Es ist eines dieser Mysterien, die den Sport so faszinierend und teilweise auch unerklärbar machen: Da taumelt eine Mannschaft wochenlang durch die Saison, liefert mehr Oh- als Aha-Ergebnisse, kommt nie so richtig in der Spielzeit an und schlittert in eine handfeste Ergebniskrise – ein Absturz in der Tabelle inbegriffen. Dann übernimmt der Trainer die volle Verantwortung für den Murks, den seine Truppe da veranstaltet, tritt unmittelbar nach einer weiteren Niederlage noch in der Kabine mit emotionalen Worten zurück und – schwuppdiwupps – läuft's wieder. Mit einem neuen Trainer in der Verantwortung klappen plötzlich genau Dinge wieder, die vorher partout nicht mehr funktionieren wollten, werden Siege eingefahren, und in der Tabelle geht es auch wieder nach oben.
Nein, der ERSC Amberg hat nicht das Patent für dieses Phänomen, das in jedem Jahr in beliebigen Sportarten und in den unterschiedlichsten Ligen immer wieder zu beobachten ist. Doch auch der Eishockey-Bayernligist hat keine rechte Erklärung dafür, weshalb es nach dem Rücktritt von Dirk Salinger nach sechs Pleiten am Stück prompt wieder zwei Siege zu bejubeln gab. Sechs Punkte und 7:1 Tore lautete die Bilanz nach zwei Spielen unter dem neuen Trainer Bernhard Keil.
"Unsere Niederlagenserie lag ja nicht am Trainer, sondern ausschließlich an uns als Mannschaft. Unser Kader ist eben nicht so extrem breit aufgestellt, dass wir mehrere gleichzeitig verletzte Spieler gleichwertig ersetzen könnten", sagte Felix Köbele im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Der 33-Jährige stammt zwar aus Weiden und bezeichnet den 1. EV Weiden auch weiterhin als seinen Heimatverein, dennoch darf der Stürmer, der in dieser Spielzeit bislang auf elf Scorerpunkte (drei Tore/acht Assists) kommt, als ERSC-Urgestein bezeichnet werden. Die laufende Saison 2024/25 ist für Köbele bereits die siebte im Amberger Trikot.
Mit Salinger befreundet
Schon aufgrund seiner Herkunft und der gemeinsamen Vergangenheit im Weidener Nachwuchs hatte Köbele ein enges Verhältnis zu Ex-Coach Dirk Salinger, das über das normale Maß zwischen Spieler und Trainer hinausging. "Ich kenne Dirk schon sehr lange, war von seiner Entscheidung aber genauso überrascht, wie alle anderen Spieler auch. Doch durch unsere lange, gemeinsame Zeit im Eishockey sind wir befreundet und haben uns daher auch privat schon mal getroffen. Über seinen Rücktritt haben wir etwa bei einem Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt gesprochen", gewährte Köbele einen kleinen Einblick, wie der in Amberg überaus angesehene Trainer Dirk Salinger auch nach dem offiziellen Ende seiner Amtszeit den Kontakt zu manchem Spieler pflegt. "Aber im Stadion war er noch bei keinem ERSC-Spiel", merkte Köbele an.
Beim Blick auf die sportliche Weiterentwicklung seit dem Salinger-Rücktritt beim ERSC Amberg tritt ein weiteres Mysterium aus der Sportwelt zutage: Der neue Coach Bernhard Keil ist nicht etwa ein neuer, externer Übungsleiter, sondern gehörte als Videocoach schon dem Salinger-Trainer-Staff an, wie das in der modernen Sportsprache gerne genannt wird. Welchen Ansatz wählte also der neue Mann an der Bande, der ja auch bereits Teil des Systems war, das vor der eigenen Amtsübernahme sechs Mal in Folge verloren hatte?
"Bernie hat jetzt am Spielsystem nichts Großartiges verändert, er hat höchstens den Fokus auf andere Schwerpunkte gelegt oder im Training neue Übungen reingebracht. Es liegt einfach in der Natur der Sache, dass ein Trainerwechsel per se erst einmal einen neuen Impuls ins Team bringt", versuchte sich Köbele an einer Erklärung für den Keil-Aufschwung beim ERSC. Der Routinier hält es für eine richtige Entscheidung der Verantwortlichen, nach dem Rücktritt Salingers auf eine interne Lösung zu setzen. "Er kennt die Gegebenheiten bei uns genau, weiß, dass viele Spieler nebenbei noch berufstätig sind und kann sich da gut hineinversetzen."
Kleine Pause tut gut
Da hätte es sich eigentlich angeboten, auf der Erfolgswelle zu bleiben, und am Freitag gleich den nächsten Dreier einzufahren. Doch nach dem Ende der Hinrunde gönnt sich die Eishockey-Bayernliga einen freien Freitag zum Durchschnaufen, ehe es am Sonntag für den ERSC zum Tabellenvierten EHC Königsbrunn geht. "Die kleine Pause tut uns ganz gut, weil sich so einige angeschlagene Spieler etwas länger auskurieren können", sagte Köbele, dessen Zuversicht zurück ist, die bereits vor Saisonbeginn gesteckten Ziele erreichen zu können. "Wir liegen nach der Hälfte der Vorrunde auf einem Pre-Play-off-Platz. Das ist am Ende das Minimalziel, weil wir uns – egal wie – für die Play-off qualifizieren wollen."
Bis dahin gilt es für den ERSC Amberg, die unter Neu-Trainer Bernhard Keil wiedergefundene Form zu konservieren und Konstanz in die Leistungen in dieser so ausgeglichenen Bayernliga, in der "jeden jeden schlagen kann", zu bringen. Falls nötig, kann sich Felix Köbele ab und an ja auch einen gutgemeinten Ratschlag seines Ex-Trainers Dirk Salinger holen – bei einem weiteren Glühwein auf dem Weidener Weihnachtsmarkt.



















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