28.05.2021 - 15:00 Uhr
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Platzeinweihung des SV Inter Bergsteig Amberg: Als der FC Bayern zu teuer war

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Das Eröffnungsspiel auf dem neuen Fußballplatz treibt vor 20 Jahren den Verantwortlichen die Rechenfalten auf die Stirn. Wer soll kommen, was kostet ein Bundesligist? Zwei Clubs sind zu teuer, die dritte Wahl entpuppt sich als Schnäppchen.

„Der Trainer ist der Star“, hieß es damals. Klaus Augenthaler (links im grünen Hemd auf der Bank) gab beim 1. FC Nürnberg den Ton an. Rechts neben Augenthaler der damalige Sportdirektor Edgar Geenen, Co-Trainer Thomas Brunner und der langjährige Inter-Vorsitzende Josef Wifling.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Der Fußballverein SV Inter Bergsteig Amberg hat im Jahr 2001 eine neue Anlage bekommen, und diese soll entsprechend eingeweiht werden. Die Frage ist: Gegen wen soll die Inter-Truppe am Festtag spielen? "Na klar, man wollte den FC Bayern München", sagt Andreas Wächter, damals Vorsitzender des SV Inter. "Die hätten aber 80 000 D-Mark gekostet, mit Nationalspielern wie Oliver Kahn sogar 120 000 Mark. Dann wollten wir 1860 München, aber die lagen immer noch bei 60 000 Mark", erinnert sich Wächter. Eine kurze Überlegung gibt es, die SpVgg Unterhaching zu holen, mit Alexander Bugera. Aber die Hachinger, so der damalige Inter-Chef, hätten keine Zugkraft gehabt.

5000 Mark für die Anfahrt

Als wahres Schnäppchen entpuppt sich die dritte Wahl - der 1. FC Nürnberg. Der Club, von der 2. Liga in die 1. Bundesliga aufgestiegen, ist zu jener Zeit weniger anspruchsvoll: "Die wollten nur 25 000 Mark. Das war die billigste Variante. Aber die ziemlich beste, weil der Club in unserem Umland eine gute Fan-Basis hat." Die Nürnberger präsentieren fürs Kommen eine Rechnung wie gute Handwerker: nämlich noch 5000 Mark extra für die Anfahrt. "Wir mussten 30 000 DM als Vorkasse hinblättern. Inter hatte das Geld natürlich nicht, aber wir hatten einen großzügigen Gönner, der hat uns das Geld vorgestreckt", erklärt Wächter.

Dann beginnt das große Zittern: Wie viele Zuschauer kommen, um den Club mit Trainer Klaus Augenthaler zu sehen? Rechnet sich das Ganze? An Michael Wittl, damals zweiter Vorsitzender des SV Inter, bleibt die meiste Arbeit hängen, zusammen mit dem dritten Vorsitzenden Georg Rother, da Wächter sich bis kurz vor dem Spiel im Urlaub befindet. "Da hat er schön alles auf mich abgewälzt", sagt Wittl und lacht.

Halbe Stunde auf Olivenbaum

An den Urlaub kann sich Wächter noch gut erinnern. Kurz vor dem Spiel kommt er aus Griechenland zurück. Jeden zweiten Tag ist er dort gelaufen, um sich vorzubereiten - denn er ist auch Spieler des SV Inter. "Plötzlich ist da mal ein Hund gekommen, hat gebellt und ist auf mich losgegangen. Ich musste auf einen Olivenbaum flüchten und bin eine halbe Stunde da oben gehockt", sagt Wächter und lacht: "Meine Frau hat mir das auch geglaubt."

Der Tag des Einweihungsspieles: Ihm habe an diesem Tag der Verein Inter Bergsteig imponiert, erklärt Wittl. "Wir haben das Sportheim auf Vordermann gebracht, es wurde von unseren Mitgliedern und unserer Frauenmannschaft top hergerichtet. Wir hatten überhaupt kein Problem, Freiwillige zu finden. Das hat mir gezeigt, wo ich herkomme, und was für ein Verein wir sind. Wenn es um etwas geht, dann stehen wir zusammen", ist Wittl stolz auf den SV Inter Bergsteig. Gelohnt hat sich der Aufwand und das Risiko, denn der SV Inter kann die geliehenen 30 000 Mark zurückzahlen - und ein bisschen was bleibt noch übrig.

3000 Zuschauer

Denn über 3000 Zuschauer kommen, um "Auge" und seine Bundesliga-Truppe zu sehen. Auch wenn die großen Namen fehlen. Der Bus aus Nürnberg reist ohne die Top-Besetzung in Amberg an, Keeper Andi Köpcke ist mit der Vorbereitung zu seinem Abschiedsspiel beschäftigt. Raphael Schäfer steht zum ersten Mal im Tor, mit Marek Nikl, Bernd Hobsch, Armin Störzenhofecker, Adebowale Ogungbure aus Nigeria und Kapitän Stoycho Stoilov tritt der Club an und gewinnt standesgemäß mit 13:1. Und mit Stefan Leitl, der jetzt als Trainer mit der SpVgg Greuther Fürth in die Bundesliga aufgestiegen ist.

"Ein Top-Ereignis, ein Erstligist bei Inter. Wann gab's das schon und wann wird es das wiedergeben?", resümiert Wächter den Auftritt des 1. FC Nürnberg. Armin Störzenhofecker kennt er noch, mit ihm hat er schon in seiner Zeit bei 1860 gespielt. "Mit ihm habe ich mich noch vor dem Spiel unterhalten." Vor einem Spiel, mit dem die neue Anlage eingeweiht wird - die auf allen Plakaten noch namenlos erscheint. "Die waren wochenlang schon vorher gedruckt. Wir haben zwar überlegt, welchen Namen wir vergeben, aber es waren sich alle einig, dass sie Pater-Karl-Küting-Anlage heißen wird", erklärt Wittl.

