17.05.2019 - 21:18 Uhr
AmbergSport

Verbeugung vor der Verkäuferin

Platz fünf für Katrin Fehm mit der deutschen 4x200-m-Staffel bei der WM in Japan: "Für die Mädchen ein wichtiger Lerneffekt für ihre sportliche Zukunft", sagt Bundestrainer Ronald Stein.

Katrin Fehm bei der Staffel-WM über 4x200 m.
von Autor MZIProfil

Denn Leistungssportler, die an allen möglichen Orten auch unter widrigsten Bedingungen ihre Leistung bringen sollen, Katrin Fehm hat in Yokohama so einiges erlebt. Für die dreieinhalb Wochen Vorbereitungszeit auf die WM wählte der Deutsche Leichtathletikverband (DLV) das subtropische Okinawa, eine Insel südlich von Japan, mit über 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Die Wäsche zu trocknen, kann da echt zur Herausforderung werden. Falls es einem gelingt, eine japanische Waschmaschine mit Landessprache zum Laufen zu bringen...

Nach sechs Tagen hat sich der Körper an die Schwüle gewöhnt. Schwerlich gewöhnen kann man sich an die landestypische Kost. Sie ist durchaus nicht als sportlertauglich zu bezeichnen und an Eintönigkeit kaum zu überbieten. "Zum Frühstück gab es Reisporridge, Frühlingsrollen, Bohnen mit Speck", berichtet Fehm, die als Leistungssportlerin eigentlich sehr auf ausgewogene Ernährung achten muss. Mittags und abends gab es genauso ernährungsphysiologisch ungünstige Speisen. Gerade die proteinhaltigen Fleisch- und Fischgerichte gab es auch -aber alles frittiert. Die Salatbar bot Algen, Mais, Seegurke und Tomaten. Die jungen deutschen hielten sich da eher an Reis-Beef-Curry und Pasta mit Carbonarasoße.

"Ich hab mich auf das Essen daheim g'scheid gefreut," seufzt die 21-Jährige erleichtert. "Nach zehn Tagen hatten wir das Hotel soweit, dass wenigstens Milch oder Sojamilch bereitstand", erzählt die Studentin für Internationales Management. Okinawa, die "Insel der Langlebigen": "Am besten, man hält sich an die Essgewohnheiten der Einheimischen und isst sich immer nur zu 80 Prozent satt", erklärt Fehm.

Das schlechteste WLAN ever, der naheliegende Hafen mit entsprechender Geräuschkulisse, die kleinen Hotelzimmer ohne Tische, was die Freizeitnutzung in Richtung Lernen für die Uni auch nicht gerade erleichtert, gehört da eher noch zu den unliebsamen Begleiterscheinungen. Zu allem Überfluss fiel der Aufenthalt auch noch in die so genannte Goldene Woche, in diesem Fall zehn Tage, wo ganz Japan Urlaub hat und das Hotel restlos überfüllt war - und der Lärmpegel dementsprechend. "Der DLV wird es merken, weil in dieser Zeit die Kosten sich locker verfünffachen können," glaubt die Hahnbacherin.

Für die letzten fünf Tage ging es dann in die 3,7 Millionen-Einwohner-Stadt Yokohama. Folglich noch weniger Platz im Hotelzimmer auf dieser übervölkerten Insel. Erstaunlich, wie unbelebt dennoch die Straßen sind, selbst zum Feierabend. "Ich würde auch gerne wissen, wo sich die Menschen aufhalten. Die Straßen waren leer," so rätselt Katrin Fehm heute noch.

Einprägsam war die Gastfreundschaft und Höflichkeit der Japaner. Richtig ansteckend wirkt das nach gut vier Wochen noch. "Als ich gestern beim Dehner war und was suchte, zeigte mir die Verkäuferin den richtigen Weg. Ich hab mich automatisch tief verbeugt und meine große Schwester damit zum Lachen gebracht," amüsiert sie sich über sich selbst. Das Leben als Spitzensportler verlangt nicht nur körperliche Leistungsbereitschaft sondern Anpassungsfähigkeit in jeder Richtung ...

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