Amberg
11.05.2026 - 13:23 Uhr

Blick in die Kreisklassen: Späte Helden, bittere Elfer und Tore am Fließband

Was hat sich in den Fußball-Kreisklassen unseres Verbreitungsgebietes übers Wochenende alles so abgespielt? Ein nicht immer ganz ernst gemeinter Überblick über Last-Minute-Dramen, Meisterpartys und erstaunlich torhungrige Kellerkinder.

Last-Minute-Rettung

Mit gerade einmal 34 erzielten Treffern bis zum vorletzten Spieltag der Kreisklasse Süd war der SV Schmidmühlen II bislang nicht unbedingt als Tormaschine bekannt. Doch wenn’s drauf ankam, hatte die Mannschaft offenbar das richtige Zielwasser dabei. Vor dem letzten Spieltag war die Ausgangslage klar: Nur ein Sieg gegen Neukirchen und gleichzeitig eine Niederlage der SG Utzenhofen konnten die Relegation noch verhindern. Der Druck war riesig – die Antwort der Schmidmühlener allerdings ebenso.

Allen voran Doppeltorschütze Jonas Härtl sowie Christopher Roidl und Fabian Stadlbauer schossen sich den Frust der Saison förmlich von der Seele. Ausgerechnet gegen den Tabellendritten zeigte der Drittletzte seine wohl stärkste Vorstellung der Saison und gewann überraschend deutlich mit 4:0. Dass der „Dritte von hinten“ dem „Dritten von vorne“ derart die Grenzen aufzeigt, hätte wohl selbst der kühnste Optimist nicht erwartet.

Besonders nicht die SG Utzenhofen/Kastl, die aufgrund der 2:4-Niederlage beim Tabellenvierten SV Kauerhof auf den Relegationsplatz rutschte – und noch einmal Glück im Unglück hatte und aufgrund der Quotientenregel ebenfalls nicht in die Relegation muss.

Bock auf Party hatte hingegen Meister Trapo. Gegen den SV Loderhof verabschiedete sich der Titelträger mit 10 Toren aus der Kreisklasse. Eine klare Ansage an die Konkurrenz eine Etage höher. Ensdorfs Maximilian Metz hat sich beim 4:1-Sieg gegen Rosenberg II bereits für die Relegation warmgeschossen. Sein Hattrick geht auch an den "Scouts" der künftigen Gegner nicht spurlos vorbei. Die Kreisliga-Reserve des TuS hingegen, hat nicht gerade Selbstbewusstsein für die Abstiegsrelegation getankt.

Drama pur in Irchenrieth

Sieben Tore, Meisterschaft perfekt gemacht – und fast wäre es ein rundum makelloser Tag für den SV Altenstadt/WN geworden. Beim furiosen 7:1 gegen die SpVgg Moosbach ließ die Offensive der Gastgeber keinerlei Zweifel aufkommen, wer künftig als Meister der Kreisklasse Ost durchs Ziel geht. Lediglich das eine Gegentor dürfte den Perfektionisten im Team noch ein kleines Stirnrunzeln entlockt haben. Allzu lange wurde der Titelgewinn offenbar aber nicht begossen. Zumindest der Social-Media-Manager schaltete nach dem Schlusspfiff direkt wieder in den Arbeitsmodus und warb auf Instagram bereits fleißig um Verstärkungen – schließlich steigen nicht nur die Meisterkicker, sondern auch die zweite Mannschaft der Altenstädter auf. Doppelter Aufstieg bedeutet immerhin auch doppelter Personalbedarf.

Rein rechnerisch wäre der Titel auch für den TSV Pleystein und die DJK Irchenrieth drin gewesen. Beide Teams lagen drei Zähler hinter dem Meister. Ordentlich in den Allerwertesten wird sich hierbei wohl die DJK Irchenrieth beißen. Beim 1:1 gegen den SV Etzenricht II verschoss Julian Deubzer einen Strafstoß in der 89. Minute und somit auch die Chance auf die Relegation – schlimmer geht's eigentlich fast nimmer. Während die DJK Irchenrieth den möglichen Sprung nach oben liegen ließ, darf nun der TSV Pleystein in der Relegation weiter vom Aufstieg träumen. Der TSV erledigte seine Hausaufgaben mit der nötigen Portion Leidenschaft – und verteidigte die frühe 1:0-Führung durch Patrick Klotz anschließend mit Maus und Mann.

