„Kloppo“, wer sonst? Die deutsche Fußballnation hat wieder Mut. Jürgen Klopp soll den deutschen Fußball wieder wachküssen. Es ist keine Überraschung, dass auch in der Region viele dem neuen Coach, der am Freitag vorgestellt wurde, die Daumen drücken. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien erzählen fünf Trainer aus der Region, was sie vom neuen Bundestrainer halten und was sie ihm raten würden, wenn sie einmal für einige Minuten sein Einflüsterer wären. Und sie blicken auch noch einmal ein bisschen auf das Aus in den USA zurück.
„Menschenfänger“ Klopp
Für Josef Holler, den Trainer des Kreisklassisten TSV Dieterskirchen, war etwas für das frustrierende WM-Aus mitentscheidend, was eigentlich nicht mehr entscheidend war: „Das dritte Gruppenspiel gegen Ecuador. Da ist der Schlendrian reingekommen.“ Die deutsche Elf war schon fürs Sechzehntelfinale qualifiziert. Den Schlendrian hätten die „Nagelsmänner“ nicht mehr rausgebracht. Auch Holler fehlte in den USA der unbedingte Wille und die Leidenschaft des Teams: „Wir müssen auch da wieder mehr die Ärmel hochkrempeln und fighten.“ Dass die Wahl auf Klopp als neuem Mann fiel, hält er für sehr gut: „Das ist natürlich ein Menschenfänger.“ Der Neue werde aber die gleichen Probleme haben wie sein Vorgänger: „Mal ehrlich, die absoluten Weltklassespieler in der Offensive haben wir nicht“, sagt der ehemalige Landesligaspieler des ASV Cham. „Wenn ich da nur Frankreich anschaue ...“ Leute wie Florian Wirtz und Jamal Musiala hätten schon gezeigt, dass sie in diese Regionen kommen können. „Aber Weltklasse sind sie derzeit nicht.“ Wie auch ein Joshua Kimmich nicht, wie Holler anmerkt.
Dennoch will der 38-Jährige nicht alles verdammen: „Wir haben vor zwei Jahren doch wirklich eine gute Heim-EM gespielt.“ Es werde jetzt etwas dauern, bis es wieder besser werde. Zur EM 2028 werde man auch die Fortschritte sehen: „Europameister werden wir aber dennoch nicht.“
Fehlende Leidenschaft
Auch Martin Dehling, Trainer des Kreisligisten FC Edelsfeld, war etwas perplex von dem, was die DFB-Elf bot: „Bei anderen Ländern spielen viele Spieler im Nationaltrikot besser als bei ihren Vereinen. Bei uns ist es genau umgekehrt.“ Wenn man sich da nur die Bayern anschaue: „Die sind im Halbfinale der Champions League nur knapp gescheitert.“ Der 52-Jährige will dem einen oder anderen auch die Weltklasse nicht absprechen, aber der Wille und die Leidenschaft hätten gefehlt. Da kommt er zum Ergebnis: „Da ist wohl bei dem einen oder anderen eine gewisse Sättigung da.“ Von manchen Experten wird auch die Führungsrolle Kimmichs in Frage gestellt: Dehling würde schon weiter auf den Bayern-Mann bauen: „Er geht ja durchaus voran“, sagt er: „Aber gegen einen Rodri kommt er nicht an.“ Auch der Edelsfelder Coach schwärmt vom spanischen Gehirn des neuen Weltmeisters. Für Leute wie Leroy Sané sieht Dehling dagegen keine Zukunft im DFB-Team.
Ein bisschen stört ihn bei der Nachfolgeregelung von Nagelsmann das Gefeilsche um den Vertrag von Klopp. Ein Nationaltrainer habe nun mal auch nicht die tägliche Arbeit. „Klopp hat doch schon so viel verdient, da sollte es in erster Linie um die Ehre gehen.“ Dennoch setzt auch er auf die Karte Klopp: „Er wird das hinbekommen. Bis zur nächsten EM haben wir eine schlagkräftige Truppe.“
Keine Basics
Benjamin Urban kann so manches aus deutscher Sicht bei der WM nicht verstehen. „Paraguay etwa hat uns mit einfachsten Mitteln besiegt“, sagt der Trainer des SC Luhe-Wildenau im Rückblick. „Uns hat es vor allem an den Basics gehapert.“ Ein Umstand, den der 35-Jährige so überhaupt nicht verstehen kann. Dass das besser wird, auch da setzt er auf Klopp mit seiner Motivationskunst.
