02.06.2020 - 20:15 Uhr
AmbergSport

Fußball-Wechsel wie im Winter: "Jetzt tauchen neue Probleme auf"

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Der Sommer wird wie ein Winter behandelt: Für den Vorschlag der vom Bayerischen Fußball-Verband eingesetzten Lösungsgruppe, wie Wechsel in der Coronapause geregelt werden, gibt es von Vereinen aus der Region Zustimmung – und harsche Kritik.

Es dauert noch, bis der Ball wieder rollt. Am 1. September soll in Bayern die unterbrochene Fußball-Saison fortgesetzt werden. Bei einigen Vereinen ist noch nicht klar, mit welchem Kader, ob für den Sommer geplante Wechsel wirklich über die Bühne gehen können.
von Christian Frühwirth Kontakt Profil

"Wenn das die Lösung ist, Prost, Mahlzeit", kommentiert Tobias Rösl den Vorschlag. Der Sportdirektor des Bayernligisten DJK Ammerthal habe zwar "Verständnis, dass es der Verband versucht hat, es allen Vereinen recht zu machen", die Einführung einer Wechselfrist vom 30. Juni bis 31. August sei auch nachvollziehbar, allerdings nicht, dass nicht die Regeln einer Sommertransferperiode gelten sollen.

"Jetzt tauchen neue Probleme auf", sagt Rösl und meint in erster Linie, dass abgebende Vereine von Nicht-Vertragsspielern nun ihre Zustimmung zu einem Wechsel geben müssen. Diese "eigentlich schon sicheren" Wechsel würden derzeit plötzlich in der Schwebe sein. Und die abgebenden Vereine haben unvermittelt ein Druckmittel, könnten beispielsweise Ablöse fordern, um Spieler freizugeben, andernfalls würden sie für sechs Monate gesperrt. "Damit könnte Talenten aus der Region möglicherweise die Chance verwehrt werden, in einer Bayernliga zu spielen", sagt Rösl. Sein Lösungsvorschlag: "Die Saison abbrechen und eine sportlich faire Entscheidung schaffen." Sollte, wie momentan geplant, die unterbrochene Spielzeit jedoch am 1. September fortgeführt werden, müssten nach Meinung des Ammerthaler Sportdirektors davor die Wechselmodalitäten des Sommers gelten. "Das ist die einzig richtige Entscheidung. Das würde eine Wettbewerbsverzerrung verhindern und verhindern, dass Nicht-Vertragsspieler gesperrt werden können."

"Durchaus positiv" findet dagegen Johann Danninger den BFV-Vorschlag zu den Sommerwechseln. "Ich finde, dass wir eine Wechselperiode gebraucht haben und dass die Lösung schon vertretbar ist", sagt der Fußball-Spartenleiter des Landesligisten SV Grafenwöhr. "Wir haben einige Spieler, die eh' wechseln wollten, da wäre es sicher besser, wenn das gleich im Sommer passieren kann und sie nicht erst bis in den Herbst hinein warten müssen." Und auch eine andere Sache sei nun etwas einfacher: "Jetzt kann man sich mit Neuzugängen einigen, bei denen man bisher in der Luft hing."

In diesem Punkt sieht Hannes Beer zumindest einen positiven Effekt. "Wir wollen unsere Mannschaft ergänzen und sind mit einigen Spielern im Gespräch", sagt der Teammanager des Landesligisten SpVgg SV Weiden. "Bis dato gab es da weder eine Absage noch eine Zusage, einfach weil keiner gewusst hat, wie die Regelung sein wird. Wir werden das jetzt forcieren und prüfen, inwieweit der eine oder andere Spieler verpflichtet werden kann."

Dass die Saison weitergeführt werden soll, findet Beer "suboptimal" und plädiert dafür, die Entscheidung vielleicht doch noch einmal zu überdenken. Der Vorschlag, die Wechsel im Sommer wie sonst in der Winterpause zu behandeln, führe zu "vielen Problemen und Unwägbarkeiten für die Vereine", auch wenn es seinen Verein "nicht großartig" betrifft. "Wir haben unsere Hausaufgaben bereits gemacht und sind in der glücklichen Lage, dass schon Ende Januar, Anfang Februar vor der Coronakrise die Zusagen unserer Spielern vorlagen, dass sie in der nächsten Saison weiter für die SpVgg SV spielen wollen."

"Sichere Wechsel" unsicher

"Vertretbare Lösung"

Weiden in glücklicher Lage

Zum Vorschlag der Lösungs-Arbeitsgruppe "Vereinswechsel"

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Der große Unterschied

Für Vereinswechsel von Fußballern gelten im Sommer vor einer neuen Saison andere Regeln als in der Winterpause während einer Spielzeit. Der große Unterschied: Bei Wechseln im Winter ist immer die Zustimmung des abgebenden Vereins notwendig. Im Sommer können sich Vereine diese Zustimmung "erkaufen", indem sie die vom Verband festgelegte Ausbildungsentschädigung (die Höhe ist abhängig von der bisherigen und der neuen Spielklasse des Spielers) zahlen. In diesem Fall kann der abgebende Verein den Wechsel nicht verhindern.

Nicht bezahlt werden muss diese "Ablösesumme", wenn der Spieler bei seinem neuen Club Vertragsspieler wird. Das heißt, der Verein muss dem Spieler mindestens ein Jahr lang eine Aufwandsentschädigung von mindestens 250 Euro monatlich bezahlen und ihn über die Berufsgenossenschaft absichern.

Soll der Spieler allerdings weiterhin den Status als Amateur (Nicht-Vertragsspieler) haben und der abgebende Verein die Freigabe für einen Wechsel verweigern, wird der Spieler bis zum 1. November gesperrt. (frü)

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