13.05.2020 - 15:52 Uhr
AmbergSport

Keine Kimme, kein Korn: Saison für Schützen vorzeitig beendet

Von wegen "Gut Schuss": Die Schützen in Bayern legen ihre Sportwaffen zur Seite und brechen die Saison ab. Ein Verein in der Region muss seine Zweitliga-Aufstiegsträume begraben. Vorerst.

Die Luftpistolenschützen der SG Thumsenreuth haben in der Vergangenheit bereits Bundesliga-Luft geschnuppert. Der Wiederaufstieg bleibt den Nordoberpfälzern aber verwehrt, da der Aufstiegskampf coronabedingt ausfällt und die Konkurrenz einen besseren Ringschnitt aufweist. Unser Bild zeigt eine Szene aus einem zurückliegenden Bundesliga-Heimkampf der SG Thumsenreuth.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Das Coronavirus hat den Schießsport mächtig aufs Korn genommen. Seit Mitte März geht rein gar nichts mehr auf den Schießständen der bayerischen Schützenheime. Während manche Freiluftsportarten wie Tennis oder Leichtathletik dank jüngster Lockerungen – wenn auch mit Auflagen – langsam wieder in die Gänge kommen, ist für die Sportschützen kein Land in Sicht. Nun haben Oberpfälzer Schützenbund OSB) und Bayerischer Sportschützenbund (BSSB) Konsequenzen aus dem Stillstand gezogen: Sämtliche Meisterschaften auf Landesebene und in den Bezirken sind für heuer abgesagt, teilt der BSSB auf seiner Homepage mit. Die Landessportleitung empfiehlt darüberhinaus, "die Rundenwettkämpfe auf allen Ebenen des Verbandes einzustellen."

Der Empfehlung folgten prompt Taten: Der Schützenbezirk Oberpfalz im BSSB hat einen Schlussstrich gezogen und die Saison 2019/20 für beendet erklärt. Der Tabellenstand zum 1. Mai sei gleichzeitig der Endstand, heißt es auf der Internetseite des Bezirks: "Es gibt keine Aufstiegskämpfe, es wird der RWK, so wie er war, neu angesetzt und wiederholt." Geschäftsstellenleiter Matthias Reuß (Weiden) steht hinter der Entscheidung: "Der eine hat einen Kampf mehr, der andere einen weniger. Das Beste ist tatsächlich, die Saison zu vergessen. Was soll man da anderes machen?" Noch viel mehr als der Schnitt beim Rundenwettkampf schmerzt Reuß der Ausfall aller Meisterschaften: "Das tut weh, weil es die Höhepunkte für jeden Schützen sind." Für jene Schützen, die am Drücker bleiben wollen, empfiehlt Reuß Trockentraining: "Zielübungen und Abzugstraining, das geht auch so."

Auch der Oberpfälzer Schützenbund (OSB) hat reagiert und den Rundenwettkampf 2019/20 mit sofortiger Wirkung eingestellt. Die von der Sport- und Ligaleitung beschlossene Ausnahmeregelung lautet: Für die laufende Saison gibt es keine Auf- und Absteiger, die Mannschaften werden 2020/21 entsprechend der Ligazugehörigkeit und Tabellensituation beim Abbruch der Wettkämpfe starten. "Wir werten diese Saison nicht und lassen sie quasi ausfallen", sagt Franz Brunner (Maxhütte). Der OSB-Präsident hält die Entscheidung für "absolut richtig im Sinne der Gesundheit unserer Mitglieder." Auch die Vereine würden den Beschluss in der Mehrheit mittragen: "Das wird so akzeptiert, die sehen die Notwendigkeit ein." Sein Appell an die Mitglieder: "Da müssen wir jetzt zusammenhalten."

Wenig Hoffnung hat Brunner, dass das seit zwei Monaten geschlossene Landesleistungszentrum in Pfreimd demnächst wieder öffnen kann. "Wir hoffen, im Juli langsam wieder mit Lehrgängen anfangen zu können", sagt der Präsident. Oberste Priorität habe jedoch das Vereinsleben: "Da muss sich als erstes wieder etwas rühren. Langsam in die Normalität zurückzukommen, wäre hier wichtig."

Auf diesem Weg befinden sich aktuell lediglich die Bogenschützen. Die staatlichen Vorgaben erlauben ihnen zumindest das Training im Freien unter Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln. Ausgeschlossen von Erleichterungen ist weiterhin der Sport in Hallen und geschlossenen Sportanlagen. "Diese Regelung wird zum heutigen Zeitpunkt auf absehbare Zeit nicht geändert", teilt der BSSB auf seiner Homepage mit. Ein Wettkampfsport sei durch den Deutschen Olympischen Sportbund und den Deutschen Schützenbund (DSB) bis Ende August größtenteils nicht erlaubt. Eine Fortsetzung der Saison und ein Verschieben der restlichen Wettkämpfe in den Herbst hält der Verband deshalb für "nicht absehbar". Auch würde ein solches Vorgehen die Planungen für die nächste Saison "ungemein erschweren". Aus diesem Grund wurde verbandsübergreifend eine Regelung für den Aufstieg in die 2. Bundesliga Süd sowie Auf- und Abstieg aus der Bayernliga vereinbart.

Davon betroffen ist unter anderem die Schützengesellschaft 1898 Thumsenreuth. Deren Luftpistolenschützen dominierten im Saisonverlauf die Bayernliga Nordost und hätten als Meister am Aufstiegskampf zur 2. Liga Süd teilnehmen dürfen. Der fällt aber coronabedingt aus. Da lediglich zwei Aufstiegsplätze zur Verfügung stehen, wurden nun die vier Bayernliga-Gruppensieger anhand ihres erzielten Ringdurchschnitts gelistet. Und hier belegen die Thumsenreuther (1799 Ringe) hinter Kempten (Südwest/1836), Prien (Südost/1823) und Eichstätt (Nordwest/1807) lediglich den vierten Platz. Im kleinen Ortsteil von Krummennaab (Landkreis Tirschenreuth) nimmt man's gelassen. "Wir waren ja schon mal in der 1. und 2. Bundesliga. Die Mannschaft wäre gerne wieder aufgestiegen, aber wir verstehen die Situation und tragen die Entscheidung mit", sagt Vorsitzender Horst Bauer. Er schiebt aber eine Kampfansage hinterher: "Dann steigen wir halt nächstes Jahr auf."

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