20.07.2020 - 18:19 Uhr
AmbergSport

ERSC Amberg: "Die komplette Eishockey-Saison steht auf der Kippe"

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

16 Jahre lang spielte der ERSC Amberg in der Landesliga. In der Saison 2019/20 gelang nach einem kuriosen Finale wegen Corona der ersehnte Aufstieg in die Bayernliga. Doch das Virus wirkt nach - und gefährdet womöglich alles.

Ein leeres Stadion? Für den ERSC Amberg undenkbar. Der Verein hat die Zuschauereinnahmen mit rund einem Drittel des Etats kalkuliert.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Normalerweise sind die Planungen für die kommende Eishockeysaison um diese Jahreszeit längst abgeschlossen: Die Hallenzeiten gebucht, Spieler verpflichtet, das Umfeld geordnet. Doch in diesem Jahr ist alles anders, und ganz hart trifft es den ERSC Amberg, der nach 16 Jahren den Aufstieg in die Bayernliga geschafft hat - aber womöglich nicht spielen wird.

Zwei Probleme

Denn zwei große Probleme treiben Mustafa Sugle und seiner Mannschaft die Sorgenfalten auf die Stirn: Das Lüftungskonzept für die Halle und die Frage, mit wie vielen Zuschauern im Stadion am Schanzl die Saison gespielt werden kann.

Vor einer Woche war eine Begehung der Hallenbetreiber Wolfgang und Bernhard Streich vom ESC Amberg zusammen mit dem Kulturreferenten der Stadt Amberg, Fabian Kern, und Bernhard Scheidig, Leiter des Schul- und Sportamtes. Hauptthema: die Luftumwälzung im Eisstadion. Das Ergebnis bekam Mustafa Sugle telefonisch von Wolfgang Streich mitgeteilt: Das Raumvolumen der Luft betrage 30 000 Kubikmeter, die Anlage zur Umwälzung schaffe aber nur 10 000 Kubikmeter. Im Klartext: "Wenn das als Kriterium hergenommen wird, dann müssten wir eine Stunde trainieren und drei Stunden die Luft umwälzen", erklärt Mustafa Sugle.

Ein K.-o.-Kriterium

"Das ist für mich ein absolutes K.-o.-Kriterium". Denn die Haupttrainingszeiten beginnen ab 17 Uhr - und wären nur bis 18 Uhr möglich. Nach der Umwälzphase ab 21 Uhr könnten keine Kinder mehr trainieren, nur noch die Herrenmannschaft. "Wenn das der Stand der Dinge ist, ist es für uns unmöglich. Dann können wir die Saison auf keinen Fall starten, dann müssen wir die Saison absagen. Komplett."

"Verband schläft"

Vom Bayerischen Eissport-Verband (BEV) seien noch keine Informationen geflossen, wie ein Verein das Ganze handhaben solle. Das moniert auch Wolfgang Streich, dass es für den Eissport unterhalb der Eishockey-Oberligen keinerlei Vorgaben gebe: "Der Bayerische Eissport-Verband schläft. Er müsste dringend aktiv werden." Der Super-Gau wäre, wenn die Amberger Eishalle in diesem Winter geschlossen bleibe. "Ich weiß es nicht", erklärt Streich dazu. "Ich bin schon erschüttert, dass wir von bayerischer Seite eissportmäßig total im Stich gelassen werden. Auch Markus Söder sagt nichts. Nichts, keine Informationen."

Um Erhalt des Vereins

Eishockey hängt total in der Luft. "Mir geht es vor allem darum, dass der Nachwuchs trainieren kann, selbst wenn es keine Spiele geben sollte", erläutert Sugle. Denn ein regulärer Betrieb könne seiner Einschätzung nach nicht stattfinden: "Eine U10, eine U11, die machen Turniere mit vier oder fünf Mannschaften. Wie soll man das bewerkstelligen mit den ganzen Hygienevorschriften? Das geht gar nicht. In meinen Augen steht die komplette Eishockey-Saison auf der Kippe", sagt Sugle. Irgendwann im Herbst soll die neue Saison beginnen - aber jetzt müssten die Planungen dafür schon längst stehen. "Spätestens Anfang August muss ich wissen, was Sache ist. Es geht um den Erhalt des Vereins. Wenn es keine Saison gibt, werden vermutlich die meisten Kinder ihre Mitgliedschaft beim ERSC kündigen", befürchtet Sugle.

