11.04.2020 - 07:00 Uhr
AmbergSport

Zum Tod von Petr Strobl: Ein Nachruf auf den Meister-Macher des TC Amberg am Schanzl

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Mit Petr Strobl erlebte der TC Amberg am Schanzl seine erfolgreichste Zeit im Tennis. "Er war ein genialer Tennistrainer - spielerisch und strategisch", sagt sein Wegbegleiter Dieter Heckmann über den gebürtigen Tschechoslowaken.

Die Kernmannschaft des fünffachen Deutschen Meisters TC Amberg am Schanzl Ende der 1970er Jahre (von links): Karl Hackl, Wolfgang Walder, Reinhart Probst, Werner Zirngibl, Helmut Fickentscher, Heiner Seuß, Max Wünschig, Norbert Henn, Karl Meiler, Petr Strobl und Dieter Heckmann.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil
Petr Strobl in Aktion. Zu Beginn der Schanzl-Ära im deutschen Tennis spielte er noch selbst mit.

Rückblick: Juni 1968, wenige Wochen vor dem Einmarsch der Russen in Prag. Die deutsche Davis-Cup-Mannschaft spielte in München gegen das Team aus der damaligen Tschechoslowakei mit Jan Kodes, Milan Holecek und Petr Strobl. Auf der Tribüne: Dieter Heckmann und Fritz Blum, beide vom neu gegründeten Tennisclub Amberg am Schanzl. Beim Stande von 1:1 hatte Blum eine Idee: "Was hältst du davon, dass die drei Tschechen auf unserer Anlage einen Showkampf bestreiten?" fragte Blum. Dieter Heckmann war begeistert und nahm Verbindung auf: "Wir können jedem von euch 100 D-Mark bieten und alles andere ist frei", erklärte er dem Trio aus der CSSR. Petr Strobl, der damals schon etwas deutsch sprach, und seine Landsleute waren einverstanden. "Das war eine Riesensache", schwärmt Heckmann von dem Event beim TC Schanzl kurz nach dem Davis-Cup. Einen Tag später traten die drei auch noch beim TC Hahnbach zu einem Match an.

"Sehr bodenständig"

Am 21. August 1968 folgte der Einmarsch der russischen Armee in Prag - und einen Tag später erhielt Dieter Heckmann einen Anruf von Petr Strobl: Er habe gerade die Grenze überschritten und möchte gerne nach Amberg kommen. Mehrere Monate lebte der mehrfache CSSR-Meister im Einzel anschließend bei der Familie Wagner - der Beginn einer heraustragenden Geschichte des TC Amberg am Schanzl. "Er war sehr bodenständig und ist immer Amberg treu geblieben", so Heckmann, der seit fast 30 Jahren in der Schweiz lebt, aber "seinem" Verein, dem TC am Schanzl, ebenfalls stets verbunden bleibt. Und Strobl: "Wir waren wirklich echte Freunde. Ich habe für ihn eine entscheidende Rolle gespielt. Wenn irgendwas war, wenn er Probleme hatte, war ich immer der erste Ansprechpartner." Durch Strobls Spielstärke stieg Schanzl von der Gruppenliga in die Oberliga und in die Bundesliga auf. Anfangs war Strobl als Spieler noch die Nummer eins des TC am Schanzl, dann übernahm er das Training der Bundesliga-Mannschaft und der Jugend. "Ein Reinhart Probst wäre nie Davis-Cup-Spieler geworden, wenn es keinen Petr Strobl gegeben hätte. Ein Norbert Henn, ein Michael Sommer, ein Armin Steger wären nie so weit gekommen. Und ohne ihn wären wir nicht fünfmal hintereinander Deutscher Meister geworden." Nämlich von 1978 bis 1982.

Reinhart Probst erinnert sich noch gut an seine eigenen Anfänge als Tennisspieler: "Ich habe das große Glück gehabt, dass Petr Strobl gerade in Amberg Fuß fassen wollte, als ich mit Tennis begann." Nach einem kurzen Testtraining stand für Strobl fest: "Den nehme ich!" Probst war 16 Jahre alt, als er zum ersten Mal mit ihm in der Oberliga spielte. "Wenn ich im Doppel neben meinem Halbgott spielen durfte, war das für mich ein unglaublicher Sprung, auch für das Selbstbewusstsein. Wir haben nicht viele Doppel verloren. Er war einfach ein genialer Spieler für unsere Breiten hier. Ich bekommen jetzt noch weiche Knie, wenn ich daran denke - das ist jetzt 45 Jahre her", sagt Probst, der insgesamt dreimal im deutschen Davis-Cup-Team im Doppel spielte. Von 1978 bis 1980, gegen die Schweiz, gegen Ungarn und gegen Schweden. Alles, was er jemals im Tennis gelernt habe, habe er von Petr Strobl gelernt.