Für Auerbach hat's nicht gereicht

Meister FC Dießfurt wollte die Saison unbedingt ohne Niederlage abschließen. Glückwunsch seitens der Redaktion. Das letzte Spiel der Kreisklasse West gegen den SV Auerbach II war dennoch nicht das einfachste. Auerbach musste gewinnen, um den TSV Pressath im Abstiegskampf hinter sich zu lassen. Satz mit X für Gäste. Simon Schmid machte mit einem späten Doppelpack alles klar und schickte die Kreisliga-Reserve nachsitzen. Marek Ruda beendete die Saison vorzeitig, er holte sich in der 85. Minute eine Zeitstrafe – nicht gerade meisterlich Herr Ruda. Der TSV Pressath entgeht hingegen der Relegation und sichert sich mit einem 3:2-Erfolg gegen den VfB Mantel Platz elf.

Die SG Seugast/Schlicht II hatte am Wochenende offenbar kein Interesse an einem langen Arbeitstag. Beim 8:0 in Schwarzenbach war die Partie praktisch schon zur Halbzeit entschieden – sehr zur Freude der Gäste und vermutlich weniger zur Freude des Heimkeepers, der sich vorkommen musste wie beim Dauerbeschuss auf der Kirmes. Doppelpacker David Smolak eröffnete den Torreigen, danach durfte sich gefühlt jeder einmal in die Torschützenliste eintragen. Die SG zeigte sich vorne derart treffsicher, dass der Spielbericht am Ende fast länger war als die Gegenwehr des Tabellenschlusslichts.

Torreigen in der Kreisklasse Nord

In der Kreisklasse Nord hat die SG Gleiritsch schon mal vorsorglich den „Tor-machen-für-die-Relegation“-Modus aktiviert. Beim wilden 7:3 gegen den SC Weinberg Schwandorf sah zunächst alles nach einem gemütlichen Nachmittag aus: 4:0-Führung, Kaffee fast schon bestellt, Feierabendstimmung. Doch Weinberg hatte offenbar etwas gegen Langeweile und meldete sich plötzlich mit drei Treffern zurück. Aus dem entspannten Sonntagskick wurde kurzzeitig ein Nervenspiel – zumindest für alle, die auf der Heimtribüne schon zu früh durchatmen wollten.

Die Antwort der SG Gleiritsch ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Binnen zehn Minuten stellten die Gastgeber den alten Abstand wieder her und schraubten das Ergebnis munter auf 7:3. Defensivtrainer dürften bei diesem Spiel vermutlich mehrere kleine Herzinfarkte erlitten haben, die Zuschauer dagegen bekamen für ihr Eintrittsgeld definitiv Vollgas-Unterhaltung geboten.

Lukas Preißer hatte offenbar richtig „Bock auf Ballern“ – allerdings ganz legal auf dem Fußballplatz. Beim wilden 7:2 der SG DJK Weihern gegen den SC Kreith schnürte er mal eben einen Viererpack und stellte die Kreither Defensive vor Fragen, auf die es an diesem Tag keine Antworten gab. Dem SC Kreith dürfte das Ergebnis zwar ordentlich wehgetan haben, wirklich bitter war’s aber nicht mehr. Der Aufsteiger hatte den Klassenerhalt bereits sicher und konnte die sieben Gegentore wohl mit einem etwas entspannteren Blick verdauen. Oder anders gesagt: Lieber einmal ordentlich untergehen und trotzdem drinbleiben, als schön verlieren und absteigen.

In der "Vier" bleibt's spannend

An der Tabellenspitze der Kreisklasse 4 im Landkreis Hof-Tirschenreuth-Wunsiedel geht’s weiter zu wie im Formel-1-Finale: Die SpVgg Wiesau bleibt mit 60 Punkten hauchdünn vor dem TSV Bärnau (59). Während Wiesau beim 3:0 gegen Griesbach/Großkonreuth souverän seine Hausaufgaben erledigte, ließ auch Bärnau beim 4:0 gegen Arzberg II nichts anbrennen. Heißt übersetzt: Beide liefern Woche für Woche ab, keiner blinkt zuerst – und wahrscheinlich kontrollieren inzwischen beide Trainer im Minutentakt nicht nur die eigene Tabelle, sondern auch die Ergebnisse des Rivalen. Für den neutralen Zuschauer ein Traum, für die Nerven der Verantwortlichen vermutlich eher weniger. Ein einziger Ausrutscher könnte im Aufstiegsrennen schon reichen – aktuell fahren Wiesau und Bärnau aber eher im Vollgasmodus Richtung Saisonfinale.

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