08.06.2021 - 16:39 Uhr
AmbergSport

Boxclub Amberg wird bayerischer Leistungsstützpunkt

Der BC Amberg soll künftig einer von vier bayerischen Leistungsstützpunkten sein, um die Nachwuchsboxer ideal fördern zu können.
von Autor MZIProfil

Der Bayrische Boxverband hat mit Wirkung vom 1. März beschlossen von einem zentralen Leistungsstützpunkt abzuweichen und stattdessen vier Standorte in Bayern zu benennen. Neben Günding bei Dachau, Eichstätt und München fungiert jetzt auch der BC Amberg insbesondere für Nordostbayern als Trainingsstandort für Kaderathleten. Zu den aktuell acht Eigengewächsen kamen in den vergangenen drei Monaten Boxer aus Kulmbach, Schwandorf, Bayreuth, Regensburg, Burglengenfeld und Marktredwitz nach Amberg, um bei Ruslan Schönfeld zu trainieren. Bis zu 20 Athleten durften seitdem unter bestimmten Bedingungen in Amberg ihre Fertigkeiten verbessern. “Längst überfällig“, meint der dieser Tage 44 Jahre alt gewordene Schönfeld.

Überall wohin er Kontakte hat, und das ist bei der Herkunft seiner Vereinsmitglieder eine ganz schöne Anzahl an Ländern, wird seit einem halben bis dreiviertel Jahr schon regulär ohne Auflagen trainiert. Ein Leistungsrückstand, der gerade in Bezug auf Olympia, kaum noch wettzumachen ist. Auch was den Breitensport anbelangt läuft augenblicklich noch nichts. Bei einer Vielzahl an Kindern und Teenagern, die vor gut 15 Monaten noch dabei waren, hagelte es Abmeldungen und dementsprechend große finanzielle Einbußen für den Boxclub. Hinzu kommt: Seitdem wieder bis zu 20 Sportler unter Auflagen in den eigenen Vereinen trainieren dürfen, nehmen nicht mehr viele die weite Strecke nach Amberg in Kauf. Damit fällt ein Teil der Kopfquoten wieder weg. Dennoch sind jüngst die nicht ganz billige Ringmatte und ein Boxsack entzwei gegangen. Nicht leicht das alles geldlich zu bewerkstelligen. Was meint Ruslan Schönfeld dazu? „Kämpfen und weiter machen. So wie im Ring so auch im Leben.“

Dies schärft er stets seinem ihm anvertrauten Nachwuchs ein. Er, der in seinem Heimatort fließend Wasser und Strom noch nicht für selbstverständlich nahm, wurde 1998 kasachischer und russischer Meister. Bei der Leistungsdichte in dieser Sportart in den GUS-Staaten ein immenser Erfolg. 2000 reiste er mit Ehefrau Ludmilla, Eltern und Bruder samt Familie nach Deutschland aus. 2010 stemmte man mit den Mitteln der Vereinskasse und viel Eigenleistung eine eigene Halle, wo man dreimal wöchentlich und auch in den Ferien trainieren kann. Seine Frau weiß ein Lied davon zu singen wenn er, wie jetzt in den Pfingstferien, tagein tagaus von morgens bis abends in der Halle verbringt um den regionalen Topathleten Einzeltraining zu geben, weil Hallensport für mehrere Sportler gleichzeitig noch nicht erlaubt ist und sich bei dieser Art des „Privatunterrichts“ die Corona-Auflagen am besten erfüllen lassen.

Für dieses außergewöhnliche Engagement gibt es viel Ruhm, aber kein Geld. Zwar weiß man sich beim Bayrischen Boxverband Ruslan Schönfelds besondere Begabungen zu Nutze zu machen. Allein: Es ist alles Ehrenamtsarbeit. Wie viel Herzblut in seiner Arbeit steckt, merkt man daran, dass er die Erfolge seiner Schützlinge aus dem Effeff runterrasseln kann ohne in den Boxpass zu sehen. Unterstützung erfährt er hauptsächlich von seiner Familie und dem Trainerteam Valerij Fischer, Artur Fischer, Andreas Neiswirth, Ahmet Göksu und Monika Ziegeler. „Wir machen weiter bis Olympia“ ist denn auch sein Motto. Auch wenn es heuer mit Tokio nichts wird, gibt es 2024 Paris und 2028 Los Angeles. „Nur nicht aufgeben", sagt er.

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