04.09.2018 - 17:33 Uhr
AmbergSport

Vertrauen in DFB-Stützpunkt Theuern "erschüttert"

Am kommenden Montag beginnt bayernweit wieder das Fußballtraining an den DFB-Stützpunkten. Auch in Theuern. Johannes Ederer, Stützpunktkoordinator für Ostbayern, gesteht: "Das Vertrauen der Vereine in Theuern ist erschüttert." Sein Ziel: Er will alles wieder in die richtige Spur bringen.

Johannes Ederer ist DFB-Stützpunktkoordinator in Ostbayern.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Irgendwie sei es eine verzwickte Situation, erklärt Ederer, der seit Dezember 2016 für die 15 Stützpunkte im bayerischen Osten zuständig ist. Denn einerseits sei die sportliche Situation in Theuern so positiv wie noch nie: "In dieser Saison sind neun Spieler zu Profivereinen gewechselt, sonst sind es höchstens ein bis zwei. So eine Zahl ist eigentlich ein Ritterschlag für die Region und die beteiligten Vereine."

Aber: "Wir haben in der Vergangenheit Fehler gemacht, die zu Konfliktsituationen geführt haben", sagt Ederer. Auslöser war die Vereinszugehörigkeit der drei Stützpunkttrainer. Denn Lutz Ernemann, Josef Fleischmann und Markus Schmaußer hatten alle gleichzeitig eine Trainerposition beim gleichen Verein inne - beim FC Amberg. In der öffentlichen Wahrnehmung und bei anderen Vereinen sei immer die Angst dagewesen, dass dieses Trainertrio Spieler abwerben könnte - zum FC Amberg. Deshalb hätten die Clubs wenige oder gar keine Jugendliche mehr zu den Talentsichtungen, die immer im Juli stattfinden, geschickt.

Der Tiefpunkt wurde in diesem Jahr erreicht, als nur noch 21 Kinder zur Sichtung nach Theuern kamen: "Das war der niedrigste Wert in ganz Bayern", erklärt Johannes Ederer. "Das hing auch damit zusammen, dass der FC Amberg, die JFG Obere Vils und der SV Raigering die Spieler sehr frühzeitig angesprochen haben, der FC Amberg sogar sehr aggressiv."

Er habe mit den drei Trainern gesprochen, und sie gebeten, ihre Rolle genau zu überdenken, was das Verhältnis Stützpunkt und Verein, also FC Amberg, betreffe. "Da verschwimmen manchmal die Grenzen, und das Konfliktpotenzial ist da. Aber es waren sehr gute Gespräche", sagt Ederer, dessen Maxime lautet: "Es darf kein Spieler am Stützpunkt aufgefordert werden, den Verein zu wechseln." Der Trainer sei als neutraler Berater da, und nicht mehr.

Gleichzeitig räumt der Koordinator ein, dass er natürlich nur für den Montag sprechen könne, dem Tag des Stützpunkttrainings. "Wenn jetzt beispielsweise der FC Amberg am Mittwoch anruft, ist das was anderes." Es sei ein ganz schmaler Grat, denn es werde immer Spieler geben, die wechseln wollen. Man dürfe auch die Rolle des Elternhauses nicht unterschätzen - und das damit verbundene Streben nach einem höherklassigen Verein. "Wir werden es nie schaffen, dass alle juhu schreien", sagt Ederer.

Die Lage rund um Theuern habe sich aber durch den Niedergang des FC Amberg entspannt. Aber Ederer merkt an: "Für die Region ist es ein Riesennachteil, wenn es beim FC Amberg keine höherklassige Jugendarbeit mehr gibt." Er sei froh über jeden hochqualifizierten Jugendtrainer, denn: "Im Jugendbereich wird nicht das große Geld verdient." Ein Stützpunkttrainer bekomme 307 Euro im Monat, "eigentlich ein Hungerlohn".

Keiner der drei Trainer ist zudem noch beim FC beschäftigt. Josef Fleischmann hat die erste Mannschaft des 1. FC Rieden übernommen, für ihn rückt Sebastian Binner vom SSV Paulsdorf als Stützpunkttrainer nach. Lutz Ernemann habe noch keine Angabe gemacht, welche Mannschaft er trainieren werde, und Markus Schmaußer betreut die U15 der JFG Obere Vils. "Jetzt müssen wir sehen, wie sich das entwickelt, ich werde auf die Vereine zugehen, um das Misstrauen abzubauen."

Ein Misstrauen, das zwar an vielen der Stützpunkte vorhanden sei, aber "in Theuern haben wir schon eine besondere Situation." Den Vereinen sollte aber die Bedeutung und der Wert eines DFB-Stützpunktes klar sein. "Es geht ein bisschen unter, welches qualitativ hochwertiges Angebot der DFB da bietet. Ein Stützpunkttraining hebt sich deutlich von einem Vereinstraining ab", erklärt Johannes Ederer. Das beginne schon damit, dass die dortigen Trainer alle die DFB-Elite-Jugend-Lizenz besitzen müssen. "Die ist höherwertiger als die B-Lizenz."

Zwei Beispiele nannte der 29-Jährige, wie Vereine von einem Stützpunkttraining profitieren: "Beim 1. FC Rieden spielen sieben ehemalige Stützpunktspieler in der Herrenmannschaft, der SV Raigering hat fast nur Stützpunktspieler in der Bezirksligamannschaft."

Kein zweiter Michael Köllner:

Johannes Ederer spielte bis zu den C-Junioren beim SV Geigant Fußball, wechselte zum ASV Cham, wo er vier Jahre in der Bayernliga und als Spieler im dortigen Stützpunkt aktiv war und in die Regionalauswahl berufen wurde. Mit 19 übernahm er die Rolle als Spielertrainer in Geigant in der Kreisliga, ehe er erneut beim ASV Cham diverse Stationen als Jugendtrainer durchmachte. Ederer gelang es in dieser Zeit, dass in Cham ein Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) errichtet wurde, dessen Leitung er inne hatte. Er absolvierte ein Sportstudium, schloss Sportmanagement mit Master ab und bekam im Dezember 2016 den Job als hauptamtlicher DFB-Stützpunktkoordinator Ostbayerns. „Ich denke 95 Prozent des Tages an Fußball“, sagt der 29-Jährige. „Ich werde oft angesprochen, ob ich Michael Köllner nach folge. Aber das ist nicht mein Ziel. Mittelfristig will ich die Fußballlehrer-Lizenz erwerben. Ich bin sehr heimatverbunden, ich bin von Herzen gerne ein Oberpfälzer.“

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