21.03.2021 - 21:36 Uhr
AmbergSport

Quotientenregel stößt sauer auf: Lösung des Fußballverbandes "unfair"

Daniel Liermann und der FV Vilseck gehören zu den Verlierern der Quotientenregel bei den bayerischen Amateurfußballern - sofern diese zum Tragen kommt. Nicht die Regel an sich ärgert Liermann, sondern wie und wann sie zustande kam.

„Das gefällt mir nicht!“ Vilsecks Trainer Daniel Liermann moniert, wie und wann die Quotientenregel zustande kam.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Der FV Vilseck liegt aktuell auf dem 14. Platz der Fußball-Bezirksliga Nord, einem der drei Abstiegsplätze und wäre nach der Quotientenregel damit abgestiegen. Die DJK Ensdorf befindet sich hauchdünn mit einem Punkt Vorsprung auf dem Relegationsplatz - und wäre gesichert, falls die Regel bei einem Saisonabbruch in Kraft tritt. Pikant: Der FV Vilseck hat ein Spiel weniger ausgetragen und hätte mit einem Nachholspiel theoretisch mit Ensdorf gleichziehen oder die DJK sogar überholen können. In beiden Fällen müsste Ensdorf absteigen und der FV Vilseck wäre gesichert.

Nachträglich aufgenommen

Daniel Liermann stößt die Quotientenregel sauer auf - aber nicht grundsätzlich. "Ich verstehe, dass der Verband eine Lösung finden muss. Ich verstehe aber nicht, dass diese Regelung nachträglich in die Spielordnung aufgenommen wurde und nachträglich auch für die laufende Saison gelten soll," ärgert sich der Trainer des FV Vilseck. Denn der Paragraf 93, der diesen Passus beinhaltet, soll eigentlich für die neue Saison 2021/22 gelten. "Das ist sogar sinnvoll, wenn er ab dem 1. Juli 2021 gilt. Dann hat man eine Grundlage für eventuell zukünftige Pandemien", sagt Liermann.

Umfrage im April, Regel im August

Ein kleiner Absatz verweist aber darauf, dass er bereits für das laufende Spieljahr gilt. "Aber es ist nicht richtig, dass wir jetzt rückwirkend bestraft werden mit dem Abstieg. Wenn man in eine Saison startet und diese Regel kennt, dann weiß man, worauf man sich einlässt", argumentiert Liermann. Er empfindet es als völlig ungerecht, dass diese Regelung nun nachträglich zur Anwendung kommen könnte. Denn im April 2020 hatte der Bayerische Fußballverband eine Umfrage unter allen Vereinen gestartet, ob die Saison weitergeführt werden soll oder nicht. Laut BFV wären über 68 Prozent der Vereine für eine Fortsetzung gewesen.

"Aber erst im August, bevor wir dann weiter gespielt haben, ist diese Paragraf gekommen", erklärt Liermann. Ihn ärgert es auch, dass es vorab jede Menge Videokonferenzen und auch Umfragen gab, an denen die Vereine beteiligt waren. "Aber bei so einer wichtigen Entscheidung, dass eine Quotientenregel nachträglich angewendet wird, da macht der BFV einen Alleingang und frägt keinen einzigen Verein", klagt Liermann. "Wir hatten so viele Umfragen und sind zu allem möglichen befragt worden, aber nicht zu einer Quotientenregel", bestätigt Rainer Liermann, der Spielleiter des FV Vilseck.

Nur in einem Fall gerecht

"Wir sind unter anderen Voraussetzungen in den Re-Start gegangen, da ist es äußerst unfair, dann so zu werten," erklärt Daniel Liermann. Für ihn sei die Quotientenregel - wenn sie schon im Nachhinein zum Tragen komme - nur dann gerecht, wenn die betroffenen Mannschaften alle die gleiche Anzahl an Spielen hätten. "Wenn Ensdorf und wir gleich viele Spiele gemacht hätten, und Ensdorf wäre mit der Regel besser dran, dann wäre es okay, dass wir absteigen. Aber nicht so."

Lösung wie in Sachsen-Anhalt

Daniel Liermann findet es gerechter, wenn der Bayerische Fußballverband sich in der aktuellen Spielrunde an der Lösung des Verbandes von Sachsen-Anhalt orientieren sollte, der die Saison abgebrochen hat. "Der Erste kann, wenn er will, aufsteigen, der Rest bleibt in der Liga."

Bei Saisonabbruch im Fußball: Quotientenregelung und keine Relegation

Amberg
Hintergrund:

Info des des Bayerischen Fußballverbandes zum Paragraf 93 (21. August 2020)

  • Der Vorstand des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) hat infolge der Covid-19-Pandemie Regelungen hinsichtlich einer Wertung getroffen, sollten in der Zukunft Spielzeiten bei Frauen, Männern und Mädchen aufgrund höherer Gewalt, einer staatlichen oder kommunalen Verfügungslage nicht bis zum festgelegten Spieljahresende beendet werden können. Sollte dieser Fall in der Zeit nach dem 30. Juni 2021 eintreten, so wird die Saison abgebrochen und entsprechend der Quotienten-Regel gewertet.
  • Mit der einstimmig beschlossenen Ergänzung der Spielordnung trägt der BFV-Vorstand der bis dato so nicht gekannten Situation Rechnung und verabschiedet eine rechtssichere Regelung für die Zeit ab dem 1. Juli 2021.
  • In seinem Beschluss verweist der BFV-Vorstand deshalb auch ausdrücklich darauf, dass die jetzt erlassene Vorschrift „nicht für die bereits erfolgte Unterbrechung und Verlängerung des Spieljahres 2019/2020“ gilt: „Sollte jedoch das verlängerte Spieljahr 2019/2020 aufgrund einer staatlichen oder kommunalen Verfügungslage oder höherer Gewalt auch bis zum 30.06.2021 nicht beendet werden können, gelten für die dann notwendige Abwicklung des Spieljahres 2019/2020 die Regelungen dieser Vorschrift“, heißt es in §93 (5) der Spielordnung.

 

 

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