Ammerthal
29.04.2025 - 20:32 Uhr
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DJK Ammerthal gegen die DJK Gebenbach oder das Haller-Duell Papa Willi gegen seinen Dominik

Im Duell der Fußball-Bayernliga Nord am Samstag zwischen der DJK Ammerthal und der DJK Gebenbach geht es um die letzte Chance für beide Teams. Auch für eine Familie ist es eine besondere Konstellation.

"Die Mama ist dann oft die Leidtragende“, sagt Dominik Haller und muss schmunzeln. Wenn sich die drei Hallers – Papa Willi und die Söhne Dominik (32) und Florian (31) – im Elternhaus in Fichtenhof mal wieder treffen – gibt es meist nur ein Thema: Fußball. „Derzeit wird da viel gejammert, diskutiert, werden Fehler aufgearbeitet“, erzählt Dominik ein bisschen von den Familientreffen in dem Dorf bei Ammerthal.

Kein Wunder, die Vereine, um die es geht, stehen nicht gerade gut da. Die DJK’s aus Ammerthal (mit Torwarttrainer Willi) und Gebenbach (mit Spielmacher und Torjäger Dominik) kämpfen derzeit in der Fußball-Bayernliga Nord ums sportliche Überleben. Wenn beide Mannschaften am Samstag (17 Uhr) in Ammerthal zusammentreffen, haben beide Teams wohl die allerletzte Chance, die Relegation zu vermeiden. „Eigentlich hilft jedem nur ein Sieg weiter“, sagt Dominik und ergänzt. „Und danach bräuchte es auch noch ein kleines Wunder.“ Auch wenn er im Sommer wieder nach Ammerthal zurückkehrt, kündigt er an: „Ich will mit Gebenbach dieses Spiel unbedingt gewinnen.“

Nun ist es nicht so, dass Mama Margit nichts von Fußball versteht. Im Gegenteil. „Sie schaut bei Dominik in Gebenbach öfter zu als ich“, erzählt Willi. Er selbst ist ja immer mit „seiner“ DJK unterwegs. Willi Haller ist 62 Jahre alt, die DJK Ammerthal ist schon immer sein Verein. In den Jahren, als die DJK allmählich hochkam und sich überregional etablierte, war er zuverlässiger Libero und manchmal auch Torwart, danach war er eigentlich immer im Trainerteam zu finden.

Schon Zusage an Gebenbach

Am Samstag wird er wieder nervöser sein als sonst: „Ich bin Ammerthaler durch und durch, aber natürlich schlägt mein Herz auch für meinen Sohn.“ Der quasi irgendwann fußballerisch zum verlorenen Sohn wurde. Seit fast acht Jahren kickt Dominik Haller nun für die Gebenbacher. Der Papa kann den Wechsel, so wie er zustande kam, heute noch nicht richtig verstehen. Der damalige Trainer Torsten Holm setzte irgendwann nicht mehr richtig auf seinen jungen Kapitän. Ammerthal war gerade in die Bayernliga aufgestiegen. „Dominik hatte in der Landesliga die meisten Torvorlagen und einige Tore geschossen“, erklärt Willi. Sein Sohn war zunehmend frustriert und dachte über einen Wechsel nach. Faruk Maloku, damals Trainer in Gebenbach, wollte den jungen Mittelfeldmann schon immer haben, kannte ihn aus dessen dreieinhalb Jahren im Nachwuchsleistungszentrum der SpVgg SV Weiden. Als Holm in Ammerthal während der Saison nicht mehr Trainer war, wollte der Verein Dominik natürlich halten. „Aber ich hatte Gebenbach schon die Zusage gegeben“, erklärt der Spielmacher, der jetzt den richtigen Zeitpunkt für die Rückkehr im Sommer sieht.

Den Wechsel zum Rivalen in der anderen Ecke des Landkreises Amberg-Sulzbach nahm der Papa seinem älteren Sohn nicht ansatzweise übel: „Er hat meine Argumente damals verstanden“, sagt Dominik, der aber auch zugibt: „Ich hätte Ammerthal wohl nie verlassen, wenn das damals nicht gewesen wäre.“

Es kam wohl, wie es kommen musste. Nach jetzt fast acht Jahren in Gebenbach meint Papa Willi: „Er hat sich sportlich und als Persönlichkeit dort weiterentwickelt.“ Faruk Maloku hatte endlich seinen Wunschspieler und auch mit Kai Hempel klappte es danach sehr gut. So erfüllte sich Papas Hoffnung lange nicht: „Ich hatte schon gehofft, dass er früher zurückkehrt“. In der kommenden Saison ist es wieder soweit. Auch Bruder Florian streift sich mittlerweile das Ammerthaler Trikot wieder über. Nach einer Zeit beim SV Raigering ist er derzeit spielender Co-Trainer der „Zweiten“ in der Kreisklasse Süd.

Willi und Dominik standen sogar schon mal gemeinsam auf dem Platz. „Domi“ weiß es noch genau: „Das war in der Saison 2011/12." Die „Zweite“, deren Trainer Willi Haller damals war, drohte abzusteigen. Der Oldie spielte mit fast 50 Jahren nochmals Libero. Vorne traf der junge Haller, der nach einer Verletzung noch nicht fit für das Landesliga-Team war. „Wir sind nicht abgestiegen“, erinnert sich Dominik an die vier Spiele zum Saisonende.

Missverständnis auf dem Platz

Nicht abzusteigen aus der Bayernliga, das ist das Ziel der Ammerthaler und Gebenbacher. Vor diesen Spielen tickt Dominik immer etwas anders als der Papa: „Für mich sind diese Derbys immer die geilsten Spiele des Jahres.“ Viele Zuschauer, tolle Stimmung, die Rivalität. Allerdings geht es mittlerweile viel ruhiger zu als bei früheren Spielen.

„Da haben wir uns auch mal gezofft“, sagt Dominik. Der Papa schrie was rein, der Sohn fauchte zurück. „Dabei hatte ich ihn gar nicht gemeint“, erinnert sich Willi Haller lachend. Das Missverständnis war schnell beseitigt. „Papa ist eh der liebenswerteste Mensch“, sagt Dominik. Auch am Samstag wird’s da trotz aller sportlicher Rivalität nichts geben: „Danach gehen wir alle ins Sportheim und trinken ein Bier miteinander“, weiß Papa Willi schon, was kommen wird. Fußball ist Fußball – und Familie ist Familie.

Info:

Die Hallers

  • Vater Willi Haller
    62 Jahre alt, Finanzbeamter; aus Fichtenhof bei Ammerthal; Vereine: schon immer die DJK Ammerthal.
  • Sohn Dominik Haller
    32 Jahre alt; Wirtschaftsinformatiker; wohnt in Amberg; Vereine: Jugend: DJK Ammerthal, SSV Jahn, SpVgg SV Weiden; Senioren: 2010 bis 2017 DJK Ammerthal; 2017 bis 2025 DJK Gebenbach; ab Sommer 2025 wieder Ammerthal.
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