09.07.2020 - 17:59 Uhr
AmmerthalSport

DJK Ammerthal: "Es kann hier nicht jeder machen, was er will"

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Vier Spieler haben den Fußball-Bayernligisten DJK Ammerthal verlassen. Weil ihnen eine Entscheidung, die der Verein getroffen hat, nicht gepasst hat. DJK-Sportdirektor Tobias Rösl findet klare Worte.

Ammerthals neuer Trainer Jörg Gottfried (links) und Sportdirektor Tobias Rösl.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Die Fußball-Bayernliga steht - wie der Rest der Ligen im Freistaat - in der Startlöchern. In der Hoffnung auf Wiederbeginn am 1. September. Kurz vor Beginn des einigermaßen regulären Trainings muss sich die DJK Ammerthal mit dem Abgang von sechs Spielern auseinandersetzen. Ein Interview mit Sportdirektor Tobias Rösl.

ONETZ: Herr Rösl, was ist denn genau passiert?

Tobias Rösl: Der Vertrag mit Trainer Dominik Haußner wurde bereits im März von unserer Seite aus nicht verlängert. Nachdem wir das bekannt gegeben hatten, wurde ich am gleichen Abend noch von einem Spieler angerufen. Wir sind über diese Entscheidung nicht erfreut, hat er gesagt. Und: Dann könnt ihr euch ja denken, dass wir auch nicht weiter machen.

ONETZ: Es handelt sich um die Spieler aus Neumarkt, die Dominik Haußner zur DJK mitgebracht hatte? Um Bernhard Neumayer, Christian Schrödl, Jonas Grunner und Philipp Stephan?

Tobias Rösl: Ja, das ist richtig. Bei Ferdinand Buchner und Christoph Bellmann ist der Vertrag eh' ausgelaufen. Die anderen vier hätten noch einen Vertrag gehabt bis Juni 2021. Mit einseitiger Option, dass sie nach einem Jahr aus dem Vertrag aussteigen können. Diese Option haben sie jetzt gezogen.

ONETZ: Sind Sie jetzt verärgert?

Tobias Rösl: Nein. Ich stelle mir nur die Frage: Halten die Spieler ihr Wort und ziehen sie ihren Vertrag, der eigentlich für die Saison 2020/21 gegolten hätte, durch? Durch die Corona-Situation bedingt, wurde die jetzige verlängert bis Juni 2021. Oder dass sie wie in diesem Fall, wenn irgendwas passiert, was ihnen nicht so passt, plötzlich verschwinden?

ONETZ: Haben die Neumarkter Spieler innerhalb der Mannschaft eine Clique gebildet und sind gemeinsam gegangen?

Tobias Rösl: Ja, das wurde auch von einigen Mitspielern bestätigt. Uns geht es nun darum, einfach mal zu zeigen, was mittlerweile in den Ligen abgeht. Wie sich Spieler gegenüber den Vereinen verhalten. Exemplarisch an vier von den sechs Abgängen. Zu zeigen, was Spieler für eine Macht ausüben.

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ONETZ: Inwiefern eine Macht ausüben?

Tobias Rösl: Sie haben in anderen Medien Berichte platziert, um sich selbst bei anderen Vereinen ins Gespräch zu bringen - mit Ausnahme von Christian Schrödl, er hat sich korrekt verhalten. Sie haben das getan, bevor sie uns, also die DJK Ammerthal, informiert haben, dass sie weg wollen.

ONETZ: Sind Sie von den Spielern enttäuscht? Ihr Ex-Kapitän Bernhard Neumayer soll gesagt haben: Die Entscheidung, mit Dominik Haußner nicht zu verlängern, hat uns nicht geschmeckt.

Tobias Rösl: Persönlich bin ich nicht enttäuscht, aber das Verhalten der Spieler enttäuscht uns schon. Denn: Geht es um eine Profilierung der Spieler, dass sie sich in der Bayernliga tummeln können, um mit möglichst wenig Aufwand ein bisschen Geld abzusahnen? Oder wollen sie wirklich den Sport betreiben, also Fußball spielen? Leistungsbezogen! Wir sind nicht bereit, solche Spieler durch zuziehen. Dadurch werden in Ammerthal Entscheidungen getroffen. Es kann hier nicht jeder machen, was er will.