"Wir stehen jetzt komplett auf dem Schlauch. Wir werden beim Verband anfragen müssen: Erwägt ihr wirklich noch eine Saison, wenn ihr noch keinerlei Aussagen treffen könnt, wie sie ablaufen soll?"

Spieler-Verträge "angepasst"

Das Training mit Lüftungskonzept sei die eine Sache, die andere der Spielbetrieb. Falls dieser überhaupt stattfindet. Wenn, dann nicht vor Ende Oktober, schätzt Sugle ein. Doch bisher fehlen die Infos dazu. "Wir werden ein bisschen unruhig, wir haben bisher gewartet. Vielleicht kommt noch etwas von der Landesregierung, dass wir starten können", sagt der ERSC-Vorsitzende. Die Verträge mit den Spielern des Neu-Bayernligisten sind alle umgestellt worden und enthalten eine Klausel: "Wenn die Saison nicht startet, ist der Vertrag nicht gültig. Wir müssen uns absichern, und die Spieler sind alle verunsichert."

Nicht mit wenig Zuschauern

Es gebe schon Überlegungen, die Bayernliga in zwei Gruppen aufzuteilen, um eine verkürzte Saison spielen zu können. Das bedeutet aber weniger Einnahmen durch fehlende Spiele. Und womöglich auch weniger Fans im Stadion: "Wir haben in Amberg inzwischen eine gute Zuschauerzahl. Wenn wir aber irgendwo reglementiert werden auf 250 Zuschauer, dann kann man das Ganze vergessen. Es kann nicht Sinn und Zweck sein, dass wir jahrelang richtig gut arbeiten und wirtschaften, und dann mit Covid-19 den Karren an die Wand fahren."

ERSC-Vorsitzender Mustafa Sugle mit dem Hygienekonzept des Vereins, das Mannschaftsarzt Dr. Oliver Heisel ausgearbeitet hat.

Bernhard Keil: Sein Herz schlägt für die Familie und den ERSC Amberg

Amberg
Hintergrund:

"Ich muss abwarten, was dabei herauskommt"

Wolfgang Streich vom Eishallenbetreiber ESC Amberg hat die Unterlagen der Entfeuchtungsanlage an das Hochbauamt der Stadt Amberg weiter gegeben. "In einer Sporthalle wird einfach gelüftet, Problem erledigt. In einer Eishalle geht das nicht. Wenn wir Eis machen und lüften, hole ich ja die warme Luft herein. Das ist vollkommen unwirtschaftlich und Schwachsinn. Die Luft wird aus der Eishalle mit einem Gasturbinenmotor herausgesaugt, auf über hundert Grad erhitzt, getrocknet und wieder eingeblasen. Diese Trocknung sorgt dafür, dass jedes Virus kaputtgeht." Aber die Anlage schafft nur 10 000 Kubikmeter Luft pro Stunde bei 30 000 Volumen in der Halle. "Es ist eine städtische Halle, und die Stadt prüft nun, wie mit diesen Fakten umzugehen ist. Ich muss abwarten, was dabei herauskommt", erklärt Streich. Das nächste Problem sei nicht zu unterschätzen: "Wenn wir heute mit dem Eis anfangen, und es kommt morgen das Gesundheitsamt und stellt irgendwelche Mängel fest und schließen uns die Eishalle - dann haben wir einen Riesenkostenblock investiert, dafür dass wir zumachen müssen. Das kann ich nicht verantworten."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.