30.03.2021 - 14:33 Uhr
AmbergSport

Fußballvereine aus der Region votieren klar für Saisonabbruch

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Es ist die Frage aller Fragen. Sie treibt derzeit alle Amateurfußballer in Bayern um. Soll die "XXL-Saison 2019/21" abgebrochen werden oder nicht? 142 Vereine aus der mittleren und nördlichen Oberpfalz haben uns diese Frage beantwortet.

Rote Karte für die Saison 2019/21: Geht es nach den Vereinen aus der Region, sollte der Bayerische Fußball-Verband die Corona-Spielzeit sofort abbrechen.

Von Reiner Fröhlich und Fabian Leeb

Es gleicht einem Stochern im Nebel, niemand weiß, wie lange die Corona-Pandemie dieses Land noch in Atem halten wird. So weiß auch niemand, wie es mit den Amateurfußballern weitergehen soll. Fast alle anderen Sportarten haben ihren Ligenbetrieb bereits eingestellt, nur der Bayerische Fußball-Verband beharrt nach wie vor auf einem sportlichen Ende auf dem grünen Rasen für die überlange Spielzeit 2019/20. Doch was denken die Protagonisten selbst? Wir haben deswegen genau die gefragt, die sich Wochenende für Wochenende das Trikot überstreifen und leidenschaftlich ihrem Hobby nachgehen.

Wir haben 167 Vereine von der Kreisliga abwärts aus den Fußballkreisen Amberg/Weiden, Cham/Schwandorf und Hof/Wunsiedel/Tirschenreuth per Mail angeschrieben oder mit ihnen telefoniert, und ihnen genau eine Frage gestellt: "Soll die Saison abgebrochen werden?" Genau 85 Prozent (142 Vereine) haben uns die Frage auch beantwortet. Die große Mehrheit (71,8 Prozent) votierte dabei für einen sofortigen Saisonabbruch. 26,8 Prozent sind dafür, die Saison fortzuführen. Auffallend war, wie differenziert und reflektiert die Klubs die Situation betrachtet haben. Nachfolgend geben wir einen Auszug aus den Antworten der Vereine. Aus Gründen der Gleichberechtigung veröffentlichen wir die Meinungen der Vereinsvertreter anonym. Manche hätten zwar auch so offen zu ihren Äußerungen gestanden, doch einige fürchteten – mit einem Augenzwinkern – "nur wieder Ärger mit dem Verband".

  • "Abbrechen, was sonst? Ob wir mit unserer Herrenmannschaft weiterspielen können oder nicht, das ist unser geringstes Problem. Wir müssen erst mal schauen, wo unsere Jugendlichen sind. Vor allem unsere E- und F-Junioren. Ob wir da überhaupt wieder Mannschaften zusammenbringen nach dieser langen Zwangspause."
  • "Wir würden natürlich eine sportliche Entscheidung auf dem Spielfeld bevorzugen, glauben aber kaum, dass in absehbarer Zeit ein vernünftiger Trainings- und Spielbetrieb möglich ist – deshalb Abbruch! Damit es auch für die Mannschaften und den Verein Klarheit gibt und man für die neue Saison planen kann."
  • "Alles andere, als jetzt abzubrechen, ist ein Witz. Keiner weiß zum jetzigen Zeitpunkt, was Sache ist. Wie lange sollen wir denn noch warten? Die Spieler haben ein halbes Jahr nichts gemacht. Sie hatten zwar ihren Trainingsplan mit Läufen und so weiter. Aber wenn man sich ein bisschen auskennt, dann weiß man, dass die einen sich in dieser Liga an den Plan halten, die anderen aber nicht. Das sollte ich jetzt eigentlich nicht sagen, aber ich glaube, dass einige Spieler über den Winter bestimmt ein paar Kilo zugelegt haben."
  • "Wir wollen die Saison sportlich zu Ende bringen. Auch wenn es vielleicht um nichts mehr geht. Wenn es sein muss, dann nehmen wir halt die paar Spiele, die wir noch haben, als Trainingsspiele her. Aber abzubrechen ist keine Lösung."
  • "Wir spielen in der Kreisklasse und hoffen, dass die Saison zu Ende gespielt wird. Meine Befürchtung ist nicht die Ansteckungsgefahr, sondern die Mannschaften, die durch die lange Unterbrechung der Saison Spieler verlieren werden. Viele werden sich bei einem Abbruch der Saison als Spieler verabschieden. Die Konzepte und Maßnahmen der Vereine gegen das Virus sind meiner Meinung nach bestens. Deshalb muss die Saison zu Ende gespielt werden."
  • "Es macht keinen Sinn, weiterzuspielen. Wir brauchen mindestens vier oder fünf Wochen Vorbereitungszeit. Unsere Spieler sind ja keine durchtrainierten Bayernligaspieler, sondern Amateurfußballer. Wenn wir zu schnell loslegen müssen, dann gibt es viel zu viele Verletzungen."
  • "Diese Saison dauert schon viel zu lange, und die wenigste Zeit haben wir Fußball gespielt. Wenn man sich die ganzen Wechsel bei den Spielern anschaut, dann kann man nicht mehr von einem fairen Wettbewerb sprechen. Das ist eigentlich überhaupt kein Wettbewerb mehr mit diesen langen Pausen."
  • "Wir sind der Ansicht, dass die Serie zu Ende gespielt werden sollte. Auch wenn es über den anvisierten Endpunkt hinausgeht. Denn sollte ein Spielbetrieb wieder möglich sein, dann möchten die Mannschaften ja wieder spielen. Es wird sowieso schwierig für die ein oder andere Mannschaft, wieder genügend Spieler zur Verfügung zu haben."
  • "Es ist höchste Zeit, einen Schlussstrich unter diese unsäglich lange Saison zu ziehen. Jetzt abzubrechen ist das einzig Richtige, denn dann können wir vernünftig und rechtzeitig für die neue Saison planen. Auch, was unsere Spieler betrifft."
  • "Die Politik entscheidet, wie sie lustig ist. Es gibt ja keinerlei Perspektive, wann und wie es weitergehen kann. Die Saison zu Ende zu spielen, das wird ein frommer Wunsch bleiben."
  • "Es wird wohl keine Alternative zu einem Abbruch geben. Hinzu kommt, dass für den BFV bei einer möglichen Relegation die Eintrittsgelder ausbleiben und somit – verständlicherweise – auch der Reiz beziehungsweise die Motivation für diesen Kraftakt fehlt. Schade wäre eine Annullierung für Vereine, die nach einer extrem starken Saison leer ausgehen würden. Deshalb wären wir für eine Quotenregelung."
  • "Nach aktuellen Inzidenzwerten ist ein Startschuss für einen Kontaktsport wie Fußball nicht absehbar. Ich persönlich hoffe, dass sich dieses Thema somit von alleine regelt. Ja, die Saison 2019/21 sollte einfach zurück auf Null gestellt werden."