Im Tor fordern ja mittlerweile viele Jonas Urbig. Da hält Urban dagegen: „Es muss schon einer sein, der regelmäßig spielt.“ Dem jungen Bayern-Keeper droht ja ein weiteres Jahr als Nummer 2 beim Rekordmeister. An Kimmich würde er festhalten. „Klar im Mittelfeld“, und er bräuchte einen neben sich, der den defensiveren Part habe. „Dann kommt er besser zur Geltung.“ Auch die Nationalmannschaftszeit von Leon Goretzka sieht er noch nicht beendet. Die Zukunft sieht Urban aber vor allem bei Leuten wie Lennart Karl. „Der ist unbekümmert, unbeschwert, bringt Schwung.“ Grundsätzlich sieht er auch keine Notwendigkeit eines ganz großen Umbruchs: „Man muss jetzt vom 26-Mann-Kader keine 23 streichen.“ Aber es fehle einfach die richtige Mischung. Die herzustellen, traut er Klopp zu: „Wir sind jetzt nicht wieder gleich Titelfavorit.“
Viele Baustellen
Auch für Markus Pappenberger, den Trainer des Kreisligisten SpVgg Wiesau, konnte Klopp nur die einzige Wahl sein. „Es muss sich was ändern, und es wird sich mit ihm was ändern“, ist sich der Coach des Aufsteigers sicher. Auch für den 53-Jährigen ist die Art und Weise des deutschen Auftritts in den USA immer noch ein Rätsel. „Und dann wurde auch noch das 7:1 im ersten Spiel so hochgejubelt“, merkt er an. Zu all den spielerischen Mängeln sei noch gekommen, „dass wir auch körperlich nicht gut unterwegs waren“. Baustellen gebe es auch in der Mannschaft. „Wir haben keinen richtigen Mittelstürmer, keine echte Neun“, sagt er. Deniz Undav sieht er auf einem richtigen Weg. Aber er sei kein Zentrumsspieler. Große Stücke hält er in Zukunft auf Bayerns Lennart Karl. Ob allerdings die deutsche Fußballzukunft künftig wieder rosiger aussieht, da ist er noch vorsichtig: „Man kann jetzt nicht gleich erwarten, dass wieder alles klappt, weil Klopp da ist.“
Klopp-Fan
Der neue Bundestrainer wäre für Alexander Schön (52), den Trainer des TSV Pleystein, schon vor Julian Nagelsmann die richtige Wahl gewesen. Aber da sei er ja noch in Liverpool gewesen. „Ich bin auf jeden Fall ein richtiger Klopp-Fan“, outet sich Schön. Für den Coach des Aufsteigers macht es vor allem die Mischung aus. Klopp schaffe es, die jungen guten Spieler, „die wir ja durchaus haben“, mit erfahrenen Spielern zu kombinieren. Auch deswegen müsse auch Kimmich weiterspielen. „Ich weiß, er ist nicht unumstritten“, aber wir brauchen ihn da. Trotz der WM hätten ihm da auch Aleksandar Pavlović und Felix Nmecha gefallen. Frischen Wind könnte sich Schön mit dem Kölner Said El Mala und Kevin Schade vom FC Brentford aus der Premier League vorstellen. Auch Lennart Karl hat der Pleysteiner ganz oben auf dem Zettel. Und beim Sorgenkind, der Rechtsverteidigerposition, ist sich Schön sicher, dass Klopp einen rauszaubert.
Links hinten gibt es für ihn keine Diskussionen: „Ich habe mich so für Nene Brown gefreut. Es ist so toll, dass es ein Oberpfälzer geschafft hat. Da freu ich mich wahnsinnig.“ Und das gleich in doppelter Hinsicht: „Schön: Ich bin ja eingefleischter Bayern-Fan.“


















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