28.10.2020 - 15:54 Uhr
AmbergSport

Mädchen spielen Fußball: "Wir sind genauso gut wie die Jungs"

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So unglaublich es klingt: Besuche bei Spielen des 1. FC Nürnberg haben das Fieber geweckt, und aus dem Besuch entwickelt sich eine U11-Mädchen-Fußballmannschaft – die einzige im Landkreis Amberg-Sulzbach.

Vorbildliche Schusshaltung.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

"Mein Kumpel und ich hatten bis Corona eine Dauerkarte beim 1. FC Nürnberg. Da sind wir alle zwei Wochen hingefahren, mit unseren Töchtern." Thorsten Lindner aus Traßlberg mit Tochter Ronja Maurer, und Freund Peter Engelhardt mit Tochter Marie. Der Beginn einer Fußball-Leidenschaft - nicht nur bei den Vätern, sondern auch bei den Töchtern. "Es ist egal, ob sie gewinnen oder verlieren. Es ist einfach eine gute Mannschaft", erklärt die zehnjährige Marie - ein Club-Fan, natürlich. Sie spielt Fußball beim SV Michaelpoppenricht in der einzigen U11-Mädchenmannschaft des Landkreises Amberg-Sulzbach.

Große Fußball-Luft geschnuppert

Im großen Stadion in Nürnberg schnupperten die jungen Mädchen die große Fußball-Luft - und wollten irgendwann selber spielen. Aus diesem Wunsch entstand eine Mannschaft mit inzwischen zwölf Nachwuchsfußballerinnen. "Die meisten Mädchen sind FC-Bayern-Fans, der kleinere Kreis schwärmt für den 1. FC Nürnberg", sagt Lindner. Und ist nicht mal erstaunt, wie gut informiert die jungen Damen sind. Denn: "Die schauen schon auch die Champions-League. Gerade die Bayern-Fans. Da gibt es vier, fünf Ultras, die haben in der Ferienzeit alles angeschaut." Auch das Finale gegen Paris stand bei einigen auf dem Fernsehprogramm - sie konnten ja am nächsten Tag ausschlafen.

Vorbild Lewandowsky

"Sie gewinnen fast jedes Spiel und sie sind sehr gut. Müller und Lewandowsky sind meine Favoriten", sagt Laura (9), die bereits seit vier Jahren Fußball spielt. Hanna (10) ist seit drei Jahren dabei, und steht im Tor. "Das Torwarttraining macht am meisten Spaß. Weil man mal ohne die anderen trainieren kann, nur alleine mit dem Trainer. Da lerne ich am meisten."

Wie das Ganze losging: "Meine Tochter und die von meinem Freund sind zusammen in den Kindergarten gegangen, und so im Alter von sieben, acht Jahren wollten sie dann selbst Fußballspielen", erklärt Thorsten Lindner. "Dann haben wir einfach geschaut, wo es einen Verein für diese Altersklasse gibt." Zuerst beim SVL Traßlberg, aber da gab es keine F-Jugend. Nach einem Probetraining beim SV Michaelpoppenricht sind "die beiden, Ronja und Marie, sind dann dort hängengeblieben." Beim SVM trainierten schon ein halbes Dutzend Mädchen, die gemischt mit Jungs zusammen in einer Mannschaft Fußball spielten. Aber: „Die Mädchen wollten eine eigene Mannschaft.“ In diesem Alter sei es schwierig, beide Geschlechter unter einen Hut zu bringen. Die Mädchen wollten sich mit anderen Mädchen messen, und nicht mit Jungs.

Die Geburtsstunde

Nachdem ein Trainer des SVM zum SV Loderhof gewechselt war, war das im Herbst 2019 die Geburtsstunde der Mädchenmannschaft. Peter Engelhardt und Thorsten Lindner trainieren die Mädchen, die inzwischen zu zwölft sind, alle zwischen achteinhalb und zehn Jahre alt. Der größte Teil stammt aus Michaelpoppenricht, der Rest aus Schäflohe und Traßlberg. Die einzige U11-Mädchen-Mannschaft im Landkreis Amberg-Sulzbach. Deswegen spielt die Truppe im Fußballkreis Cham/Schwandorf und die Gegner kommen aus Regensburg, Bergham, Altenstadt/Vohenstrauß, Altrandsberg und Burglengenfeld.

Sehr selbstbewusst

"Was die Jungs können, das können wir Mädels auch", sagt die neunjährige Mia selbstbewusst: "Wir sind genauso gut wie die Jungs." Der Zusammenhalt in der Mannschaft, und die Teamgemeinschaft sind die wichtigsten Dinge, erklärt die zehnjährige Josefine: "Ich habe schon Handball gespielt und Leichtathletik gemacht. Aber Fußball gefällt mir besser." Eine Reihe von Auftritten hat das Poppenrichter Mädchenteam schon absolviert. Als erstes Turnier stand Weihnachten 2019 in Auerbach der Ladies Soccer Cup auf dem Programm (Lindner: "Da sind wir Zweiter geworden"), danach folgte die Bezirksmeisterschaft in Burglengenfeld im Januar 2020 - ebenfalls mit einem zweiten Platz. Auftritt Nummer drei ein Turnier in Nürnberg im Februar, erneut Vize-Sieger.

Training statt Spitzenspiel

Im Frühjahr hätte die Punkterunde beginnen sollen - dann kam der Lockdown. Training war erst wieder Ende Juni erlaubt, und ab Mitte September. Die Lust am Fußballspielen haben fast alle behalten. "Zwei haben wir dabei, die momentan nicht mehr ganz so ziehen. Die fahren Mountainbike und Downhill, aber noch sind alle dabei geblieben", erklärt Lindner. Am vergangenen Freitag wäre das Spitzenspiel in ihrer Gruppe angestanden - gegen den VfB Regensburg. Ein Duell der Ungeschlagenen, das wegen Quarantänefällen in der Regensburger Mannschaft abgesagt werden musste. Sehr zum Bedauern der SVM-Truppe, denn die jungen SVM-Mädchen haben bisher drei Spiele absolviert und alle gewonnen ebenso wie Regensburg. Anstelle des Spiels wurde trainiert.

Thorsten Lindner hat alles im Blick.

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Ebermannsdorf
Die beiden Trainer, Peter Engelhardt (rechts) und Thorsten Lindner (links), beobachten genau die Übung ihrer Schützlinge.
Aufwärmtraining muss auch sein.
Volle Konzentration auf den Ball.
MIt Schwung zum Ball.
Das Trainer-Duo Peter Engelhardt (rechts) und Thorsten Lindner (links).
Ein lockerer Plausch darf auch mal sein.

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