Faible für die Damen

Diese Mannschaft gewann 1978 für den TC Amberg am Schanzl den ersten Titel des Deutschen Meisters im Tennis. Petr Strobl (hinten Zweiter von rechts) spielte damals an Nummer eins.

Mit 76 Jahren stand Strobl noch acht bis zehn Stunden auf dem Platz und trainierte Nachwuchsspieler. "Er hat ein Faible für die Damen entwickelt und sich sehr stark des weiblichen Nachwuchses des TC Schanzl angenommen, wie Stephanie Wagner, Lena Ruppert, Mira Stegmann. Sie sind alle bayerische Meisterinnen geworden."

Petr Strobl galt als hart und streng - kein einfacher Mensch, wie Heckmann betont: "Wenn er eine strenge Miene aufzog, die Augenbrauen hoch und die Stirn runzelte, dann waren die jungen Mädchen schlagartig still." Im Grunde, sagt Heckmann, war er aber ein sehr sensibler Mensch. Wenn eines seiner Talente in einem Turnier in der Rücklage war, fand er immer Mittel und Wege, sie aufzumuntern: "Wenn du das und das machst, dann gewinnst du. Das konnte er einfach", beschreibt Heckmann Strobls Qualitäten.

Ein Beispiel aus der Vergangenheit: Als der Neuseeländer Chris Lewis einst als Nummer eins zum TC Schanzl kam, gab's lange Gesichter: "Ich werde verrückt, der trifft keinen Ball", habe Strobl gesagt. Dann hat er sich des Neuseeländers angenommen. Heckmann: "Er hat ihn richtig getrimmt. Der Lewis hat auf einmal alles gewonnen." Dank Strobl erreichte Chris Lewis 1983 das Finale von Wimbledon.

Immer einen Scheck

Und was machte der Neuseeländer: "Er hat ihm vor Davis-Cup-Spielen und bei jedem internationalem Erfolg einem Scheck gegeben. Aus Dankbarkeit, dass er ihn im Tennis dorthin gebracht hat, wo Lewis hingehört hat", erzählt Heckmann.

Als Trainer war Strobl das Selbstbewusstsein in Person, als Spieler das Gegenteil. Heckmann erinnert sich an viele Matches, und an die Minuten davor. "Ich kann nicht spielen, mir tut alles weh", habe der Ex-Davis-Cup-Spieler zu ihm gesagt. Heckmann beruhigte ihn - und: "Solange er gejammert hat, hat er alles gewonnen." Aber in seinem letzten Bundesligaspiel für den TC Schanzl in Berlin tat Strobl nichts weh, kein Klagen, absolute Ruhe. "Da hat er 0:6 und 0:6 verloren", erzählt Heckmann und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Tennis auf Schlittschuhen

Petr Strobl war auch ein hochbegabter Eishockeyspieler. Er hat ein einziges Mal für den ERSC Amberg mitgespielt. "Zehn Sekunden vor Schluss hat er entweder den Ausgleich oder den Siegtreffer erzielt, das weiß ich nicht mehr so genau", erinnert sich Heckmann. In Prag, lange nach der Wende, hat Petr Strobl für Furore gesorgt: Zusammen mit einem tschechischen Tennisprofi weihte er eine Eishalle ein - indem beide auf Schlittschuhen Tennis spielten. "Beide haben nur Volleys gespielt und den Ball nicht aufspringen lassen. Wenn einer perfekt auf Schlittschuhen steht und so ein Ballgefühl hat wie Petr, dann geht das schon", erklärt Dieter Heckmann.

Petr Strobl litt seit längerer Zeit an einer schweren Krankheit und hatte mehrere Aufenthalte im Klinikum St. Marien in Amberg hinter sich gebracht, in den letzten Tagen war er ins Uni-Klinikum nach Regensburg verlegt worden, wo er am Montag Abend in dieser Woche verstarb. Er hinterlässt Ehefrau Dobra Strobl und seine Tochter Petra sowie Ziehtochter Monika, die Dobra mit in die Ehe gebracht hat.

Den zweiten Titel feierte der TC Schanzl in Amberg vor einigen Tausend Zuschauern (in der Mitte Petr Strobl).
Meisterfeier im Pool.

Kein Wort zum Sport: Petr Strobl

Regionalliga-Meister mit den Damen des TC Schanzl 2018.

Zum 75. Geburtstag

Im September 2019 bei der Verabschiedung: Petr Strobl und Dieter Heckmann (links).
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