19.03.2020 - 12:00 Uhr
AmbergSport

"Damit niemand in die Insolvenz gehen muss"

Der Bayerische Landessportverband bietet Hilfe an: Ein digitales Meldesystem soll zentral den finanziellen Schaden erfassen, der durch das Coronavirus entsteht. Was zu tun ist, erklärt Hermann Müller, BLSV-Vorsitzender der Oberpfalz.

Seit Dienstag sind alle Spiel- und Sportstätten in Bayern geschlossen – dazu gehören auch Tennishallen. Beim TC Rot-Weiß Amberg, TC Amberg am Schanzl und TC Kümmersbruck ruht der Betrieb. „Wir rechnen mit finanziellen Einbußen in Höhe von 4000 bis 5000 Euro“, erklärt Helga Krones, zweite Vorsitzende des TC Rot Weiß. Dazu gehören fehlende Einnahmen durch gebuchte Hallenstunden und Rücküberweisungen an Abonnenten, die bereits ihre Stunden bezahlt haben. „Das müssen wir zurückerstatten, weil die Leute ihre Hallenstunden nicht nutzen können“, sagt Krones.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Ohne Infos seitens der Vereine kann es keine Unterstützung geben.

Hermann Müller

Hermann Müller

Der BLSV, Interessensvertreter von 4,6 Millionen Sportlern in 12 000 Vereinen und 56 Sportfachverbänden in Bayern, will in dieser besonderen Krisensituation unterstützen. "Neben dem Schutz unserer Mitarbeiter, Mitglieder und Sportler steht für uns der Service für unsere Vereine und Fachverbände an oberster Stelle", erklärt BLSV-Präsident Jörg Ammon. Zunächst soll erfasst werden, welche finanziellen Schäden über fünf Wochen entstehen. Dann folgt Schritt zwei, die Weitergabe der Infos an das Innenministerium: "Damit in unserer Sportvereins- und Fachverbandswelt niemand in die Insolvenz gehen muss." Details dazu erläutert Hermann Müller im Interview mit Oberpfalzmedien.

ONETZ: Wer kann sich an den BLSV wenden?

Hermann Müller: Betroffen sind einmal alle Vereine, die ein Vereinsheim unterhalten. Dessen Wirt ist ja jetzt arbeitslos. Da entstehen Kosten. Wenn der Wirt Pächter oder Angestellter des Vereins ist, kann der Verein diese Kosten melden.

ONETZ: Und wenn der Wirt selbstständig ist?

Hermann Müller: Dann muss er selbst Hilfe beantragen. Aber der Verein kann es ebenfalls mit aufnehmen, muss aber vermerken, dass der Wirt selbstständig ist.

ONETZ: Was kann ein Verein noch melden?

Hermann Müller: Es betrifft auch angestellte Trainer, die einen Vertrag mit einem Verein haben. Fußballtrainer, Volleyballtrainer etc. und auch hauptberufliche Tennistrainer. Tennis ist sehr stark betroffen derzeit. Ich würde alles, was derzeit aufploppt, angeben. Ob es die Trainergehälter sind oder andere Unkosten. Auch ehrenamtliche Übungsleiter können davon betroffen sein.

ONETZ: Die Trainer sollten also ihrem Verein ihre finanziellen Ausfälle kund tun?

Hermann Müller: Ja, wobei wenn es sich um einen Trainer in einer Abteilung handelt, sollte diese Reihenfolge eingehalten werden: Zunächst zur Abteilungsleitung, dann zum Vorstand des Hauptvereins, und der sollte schnellstmöglich dem BLSV melden. Damit nicht einzelne Abteilungen das tun.

ONETZ: Was passiert mit den gesammelten Angaben der Vereine?

Hermann Müller: Der BLSV gibt das zentral an das Bayerische Innenministerium weiter, und dann wird verhandelt, wie eine Hilfe aussehen kann.

ONETZ: Der BLSV zahlt kein Geld aus?

Hermann Müller: Nein, der BLSV zahlt kein Geld aus. Der BLSV bekommt Fördergelder für seine drei Säulen: Für Übungsleiter und Vereine, für Baumaßnahmen und für Fachverbände für den Nachwuchsleistungssport. Ein eigener Topf für Verluste wegen der Coronakrise ist nicht vorgesehen.

ONETZ: Der Bayerische Landessportverband übernimmt zunächst die bürokratische Hilfestellung mit diesem Meldeportal und trägt die Vereinsverluste gebündelt vor?

Hermann Müller: Ja, das erfolgt zentral über München, die einzelnen Bezirke sind außen vor.

ONETZ: Können die Vereine mit finanzieller Hilfe aus dem Innenministerium rechnen?

Hermann Müller: Wie das genau aussehen wird, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, wir haben laufend Telefonkonferenzen zu diesem Thema. Jetzt wird erst gesammelt und ausgewertet. Vorläufig bis zum 19. April geht diese Aktion. Innenminister Joachim Hermann hat das Problem aber erkannt und signalisiert, dass den Vereinen geholfen werden muss.

ONETZ: Was können die Vereine noch tun?

Hermann Müller: Ich empfehle dringend, dass die Vereinsvorsitzenden jetzt aktiv werden müssen. Sie sollten auch bei Stadt oder Landratsamt nachhaken, ob es von den Kommunen womöglich auch Hilfen gibt.

ONETZ: Ist das dann nicht doppelt beantragt?

Hermann Müller: Doppelt melden ja, aber es soll keine Doppelförderung sein. Wenn der eine nicht hilft, kann es ja der andere tun. Es geht zunächst rein um die Information, was die Vereine für Ausfälle in diesen fünf Wochen haben. Dann wird man weiter sehen. Aber ohne Infos seitens der Vereine kann es ja keine Unterstützung geben.

ONETZ: Was raten Sie noch?

Hermann Müller: Die Vereine, das heißt die zuständigen Leute, sollten jeden Tag auf die BLSV-Homepage schauen. Da sind tagesaktuell Infos zu finden, die die Vereine betreffen: Maßnahmen, Einschränkungen und Vorschläge, was zu tun ist.

Info:

BLSV-Service

Aktuelle Fragen und Antworten auf der Homepage des BLSV: www.blsv.de

Darüber hinaus steht das BLSV-Service-Center unter der E-Mail-Adresse für Fragen zur Verfügung: service[at]blsv[dot]de

Zu den Geschäftszeiten ist das Center unter Tel. 089/15702 400 erreichbar

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