Amberg
05.02.2026 - 13:27 Uhr
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Furchtlos und etwas verrückt: Warum wird man Handball-Torwart?

Handball-Torhüter übernehmen eine der anspruchsvollsten Positionen im Spiel – physisch wie mental. Spieler aus der Region berichten, wie sie zu dieser Rolle kamen und welche Fähigkeiten sie brauchen.

Spätestens seit der Handball-Europameisterschaft ist klar: Wer sich bei dieser Sportart zwischen die Pfosten stellt, muss verrückt sein und zudem besonders gelenkig. Mit bis zu 150 km/h fliegen die Bälle den Torhütern um die Ohren. Glanzparaden und Rettungen sind hierbei keine Seltenheit. Der deutsche Torhüter Andreas Wolff spielte sich während der EM einmal mehr in die Herzen der Zuschauer und ist auch für die Handballer der Region ein Vorbild. Offen bleibt die Frage, warum sich jemand freiwillig in ein Handball-Tor stellt. Die Torhüter der heimischen Handball-Vereine geben Antworten.

"Nicht gezuckt"

Die Position der Torhüter ist, unabhängig von der Sportart, Gerüchten zufolge für Lauffaule und Furchtlose gemacht. Die Position scheint im Jugendhandball nicht besonders beliebt zu sein. Der Karriereweg von Dominik Raschke und Christian Wismeth (beide HG Amberg) lässt das zumindest vermuten. "Die Idee kam daher, dass wir keinen Torhüter hatten und sich das Ganze irgendwo spannend angefühlt hat. Als ich es dann ausprobiert hatte, hat es einfach Spaß gemacht. Deshalb bin ich dann auch dabei geblieben", erklärt Raschke.

Laut Erzählung ging es bei seinem Teamkollegen etwas rabiater zu: "In einem der ersten Trainings wurde jeder von uns kleinen Jungs ins Tor gestellt und unser Trainer hat geworfen. Anscheinend war ich der einzige der nicht gezuckt hat", erzählt er. Manchmal hat man wohl einfach keine Wahl. Auch Philipp Schloß vom HC Sulzbach erging es ähnlich: "Angefangen habe ich mit Handball, nachdem ich zuvor Fußball gespielt habe. Mit der Torwartposition hatte ich davor eigentlich nichts zu tun. Ich wurde damals einfach ins Tor gestellt, was mir dann auch sehr gut gefallen hat."

Anspruchsvolle Position

Doch nicht immer verläuft die Besetzung der Torhüterposition so reibungslos. Bei Daniel Fuhrmann von der HSG Nabburg-Schwarzenfeld blitzt ein kleines Kindheitstrauma durch. "Ich war damals schon bei den Minis im Tor, so ein, zwei Jahre, bis ich mal einen Ball ins Gesicht bekommen habe und da wollte ich dann damals partout nicht mehr ins Tor", erinnert er sich. Nachdem in der C-Jugend dann ein Keeper gesucht wird, leistet der Trainer besondere Überzeugungsarbeit und bringt die Familiengeschichte ins Spiel. "Ich hätte das doch durch meinen Vater in die Wiege gelegt bekommen", heißt es. Seitdem spielt Fuhrmann im Tor, " ich bin dann auch nicht mehr rausgegangen, weil mir hat es dann wirklich wieder richtig viel Spaß gemacht".

Spaß ist eine wichtige Komponente. Doch neben der Begeisterung und Motivation sollte ein Handball-Torwart noch weitere Eigenschaften mitbringen. "Gute Reaktionsfähigkeit, schnelle Beine und ein gutes Stellungsspiel", sind laut Tobias Reil vom HV Oberviechtach ausschlaggebend. Für Torwartkollege Dominik Dewald spielt zudem die mentale Komponente eine Rolle. "Konzentrationsvermögen und Konzentrationsdauer, gerade über 60 Minuten", sind laut Dewald mitentscheidend. Bei einer Sportart, die im Schnitt eine hohe Torquote aufweist, läuft es im Tor manchmal nicht rund. "Frustrationstoleranz", sagt Dewald, "gerade, wenn man einen Scheiß-Tag hat", darf im Portfolio eines Keepers nicht fehlen.

Einzelkämpfer mit viel Teamgeist

Das Training sieht bei allen Torhütern ähnlich aus. Die Keeper wärmen sich in der Regel gemeinsam mit ihrem Team auf, danach geht es meist ins Stretching, Dehnen und Mobilisieren "um flexibler zu werden", erklärt Reil. Im Anschluss geht's ans Warmwerfen und an spezifische Übungen. "Dies kann schon sehr anstrengend sein", sagt der Oberviechtacher. "Das Training ist bei uns sehr abwechslungsreich und wird immer an den Bereichen ausgerichtet, in denen noch Verbesserungsbedarf besteht. Fast immer sind Schnelligkeit, Mobilität und Reaktionsübungen Bestandteil des Trainings", erläutert der 17-jährige Schloß. Torhüter sind aber keinesfalls Einzelkämpfer, Fuhrmann beispielsweise legt viel Wert auf ein gutes Miteinander im Team: "Den anderen Torhüter zu unterstützen, aufzubauen, zu motivieren und natürlich mit ihm reden, ist finde ich ganz ganz wichtig."

Die Position des Torhüters ist vielseitig, Training und Spiele sind anspruchsvoll und der Teamgeist geht dabei nicht verloren. In diesen Aspekten sind sich alle Torhüter einig. Dass Andreas Wolff zu den besten Handballern seiner Zeit gehört, prägt ebenfalls das Stimmungsbild. Es werden aber weitere Handball-Helden genannt. Für Fuhrmann hat der Schwede Matthias Anderson durchaus Vorbild-Charakter, Dewald nimmt unter anderen Mario Huhnstock in die Liste auf und für Tobias Reil ist David Späth von den Rhein Neckar Löwen in der engeren Auswahl. Es ist wie auf jeder Position und Sportart. "Irgendwo sind natürlich immer Vorbilder und man orientiert sich an denen", sagt Raschke abschließend.

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