16.05.2019 - 19:00 Uhr
BayreuthSport

Die Oberpfälzer der Oberfranken: Kopp, Golla und ein Traum

Diesen Traum hat wohl jeder Bub - Profifußballer zu werden. Bei der SpVgg Oberfranken Bayreuth spielen zwei Oberpfälzer Fußball, die beileibe nicht alles auf diese Karte setzen, die aber doch noch irgendwie diesen Kindheitstraum haben.

Sven Kopp (links) spielt seit Januar für die SpVgg Oberfranken Bayreuth.
von Josef Maier Kontakt Profil

Er macht sie im wahrsten Sinne des Wortes, diese zwei Schritte zurück, um wieder voranzukommen: In der Winterpause wechselte Sven Kopp vom SSV Jahn Regensburg zur SpVgg Oberfranken Bayreuth. Von der zweiten in die vierte Liga, in die Regionalliga Bayern. "Es macht jetzt wieder richtig Spaß zu spielen", erzählt der 24-Jährige, der aus Waldeck (Kreis Tirschenreuth) stammt.

Nicht mehr auf der Bank

Bayreuths Trainer Timo Rost wollte den langen Schlaks im Winter unbedingt. Als Rechtsverteidiger ist Kopp mittlerweile gesetzt. Alternativ könnte er auch innen verteidigen oder auf der Sechs spielen. Kopp ist variabel einsetzbar, in Regensburg spielte er auch ab und an im defensiven Mittelfeld - wenn er spielte.

"Das war zum Schluss natürlich nicht mehr befriedigend", blickt er auf die letzte Zeit in Regensburg zurück. Bei den Zweitliga-Spielen saß er nicht mal mehr auf der Bank. Bei dem jungen Fußballer, der bei der SpVgg SV Weiden ausgebildet wurde, reifte der Entschluss, etwas anderes zu machen. Mit dem Wechsel von der oberpfälzischen in die oberfränkische Bezirkshauptstadt änderte sich auch der Lebensrhythmus. Das reine Profi-Leben ist erst einmal weit weg: "In Regensburg hat sich der ganze Tag um Fußball gedreht", berichtet der Nordoberpfälzer. "Jetzt wollte ich neben dem Fußball noch etwas anderes machen", erklärt Kopp. Er arbeitet seit 1. Mai wieder in seinem erlernten Beruf als Mechatroniker, bei Siemens in Kemnath.

Und so geht er werktags fast immer auf die gleiche Tour: Von Pressath, wo er mit seiner Freundin Melissa wohnt, in die Arbeit nach Kemnath. Dann fast jeden Abend weiter zum Training nach Bayreuth. "Wir trainieren drei bis vier Mal die Woche", sagt der Defensivmann. "Ich gehe um halb sieben Uhr in der Früh aus dem Haus und komme abends um halb acht heim." Ein straffes Programm für den Fußball-Halbprofi.

Nachdem die Bayreuther Mannschaft lange in Abstiegsnöten war, hat sie sich unter Trainer Rost, dem einstigen Coach des FC Amberg, ab Herbst stabilisiert. Die "Oldschdod" schließt die Runde mit einem guten Mittelfeldplatz ab. Kopp ist sehr zufrieden: "Das sind alles gute Fußballer hier." Auch im Umfeld ist die Begeisterung beim Traditionsklub, der Ende der 1970er Jahre fast in die Bundesliga aufgestiegen wäre, immer noch groß: "Was die Fans hier bei Spielen veranstalten ist schon toll.

Johannes Golla kennt die Stimmung schon länger. Seit knapp zwei Jahren spielt der 23-Jährige aus Waldthurn (Kreis Neustadt/WN) für die SpVgg. Auch er lobt den Coach: "Jeder gibt Gas, jeder weiß, was er zu tun hat." Golla macht das auf der linken Außenverteidigerposition. Kopp und Golla bilden quasi die Oberpfälzer Außenzange der Oberfranken.

Mit Lippert in der WG

Nach dem Wechsel von der SpVgg SV Weiden zur SpVgg Greuther Fürth wurde Golla dort fußballerisch ausgebildet, spielte in den Bundesliga-Jugendteams, anschließend in der U23. Nach einem Jahr in Schweinfurt landete er in Bayreuth. Sein Vertrag dort läuft aus. "Derzeit laufen Gespräche", erklärt er. Auch Golla nimmt wie Kopp einige Strapazen auf sich, um in Bayreuth zu spielen. Er wohnt in Nürnberg mit Club-Profi Dennis Lippert aus Weiden in einer WG. Die gut 80 Kilometer lange Tour zum Training nach Bayreuth nimmt Golla immer mit sechs anderen Jungs auf sich. Vor diesen Fahrten hat Golla schon einige Stunden an der Uni hinter sich, er studiert in Nürnberg Lehramt für Grundschulen.

Sicher wird er später mal als Lehrer arbeiten. Aber vielleicht erfüllt sich vorher noch ein anderer Berufswunsch? Einer, den auch Kopp weiter im Hinterkopf hat. "Es ist sicherlich schwer, da wieder hinzukommen, Richtung Profibereich", sagt der ehemalige Jahn-Kicker. "Aber es ist noch alles drin. Ich bin erst 24." Golla kennt die Profi-Szene noch nicht so intensiv, auch wenn er damals in Fürth einige Male bei den Profis mittrainierte. "Der Traum, Profi zu werden, ist immer irgendwie da. Den gibt man auch nicht auf." Golla hätte da schon einen Lieblings-Profiklub, wie er augenzwinkernd verrät: "Am liebsten wär's mir mit Bayreuth."

Johannes Golla (links) aus Waldthurn ist seit knapp zwei Jahren bei der SpVgg Oberfranken Bayreuth unter Vertrag.

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