ONETZ: Deswegen gibt es bei der DJK eine größere Fluktuation ...

Tobias Rösl: Ja. Weil sich auch die Generation, der Charakter und der Teamgedanke verändert haben. Und die Einstellung zur wichtigsten Sache, dem Fußball.

ONETZ: Inwiefern?

Tobias Rösl: Es gibt bei uns wie bei anderen Vereinen auch eine klare Philosophie. Und daran haben sich die Jungs und der Trainerstab zu halten. Ich glaube, vielen ist nicht bewusst, was sie da unterschreiben, wenn sie einen Vertrag eingehen. Wir arbeiten hier bodenständig. Aber manche Spieler sind gleich weg, wenn sie irgendwo zwei Euro mehr bekommen.

ONETZ: Ist es dann nicht naiv zu glauben, dass ein Spieler, der nicht aus der Umgebung stammt, ein "Söldner", sich mit einem Verein identifiziert?

Tobias Rösl: Da sind wir beim Punkt. Da muss ich schon den Hammer auspacken. Ich frage: Wisst ihr eigentlich, was ihr wollt? Dass es, wenn ihr die Hand aufhaltet, auch um Pflichten geht?

ONETZ: Manche Spieler kassieren ab, ignorieren aber ihre Pflichten?

Tobias Rösl: Oft genug.

ONETZ: Das passiert aber in anderen Vereinen auch ...

Tobias Rösl: Das ist nicht unser Problem. Es ist eine Charaktersache der Spieler. Man muss auch sehen, dass ein Mario Zitzmann die fünfte Saison hier spielt, André Karzmarczyk die vierte. Christopher Sommerer, Konstantin Keilholz, Jonas Weigert und Daniel Gömmel haben sich ebenfalls längerfristig an den Verein gebunden.

ONETZ: Kommen nicht die Spieler in der Bayernliga zu einem Verein, weil es dort gutes Geld gibt?

Tobias Rösl: Das ist nicht immer der Fokus. Es gibt schon Spieler, die wahrnehmen, was hier in Ammerthal passiert. Dass mit riesigem Aufwand von Ehrenamtlichen und der Vorstandschaft im Umfeld versucht wird, langfristig Bayernliga zu spielen. Dass hier immer wieder modernisiert wird, wie die neue LED-Flutlicht- und Beregnungsanlagen auf beiden Plätzen zeigen. Wenn ich als Spieler einen Vertrag unterschreibe, dann sollte ich wissen, wo ich hingehe. Mit Weiden, Gebenbach und Ettmannsdorf haben wir in der Region schon anders ausgestattete Kaliber. Manche Spieler respektieren die geleistete Arbeit und entscheiden sich sportlich für einen Bayernligaverein.

ONETZ: Die Fluktuation auf dem Trainerposten in Ammerthal ist auch nicht gerade gering ...

Tobias Rösl: Das kann ich erklären. Wir haben mit Jörg Gottfried den ersten Trainer aus der Region seit der Bezirksoberliga. Man hat sich früher oft auf Ex-Profis verlassen. Viele wollten sich kurzzeitig profilieren, viele sind Selbstdarsteller. Mit Ausnahme von Rudi Sturz und Robert Ziegler, die in Ammerthal hervorragende Arbeit geleistet haben. Solange es gut läuft, ist alles gut. Wenn nicht, sind die anderen schuld. Solche Trainer hatten wir schon einige.

ONETZ: Werden die sechs Abgänge ersetzt? Und werden die sechs frei gegeben?

Tobias Rösl: Ja, es sind Vertragsamateure, wir geben sie frei. Wir halten unser Wort, dass ein Vereinswechsel als Vertragsspieler möglich ist. Wir haben aber damit gerechnet und sind frühzeitig in die Planung gegangen. Wir haben schon vier Neuzugänge präsentiert, es werden bis zum Ende der Transferfrist am 31. August noch weitere folgen.

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