Eines ist ihm noch sehr gut in Erinnerung geblieben. Der Bus mit der Mannschaft des 1. FC Nürnberg hält vor dem Sportheim, die Spieler verschwinden zügig in den Katakomben - bis auf einen: "Der Augenthaler ist sofort auf unsere Terrasse und hat sich gleich ein Weizen bestellt. Dann ist er mit mir zum Spielfeld gegangen und hat gesagt: Ja, leck mich am Ärmel, ist das ein Platz!" Das müsse so sein, habe Wittl erwidert, "ihr seid ja auch die ersten, die drauf dürfen." Die neue Anlage des SV Inter habe Klaus Augenthaler richtig imponiert, so der damalige zweite Vorsitzende. Auch Wächter kann sich noch an Augenthalers Auftritt auf der Terrasse erinnern: "Das weiß ich noch ganz genau, denn meine Cousine hat bedient. Die hat gesagt: Drei Weizen hat der Augenthaler vor dem Spiel schon gehabt." Und "Auge" hat auch ein gutes Auge: "Die Nummer 10 ist ein hervorragender Spieler. Bei dem sieht man, dass er es kann", lobt Klaus Augenthaler während der Partie. Doch er meint mit seinem Kompliment keineswegs einen Profi aus seiner Club-Truppe - sondern Andreas Wächter. Aber der wird erst in der zweiten Hälfte eingewechselt. Inter-Trainer Stefan Steinl habe zu ihm gesagt, er wolle diejenigen erst spielen lassen, die in der neuen Saison 2001/2002 zum Stamm gehören. Auch die, die auf der Kippe stehen.

Mit Wut im Bauch

Bedeutet, Andreas Wächter muss auf der Bank Platz nehmen. "Insgeheim hat mich das schon geärgert", räumt Wächter ein. Aber dann kommt er mit ein bisschen Wut im Bauch auf den Platz - und macht den Ehrentreffer für Inter. "Der Olaf Haberkamm hat den Ball abgefangen, er spielt ihn direkt zu mir an der Mittellinie. Ich überlege mir nur: Ich brauch' mit denen nichts ins Laufduell, die holen mich ruckzuck ein. Kurz hinter dem Mittelkreis denke ich: Der Tormann steht hundertprozentig am Sechzehner und hab geschossen. Der Schäfer stand tatsächlich am Sechzehner. Das war ein Tor des Monats", erinnert sich Wächter. Das ist das 1:8, wenig später muss er raus - ein Sehnenband ist gerissen. Für zwei Spieler hat er ein besonderes Lob übrig: "Mario Steinbach und Markus Pongratz im Tor haben damals ein sensationelles Spiel gemacht, die haben hinten abgeräumt."

Zwei Absacker

"Es war alles ein Mordsaufwand, aber es hat sich gelohnt. Auf alle Fälle. An diesen Tag werde ich mich immer erinnern", sagt Wittl. Die Abfahrt des 1. FC Nürnberg verläuft genauso unspektakulär wie die Anfahrt. "Bis auf den Augenthaler", so Wächter. "Der ist gleich nach dem Spiel auf die Terrasse und hat sich noch zwei Absacker reingeknallt."

Bildergalerie zur Platzeinweihung SV Inter Bergsteig Amberg - 1. FC Nürnberg am 10. Juli 2001

Bernd Hobsch gibt Autogramme bei der Einweihung der Pater-Karl-Küting-Anlage und vor dem Spiel SV Inter Bergsteig - 1. FC Nürnberg (1:13) am 10. Juli 2001.

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Oberpfalz
Zwei, die sich schon kannten: Andreas Wächter (links) und Armin Störzenhofecker.
Hintergrund:

Inter Bergsteig Amberg - 1. FC Nürnberg 1:13 (0:8)

  • SV Inter Bergsteig Amberg: Pongratz (54. Wehner), Steinbach, Helleder, Gräss, Lory (46. Meier), Gottlieb (46. Berschneider), Dedic (68. Garbien), Schneider (46. Haberkamm), Straubinger (46. Kramer), Schlamberger (46. Barami), Lang (46. Wächter/77. Lang)
  • 1. FC Nürnberg: Schäfer (46. Kampa), Bergener (73. Johansson), Tavcar (73. Wiblishauser), Günther (77. Nikl), Leitl (77. Kos), Stehle (77. Jarolim), Ogungbure (60. Müller), Krzynowek (59. Störzenhofecker), Stoilov (65. Junior), Hobsch (46. Gomis), Villa (77. Frey)
  • Tore: 0:1 (16.) Stoilov (Foulelfmeter), 0:2 (28.) Hobsch, 0:3 (29.) Günther, 0:4 (37.) Villa, 0:5 (38.) Krzynowek, 0:6 (39.) Ogungbure, 0:7 (41.) Leitl, 0:8 (44.) Stoilov, 1:8 (56.) Wächter, 1:9 (57.) Bergener, 1:10 (60.) Villa, 1:11 (62.) Villa, 1:12 (72.) Stehle, 1:13 (90.) Junior
  • Schiedsrichter: Thomas Gebele (SGS Amberg), Schiedsrichterassistenten: Gernot Stark (ASV Haselmühl), Rudi Lerch (SVL Traßlberg) - Zuschauer: 3000

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