Ein Kommentar zum Abstimmung von Oberpfalz-Medien

Amberg

Bei Saisonabbruch im Fußball: Quotientenregelung und keine Relegation

Amberg
An der Abstimmung beteiligten sich 142 Vereine aus folgenden Ligen: Kreisliga West (CHA/SAD), Kreisliga Nord und Süd (AM/WEN), Kreisliga Süd (Hof/WUN/TIR), Kreisklasse Nord (CHA/SAD), Kreisklasse West, Süd und Ost (AM/WEN), Kreisklasse Stiftland sowie die A-Klasse Nord (CHA/SAD), A-Klassen Ost, West, Nord, Süd (AM/WEN).
Hintergrund:

Bayerischer Fußball-Verband beschließt Vier-Punkte-Plan zur Saison 2019/20

  • Der Vorstand des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) hat in einer Videokonferenz einen Vier-Punkte-Plan für den Umgang mit der weiter wegen der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden staatlichen Verfügungslagen unterbrochenen Spielzeit 2019/20 im Männer-Bereich, die ursprünglich bis zum 30. Juni 2021 beendet werden sollte, verabschiedet:
  • 1. Sollte ab dem 19. April 2021 kein flächendeckender Trainingsbetrieb mit Kontakt in Bayern möglich sein, ist die Durchführung des Ligapokal-Wettbewerbs nicht mehr möglich. Entsprechend wird dieser auf Kreis-, Bezirks- und Verbandsebene als Zusatzwettbewerb gestrichen. Diese Regelung gilt nicht für die Regionalliga Bayern, für deren Ligapokal-Wettbewerb vom Verbandsvorstand im Dialog mit den betreffenden Vereinen noch eine gesonderte Entscheidung zu treffen ist.
  • 2. Um noch möglichst viele oder alle der ausstehenden Spiele der Punkterunden zu Ende zu bringen, braucht es einen nahezu uneingeschränkten Trainingsbetrieb ab spätestens 3. Mai 2021. Sollte dies nicht der Fall sein, muss über einen Abbruch der Verbandsspielrunden entschieden werden. Hierzu werden alle Vereine vor der Entscheidung des Verbandsvorstands durch Einholung eines Meinungsbilds mit einbezogen. Für den Fall des Abbruchs einer Saison sehen die Bestimmungen der Spielordnung (Paragraf 93 der Spielordnung) eine Wertung für Auf- und Abstieg nach der Quotienten-Regelung unter Wegfall der Relegationsspiele vor.
  • 3. Der Verbandsvorstand hält einen Spielbetrieb unter der Voraussetzung, dass jeweils ein negativer Corona-Test vorzuweisen ist, in der Fläche für nicht durchführbar und unter den aktuellen staatlichen Rahmenbedingungen nicht realisierbar.
  • 4. Der Toto-Pokal-Wettbewerb soll im Austragungsmodus noch nicht verändert werden. Bezüglich der möglichen Fortführung des Toto-Pokal-Wettbewerbs beziehungsweise der Ermittlung des Teilnehmers an der 1. DFB-Pokal-Hauptrunde wird ein separater Vorschlag im Dialog mit den noch im Wettbewerb befindlichen Vereinen durch den Verbandsvorstand erarbeitet.
  • Für die Frauen, Juniorinnen und Junioren gelten die Punkte 2 und 3 analog. Beim Verbandspokal-Wettbewerb der Frauen und der Juniorinnen sowie Junioren werden individuelle Lösungen noch erarbeitet.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.