19.05.2021 - 18:03 Uhr
AmbergSport

Fußballer haben Gewissheit: Zwischen Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt

Es ging richtig eng zu: Wegen der Tabellenberechnung nach der Quotientenregel entschieden mitunter 0,01 Punkte oder gar der direkte Vergleich über Klassenerhalt oder Abstieg. Entsprechend unterschiedlich sind die Reaktionen in der Region.

Während manche Vereine nach der Saisonwertung über Aufstieg oder Klassenerhalt jubeln dürfen, sind andere aufgrund des Ab- bzw. Nicht-Aufstiegs frustriert.

Von Josef Maier und Fabian Leeb

Gebhard Hauer (DJK Ensdorf)

Gebhard Hauer, Trainer der DJK Ensdorf

Wegen eines Mini-Vorsprungs von 0,01 Punkten gegenüber dem FV Vilseck verbleibt die DJK Ensdorf in der Bezirksliga. "Ich habe mich nicht über den Klassenerhalt gefreut, aber das Ergebnis geht so in Ordnung, weil es meiner Meinung nach der beste Weg ist, um durch die Pandemie zu kommen", sagt DJK-Coach Gebhard Hauer. So würden die Ligen künftig nicht aufgebläht und auch untere Ligen blieben halbwegs interessant. "Dennoch tut es mir für meine Freunde aus Vilseck natürlich sehr leid." Andere Faktoren als die sportliche Entscheidung auf dem Platz, in diesem Fall die Pandemie, hätten aktuell "die Grenzen gesetzt".

Christian Zechmann (TSV Stulln)

Christian Zechmann, Trainer des TSV Stulln.

Beim TSV Stulln hätten sich manche in der Mannschaft auch vorstellen können, dass man durch das Modell "Aufsteiger, keine Absteiger" eine weitere Saison in der Bezirksliga quasi geschenkt bekommen hätte. Trainer Christian Zechmann sagt aber auch ganz fair: "Wir wären wohl auch so sportlich abgestiegen." Und dabei verweist er nur auf ein Restprogramm, das so ziemlich alle Hochkaräter der Liga beinhaltete. "Da muss man schon ganz ehrlich sein." Mit einem Quotienten von 0,52 war der Aufsteiger als Schlusslicht der Bezirksliga Nord schon etwas abgeschlagen. Der 36-Jährige findet es zwar schade, dass "die Saison jetzt so zu Ende gegangen ist. Ich bin aber auch froh, dass endlich eine Entscheidung getroffen wurde".

Thomas Schramm (FC Tirschenreuth)

Thomas Schramm, Spielleiter des FC Tirschenreuth.

Ganz pragmatisch nimmt der FC Tirschenreuth den abermaligen Verbleib in der Bezirksliga Oberfranken Ost zur Kenntnis. "Wir haben das alles ziemlich unaufgeregt verfolgt, uns war es im Prinzip egal", sagt Spielleiter Thomas Schramm zum 0,03-Punkte-Vorsprung gegenüber dem SV Mistelgau, der nun in die Kreisliga absteigen muss. "Natürlich rede ich mich jetzt leicht, aber auch ein Abstieg wäre uns egal gewesen, weil niemand derartige Umstände vorhersehen konnte." Der FC hätte jedes Ergebnis genommen, "wie es kommt".

Sven Stock (TSV Tännesberg)

Sven Stock, Abteilungseiter TSV Tännesberg.

Sven Stock ist verärgert: "Ich glaube, man kann sich vorstellen, wie wir abgestimmt haben." Der TSV plädierte für Aufsteiger und keine Absteiger. Die Tännesberger steigen mit einem Quotienten von 1,00 aus der Kreisliga West SAD ab, der SC Ettmannsdorf (1,09) ist gerettet. "Aber wir haben drei Spiele weniger als die Ettmannsdorfer vor uns. Wir hätten noch gegen einige Teams aus der hinteren Tabellenhälfte gespielt." Mit nur einem Sieg mehr wären die Tännesberger wohl nicht abgestiegen. "Andere Landesverbände haben Modell 2 angewandt, nur in Bayern wird immer ein Extrasüppchen gekocht", schimpft Stock. Das mit den größeren Ligen hätte man in der nächsten Saison bereinigen können. "Wir finden die Regelung jetzt total ungerecht."

Martin Maier (TSV Neualbenreuth)

Martin Maier, Spielleiter des TSV Neualbenreuth

"Wir waren die punktemäßig schlechteste Mannschaft", stellt Neualbenreuths Spielleiter Martin Maier nüchtern zum Abstieg aus der Kreisklasse Stiftland fest. Dennoch schwingt bei ihm leiser Unmut bezüglich der Umstände des Gangs in die A-Klasse mit. "Unter der Spielzeit den Paragrafen 93 ohne Einbeziehung der Vereine einzuführen, derart gravierend in einen laufenden Spielbetrieb einzugreifen – ob das alles rechtlich so korrekt abgelaufen ist, wage ich zu bezweifeln." Den BFV beneidet Maier nicht um dessen weitreichende Entscheidungen. "Dennoch hat der Verband – zumindest aus seiner Sicht – jetzt alles richtig gemacht." Zu Beginn der Pandemie "alles auf Null zu stellen", keine Auf- und keine Absteiger, wäre für Maier die bessere Wahl gewesen.

Thorsten Kraft ASV Haselmühl

Thorsten Kraft, zweiter Vorsitzender des ASV Haselmühl.

Ganz, ganz eng ging es in der Abstiegsregion der Kreisliga Süd Amberg/Weiden zu. Der SV Freudenberg steigt mit dem Quotienten 1,19 ab, der ASV Haselmühl bleibt mit demselben drin. Der direkte Vergleich war ausschlaggebend. "Wir haben für Auf- und Absteiger gestimmt", sagt zweiter ASV-Vorstand Thorsten Kraft. "Wir wussten ja, dass wir knapp drinbleiben." Und es sei auch darum gegangen, dass es dann im nächsten Jahr nicht viel mehr Spiele gebe. "Für Freudenberg tut uns das leid", ergänzte der zweite Vorsitzende. Die Haselmühler sahen ihr Team aber nach einem schlechten Start und einem Trainerwechsel auf einem guten Weg: "Ich glaube, schon, dass wir auch auf sportlichem Wege den Klassenerhalt geschafft hätten."

So haben die bayerischen Fußballvereine über die Wertung des Saisonabbruchs entschieden

Amberg

BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher ordnet das Abstimmungsergebnis ein

Weiden in der Oberpfalz

 

 

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