Amberg
13.02.2019 - 20:22 Uhr

Kondome schützen - nur nicht vorm DFB

Vor drei Jahrzehnten spielte der FC Homburg in der Fußball-Bundesliga und machte weniger mit sportlichen Leistungen auf sich aufmerksam. Viel interessanter war, dass die Homburger auf ihrem Trikot für Kondome warben.

Darüber regten sich vor etwa 30 Jahren nicht wenige auf: Kondomwerbung auf den Trikots des damaligen Bundesligisten FC Homburg. Bild: Michael Probst/dpa
Darüber regten sich vor etwa 30 Jahren nicht wenige auf: Kondomwerbung auf den Trikots des damaligen Bundesligisten FC Homburg.

Es war der Aufreger, oder besser gesagt der Erreger seinerzeit. 30 Jahre ist es nun her, da beschäftigte ein kurioser Rechtsstreit den deutschen Fußball. Die damaligen Bundesliga-Kicker des FC Homburg trugen Ende der 80er-Jahre den Werbeschriftzug "London" auf der Brust. Dahinter verbarg sich ein bekannter Kondomhersteller. Und Moral-Apostel, wie der damalige DFB-Boss Gerhard Mayer-Vorfelder, wetterten gegen den Sittenverfall und waren außer sich. Die "Pariser" von London wollten sie nicht auf der Spielerbrust sehen. Es kam zum Rechtsstreit, den der FC Homburg vor dem Landgericht Frankfurt schlussendlich gewann.

Thomas Graml erinnert sich noch an die damalige Posse und muss heute darüber schmunzeln. "Kondomwerbung halte ich heute für überhaupt kein Problem mehr. Da ist wirklich nichts Anstößiges dran." Aber der Bezirksvorsitzende und seine Funktionärskollegen haben aber schon ein Auge darauf, für was da so auf den Trikots Werbung gemacht wird.

Es gibt auch eine "Richtlinie für die Werbung auf Spielkleidung" vom Bayerischen Fußballverband (BFV). "Ein Bordell ginge nicht", schiebt Graml gleich mal Liebestempeln einen Riegel vor. Werbung für Tabak oder starke Alkoholika auch nicht. Also der Hirsch vom Jägermeister - die Mutter aller Trikotwerbungen - dürfe auch nicht auf den Trikots röhren. 1973 warb Eintracht Braunschweig als erster Fußballklub für ein Produkt, eben diesen bitteren Kräuterschnaps. "Bier geht, aber nicht bei Trikots von Jugendmannschaften", sagt Graml.

Es ist jetzt auch nicht so, dass die Funktionäre die Größe jedes Buchstaben oder Firmenlogos nachmessen, aber Höhe und Breite für die Werbung auf dem Trikot sind schon definiert. Groß einschreiten habe man bei den hiesigen Vereinen aber bisher nicht müssen, erinnert sich Graml an keine großen Verfehlungen. Es habe mal einen Verein gegeben, der wollte auf jedem Trikot der Mannschaft eine andere Werbung haben. "Das wurde untersagt", sagt Graml. Ebenso sei es undenkbar, dass irgendwelche politischen Aussagen oder Slogans auf der Spielerbrust leuchten würden.

Graml kann verstehen, dass die Vereine immer auf der Suche nach Geldquellen sind und vielleicht auch mal in Versuchung kommen könnten, grenzwertige Werbung anzunehmen. Konkrete Fälle, die man ablehnen musste, fallen ihm aber auch da nicht ein.

Meist werben Firmen auf den Trikots. Aber es gibt auch andere Ideen. Graml nennt da seinen Heimatverein SV Raigering. Die B2-Jugend läuft mit der Werbung vom Burschenverein Raigering auf. Da geht's nicht nur um Werbung für die Zuschauer. Die Verantwortlichen des kultigen Vereins hoffen natürlich auch, dass sich die Kicker später mal ihrem Verein anschließen.

 
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