Kontakt, aber wir tauschen uns schon öfter mal über die ein oder andere Sache aus.

ONETZ: Wie viele junge Leute haben Sie und Ihre Trainer im Blick?

Zibi Szlufcik: Es sind so 300, 400 Athleten, die man beobachtet. Sie sind zwischen 16 und 22 Jahre alt. Einige von ihnen gehören zu den sogenannten Kadern NK1 und NK2.

ONETZ: Haben Sie schon die neue Laura Dahlmeier im Blick?

Zibi Szlufcik: Laura Dahlmeier war ein Jahrhunderttalent, sowohl physisch als auch mental. Sie ist sehr intelligent und ihre Einstellung beispiellos. Ab und zu treffe ich sie, und wir tauschen uns aus. Im Nachwuchsbereich gibt es viele Talente, die vom DSV unterstützt und gefördert werden. Ich bin mir sicher, einige werden später große Erfolge feiern.

ONETZ: Wie läuft die Talentsuche ab?

Zibi Szlufcik: Das ist sehr facettenreich. Eine von vielen Maßnahmen ist die Aktion "Würth-Shooting-Star", die aktuell in Erfurt stattfindet. Dazu lädt der DSV interessierte Kinder und Jugendliche ein. In Erfurt sind Fritz Fischer und Sven Fischer eingebunden. Desweiteren gibt es diverse Recruitingmaßnahmen. Die Sportler in den Nachwuchskadern werden ohnehin ständig beobachtet.

ONETZ: Biathlon ist die zweitpopulärste Sportart in Deutschland. Da gibt es ja sicher keine Nachwuchsprobleme.

Zibi Szlufcik: Naja, der Fußball grast schon vieles ab, was sich bewegen kann. Und die Biathleten sind ja auch von der Geografie her gesehen eingeschränkt. Sie brauchen Schnee und einen Schießstand. Ich glaube, bis auf Fußball hat jede Sportart ihre Herausforderungen im Nachwuchsbereich. Aber wir im Biathlon brauchen nicht die Masse, sondern die Klasse. Wir müssen die herausragenden Talente finden und fördern.

ONETZ: Kollidiert der neue Job nicht mit Ihrer Arbeit als Chef der Challenge-Serie im Triathlon?

Zibi Szlufcik: Die Sache ist mit dem DSV abgesprochen und ich werde auch weiterhin für die "Challenge-Family" tätig sein. Die ist ein Teil von mir, aber mittlerweile sind wir in den einzelnen Ländern so gut aufgestellt, dass ich nicht immer vor Ort sein muss. Aktuell strukturieren wir um. Meine Aufgaben werden dann nicht mehr operativ sein, sondern eher repräsentativ.

ONETZ: Dem Talent-Alter entwachsen ist der Amberger Johannes Donhauser, der am Stützpunkt in Ruhpolding trainiert. Wie sehen Sie seine Entwicklung?

Zibi Szlufcik: Als Biathlet braucht man einen langen Atem. Ich habe großen Respekt, dass Johannes den Schritt nach Ruhpolding gewagt hat. Er ist ja erst spät zum Biathlon gekommen. Johannes hat zwar den Sprung in die IBU-Mannschaft noch nicht erreicht, aber er hat durchaus Potenzial, und ich bin zuversichtlich, dass er dieses Ziel erreichen kann.

ONETZ: Biathlon in der Oberpfalz zu betreiben, ist schwierig. Dennoch gibt es hier viele Langläufer, von denen vielleicht auch das ein oder andere Biathlontalent dabei ist.

Zibi Szlufcik: Hirschau beispielsweise ist ja eine Langlauf-Hochburg. Da bin ich auch relativ nahe dran. Der SC Monte Kaolino Hirschau leistet tolle Arbeit, und die Heckmann-Brüder, Thomas und Johannes, sind sehr engagiert. Jetzt wird ja am Sender ein Funktionsgebäude gebaut. Da muss ich vielleicht mal nachfragen, ob nicht auch eine Schießanlage für Luftgewehr und Laser, wie es sie bereits auf der Silberhütte gibt, mit in die Planung aufgenommen werden kann (lacht).

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