24.06.2020 - 14:42 Uhr
AmmerthalSport

Ammerthals neuer Trainer Jörg Gottfried: „Ein Saisonabbruch wäre besser gewesen“

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Vor der Corona-Pause A-Klasse, danach Bayernliga: Jörg Gottfried macht bei der DJK Ammerthal in ungewöhnlichen Zeiten einen ungewöhnlichen Aufstieg. Im Interview mit Oberpfalz-Medien erklärt er, warum ihm vor diesem Schritt nicht bange ist.

Seit Beginn der Saison betreute Jörg Gottfried die zweite Mannschaft der DJK Ammerthal, die nach zwölf Spielen ungeschlagen (elf Siege, ein Unentschieden) Platz zwei der A-Klasse Nord belegt. Jetzt übernimmt der 48-jährige Trainer die erste Mannschaft in der Bayernliga.
von Christian Frühwirth Kontakt Profil

Offiziell ist sein erster Tag als Bayernligatrainer der 1. Juli. Das erste Training wird Jörg Gottfried wohl erst in drei, vier Wochen abhalten. Noch ist Coronapause. Zudem wird am Pürschläger Weg gebaut, die Plätze bekommen Bewässerungsanlagen, es wird ein neues Flutlicht installiert, längst geplante Modernisierungen auf dem DJK-Gelände werden vorgenommen. Zum 30. Juni läuft der Vertrag von Trainer Dominik Haußner aus. Der 48-jährige Jörg Gottfried, bisher Coach der zweiten Mannschaft, übernimmt.

ONETZ: Herr Gottfried, die Saison ist derzeit unterbrochen und soll im Herbst fortgeführt werden. Gefällt Ihnen diese Lösung?

Jörg Gottfried: Das letzte Punktspiel war im November. Nach zehn Monaten Pause die alte Saison wieder zu spielen stelle ich mir schon schwierig vor, auch für die Spieler.

ONETZ: Wäre es besser gewesen, die Saison zu beenden?

Jörg Gottfried: Für uns wäre ein Saisonabbruch besser gewesen, ja. Es geht ja nicht mehr um viel. Wir brauchen vielleicht noch ein Unentschieden, oder einen Sieg, um den Klassenerhalt rechnerisch sicher zu haben. Nach oben geht nichts.

ONETZ: Wird es für die DJK Ammerthal eine Art Übergangssaison mit Testspielcharakter?

Jörg Gottfried: Es ist schon so, dass wir im Prinzip fast ein Jahr Zeit haben, um uns auf die nächste Saison vorzubereiten. Die dann hoffentlich 2021 beginnen kann. Wir können uns ein Jahr lang einspielen, können viel testen und ausprobieren. Aber wir wollen das schon mit höchstem sportlichen Ehrgeiz angehen und versuchen, die bestmögliche Platzierung rauszuholen.

ONETZ: Sie haben bisher Mannschaften in der Kreisliga und Bezirksliga trainiert. Zuletzt die zweite Mannschaft der DJK Ammerthal in der A-Klasse. Was ist für einen Trainer in der Bayernliga anders?

Jörg Gottfried: Es ist ein anderer Fußball, er ist vorallem schneller. Es wird entsprechend anders trainiert, es ist alles ein bisschen schneller, intensiver und körperlicher.

ONETZ: Sind denn Bayernligaspieler schwieriger als A-Klassen-Spieler?

Jörg Gottfried: Das kann ich jetzt noch nicht sagen, weil ich sie noch nicht trainiert habe. Am besten Sie fragen in einem halben Jahr nochmal... (lacht)

ONETZ: Zwischen erster und zweiter Mannschaft liegen vier weitere Spielklassen. Ist die A-Klasse für eine Bayernliga-Reserve nicht zu tief?

Jörg Gottfried: Die zweite Mannschaft in Ammerthal ist sehr wichtig, weil es alles Einheimische sind und es von der Kameradschaft her eine tolle Mannschaft ist. Als Unterbau für die Bayernliga ist es natürlich schon schwierig. Ich habe vor, den ein oder anderen Spieler zumindest mal im Bayernligakader mittrainieren zu lassen. Aber der Sprung ist schon extrem groß.

Jörg Gottfried wird neuer Trainer bei der DJK Ammerthal

Ammerthal

ONETZ: Für einen Trainer auch...

Jörg Gottfried: Klar, man steht mehr im Fokus. Dass das ein Problem für mich werden wird, glaube ich aber nicht. Ich lasse das auf mich zukommen.

ONETZ: Sie waren Defensivspieler, rühren Sie auch als Trainer Beton an?

Jörg Gottfried: Eine geordnete Defensive ist mir wichtig. Grundsätzlich ist eine Spielphilosophie aber abhängig vom Kader. Es bringt nichts, einen Spielstil auf Teufel komm raus durchdrücken zu wollen und die Spieler können das gar nicht umsetzen. Man muss sich schon auch bisschen der Mannschaft anpassen. Und manchmal auch dem Gegner.

ONETZ: Also lieber ein 1:0 als ein 4:3?

Jörg Gottfried: Am liebsten ein 4:0! (lacht) Kein Trainer freut sich über einen Haufen Gegentore. Am wichtigsten ist ein Sieg, wie der dann ausfällt, ist mir eigentlich egal.

ONETZ: Sind Sie denn zufrieden mit der Zusammenstellung der Mannschaft.

Jörg Gottfried: Ja! Es ist eine gute Mischung und eine relativ junge Mannschaft. Ich denke, man kann gut arbeiten mit der Truppe. Und ich hoffe, wir werden ein zusammengeschweißter Haufen.

ONETZ: Wie lautet Ihr Ziel für die Saison?

Jörg Gottfried: Wenn wir Platz fünf halten könnten, wäre das gut. Ziel ist auch, einigermaßen vernünftigen Fußball zu spielen. Das größte Ziel ist ja schon so gut wie erreicht, und das ist immer, die Liga zu erhalten. Das gilt auch für die Saison 2021/22.

ONETZ: In Ihrer Spielerkarriere haben Sie einige Trainer erleben dürfen. Von wem nahmen Sie etwas mit für ihre Trainertätigkeit?

Jörg Gottfried: Abschauen tust du dir von jedem etwas. Ein Vorbild in taktischer Hinsicht war vor allem Miroslav Koubek beim 1. FC Amberg. Ein sehr guter Trainer, von dem ich sehr viel gelernt habe. Wir sind damals mit einer sehr jungen Mannschaft in die Bayernliga aufgestiegen, weil wir im taktischen Bereich der einen oder anderen Mannschaft überlegen waren, die besser besetzt war als wir. Bei Linde Schwandorf unter Ferdinand Glaser war es eine coole Zeit.

ONETZ: Angenommen, Sie würden bei einem Trainingsspielchen mitmachen. Könnten Sie mit Ihren Jungs noch mithalten?

Jörg Gottfried: Neeee. (lacht) Nein! Vom Fußballerischen würde es vielleicht noch gehen. Aber ganz ehrlich: Ich bin viel zu langsam, da habe ich keine Chance.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.