29.03.2021 - 16:52 Uhr
AmmerthalSport

Appell an Fußballverband: "Bereitet diesem Wahnsinn ein Ende"

Beim Bayerischen Fußballverband gilt die Devise: Die Saison wird fortgesetzt, an Abbruch ist nicht zu denken. 17 Bayern- und Landesligavereine sehen das anders und haben einen Brief an den BFV geschrieben.

Es reicht mit dem Corona-Gruß auf dem Platz. Neben den 17 unterzeichnenden Vereinen der Bayern- und Landesliga stimmt auch die DJK Ammerthal einem sofortigem Abbruch der Saison zu.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Bei einer Online-Video-Konferenz kamen die Diskrepanzen zwischen dem Bayerischen Fußballverband und den Vereinen der zwei Bayernligen und der fünf Landesligen zutage. Während die Funktionäre des BFV weiter an eine Fortsetzung der Saison 2019/20 glauben und das auch ständig so kommunizieren, herrscht auf der anderen Seite die gegenteilige Meinung vor. 17 ostbayerische Vereine aus Landes- und Bayernliga haben nun einen offenen Brief an den BFV geschrieben. Der Tenor: Die Saison solle abgebrochen werden.

Einige Vereine nicht informiert

"Wir waren weder involviert noch informiert, ich wusste auch im Vorfeld nichts davon", sagt Tobias Rösl über den offenen Brief. Die Forderung, die Saison jetzt abzubrechen, würde der Sportdirektor der DJK Ammerthal jedoch sofort unterschreiben: "Das haben wir ja schon im September, Oktober gesagt. Mittlerweile hatten wir die dritte Wechselperiode, es ist Wettbewerbsverzerrung in alle Richtungen."

Weil nicht absehbar sei, wie und wann es weitergeht, habe man in Ammerthal das Online-Training vor einer Woche eingestellt, erklärt Rösl. Sollte der Verband partout weiterspielen wollen, sei das einzige, was aus seiner Sicht Sinn machen würde, den Auf- und Abstieg sportlich zu regeln: "Dann sollen sie mit den ersten drei der Tabelle eine Gruppe machen, und mit den letzten vier eine Gruppe. Und alle anderen Mannschaften sollen sie in Ruhe lassen."

Von der Aktion eines offenen Briefs haben auch die SpVgg SV Weiden und die SV Grafenwöhr nichts gewusst. "An uns ist diesbezüglich meines Wissens nach niemand herangetreten", meint Teammanager Hanns Beer (Weiden). Und auch Johann Danninger (Grafenwöhr) ist überrascht: "Uns hat niemand kontaktiert." Dagegen gehört die SpVgg Pfreimd zu den Unterzeichnern des Briefes. "Wir wurden am Samstag vom FC Sturm Hauzenberg kontaktiert. Weil wir zu 100 Prozent hinter dem Inhalt stehen, haben wir auch unterschrieben", sagt SpVgg-Spartenleiter Stefan Mohaupt.

Nur noch müde und genervt

Die Verfasser des Briefes betonen, dass es außer Frage stehe, "dass es vor einem knappen Jahr die richtige Entscheidung gewesen sei, die Saison nicht abzubrechen, denn eine Spielzeit 2020 /21 wäre zum Fiasko geworden." Die Aktiven befänden sich seit Monaten in einer Dauer-Warteschleife, halten sich mit Fitness- und Laufeinheiten fit, um für den Re-Start 2.0 gerüstet zu sein. Doch die Stimmung sei am Ende: "Mittlerweile sind sowohl Spieler als auch Verantwortliche nur noch müde und genervt, denn uns fehlt schlichtweg ein Ziel vor Augen."

Der Lockdown ist nochmal bis Mitte April verlängert worden und man müsse kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass dann nicht sofort große Lockerungsschritte zu erwarten sein werden. Die Vereine schreiben weiter: "Wir müssten unsere mittlerweile total frustrierten Spieler also weitere unzählige Wochen individuell trainieren lassen, ohne ein konkretes und auch nur realistisches Startdatum zu haben."

Ein weiteres, finazielles, Argument führen die Clubs an: "Wir können es uns nicht leisten, Aktive und Verantwortliche viermal wöchentlich mit Schnelltests auszurüsten, um diesen den Trainings- und Spielbetrieb zu ermöglichen."

Was in den ganzen Diskussionen viel zu kurz käme, seien die aktuellen Infektionszahlen, die um ein Vielfaches höher sind als beim ersten Re-Start im Spätsommer 2020. Beim aktuellen Infektionsgeschehen ist zu beobachten, dass gerade junge Menschen - zu denen auch das Klientel der Fußballer gehört - so stark wie noch nie betroffen sind. Die Politik denke aktuell wieder über eine Verschärfung des Lockdowns nach, um diese Welle zu brechen. Fußball rücke also immer weiter in die Ferne. Wo die Vereine den BFV-Funktionären massiv widersprechen, ist das Thema Vorbereitung. Zwei bis drei Wochen, so der BFV-Tenor, würde reichen. Das sehen die 17 Bayern- und Landesligisten anders: "Nach einem halben Jahr Pause braucht es mehr als nur drei Wochen fußballspezifisches Mannschaftstraining mit Kontakt und vor allem auch Testspiele. Wer etwas anderes behauptet, hat von Fußball schlichtweg keine Ahnung. Nach nur drei Wochen voller Trainingsbelastung in den Spielbetrieb zu starten, ist im Hinblick auf die Gesundheit der Spieler, grob fahrlässig."

Endlich Größe zeigen

Fazit: "Der Bayerische Fußball-Verband muss endlich Größe zeigen und nicht mit Biegen und Brechen etwas durchbringen wollen, das schlicht und einfach nicht machbar und sogar gesundheitsgefährdend ist." Nur weil der Bayerische Fußball-Verband die rechtliche Auseinandersetzung mit einzelnen Vereinen scheue. "Bereitet diesem Wahnsinn bitte ein Ende und schenkt uns Gehör! Ihr betont doch immer, dass das Wohl der Vereine über allem steht."

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Amberg
Hintergrund:

Offener Brief an den BFV

Unterzeichner aus Bayern- und Landesliga:1. FC Bad Kötzting, 1. FC Passau, ASV Burglengenfeld, ASV Cham, FC Sturm Hauzenberg, FC Tegernheim, SC Ettmannsdorf, SpVgg Hankofen-Hailing, SpVgg Lam, SpVgg Pfreimd, SV Donaustauf, SV Neukirchen b. Hl. Blut, TSV Bad Abbach, TSV Kareth-Lappersdorf, TSV Seebach, TV Aiglsbach, VfB Straubing

 

 

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