23.08.2020 - 23:49 Uhr
Deutschland und die WeltSport

FC Bayern holt sich das Triple

Der FC Bayern ist am Ziel aller Träume. In einem hochintensiven Finale der Champions-League gewinnt der deutsche Rekordmeister am Sonntag gegen Paris Saint-Germain das Triple. Held des Abends ist ein "King" aus der französischen Hauptstadt.

Bayern-Kapitän Manuel Neuer reckte den Henkelpott in die Höhe.
von Agentur DPAProfil

Die Münchener Triple-Könige fielen auf die Knie und sich dann in grenzenlosem Jubel in die Arme. Trainer Hansi Flick gratulierte sofort dem geschlagenen Thomas Tuchel und tröstete den in Tränen aufgelösten Weltstar Neymar. Der deutsche Rekordmeister hat sich am Sonntag in einem packenden Champions-League-Finale zum Fußball-König von Europa gekrönt. Held des Abends beim 1:0 (0:0) gegen Tuchels Paris Saint-Germain war der in Paris geborene Kingsley Coman mit dem wichtigsten Tor seiner Karriere - dem insgesamt 500. Treffer der Münchner in der Königsklasse. Der Schlusspfiff war der Start in eine lange Partynacht.

"Das ist schwer, nach dem Spiel zu realisieren", sagte der zuvor bärenstark haltende Nationaltorwart Manuel Neuer beim Streamingdienst DAZN. "Das ist Freude und das ist Erleichterung. Das ist ein Traum für uns alle." Vor allem auch für Coman, der bei PSG ausgebildet wurde und dort auch als 16-Jähriger sein Profidebüt gefeiert hatte.

Coman für Perisic in der Startelf

Bayerns "King" köpfte nach einer Superflanke von Joshua Kimmich in der 59. Minute das Tor zum Triple. Der Schachzug von Bayern-Trainer Hansi Flick war aufgegangen: Er hatte Coman für Ivan Perisic aufgeboten. Die Pariser Vergangenheit Comans sei "vielleicht eine Extra-Motivation", hatte Flick bei DAZN gesagt.

Ein Jahr nach Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool triumphierte der 55 Jahre alte Flick im deutschen Trainerduell mit Thomas Tuchel (46). Flick führte die Bayern sieben Jahre nach Jupp Heynckes in der ultra-langen und schwierigen Corona-Spielzeit in nicht einmal zehn Monaten Amtszeit als Chefcoach zum zweiten Triple. Die Bayern, die ihren dritten Titel nach 2001 und 2013 feierten, sind zudem in 28 Jahren Champions League der erste Gewinner, der in allen Saisonspielen siegen konnte - es waren elf an der Zahl.

Angeführt von Leon Goretzka und Kapitän Neuer waren die Münchner um kurz vor acht aus dem Mannschaftsbus gestiegen - voll fokussiert und mit nur einem Ziel. Sie "wollen unbedingt diesen Pokal holen", hatte Flick bei Sky gesagt. Neuzugang Leroy Sané, der nicht spielberechtigt war, schrieb bei Twitter: "Ihr packt das!!!" Die taktisch geprägte, aber wie für ein Finale typisch höchst intensive Anfangsphase war vielversprechend - Robert Lewandowski, mit 15 Treffern Torschützenkönig der Königsklasse, traf den Pfosten (22.). Allerdings musste Neuer auch in höchster Not gegen den von Mbappé bedienten Neymar retten (18.).

Viele Fouls auf beiden Seiten

Mit hohem Pressing, Flicks "Erfolgsgarantie" beim überragenden 8:2 im Viertelfinale gegen den FC Barcelona und dem 3:0 gegen Olympique Lyon im Halbfinale, versuchten die Bayern, das Pariser Starensemble immer wieder unter Druck zu setzen. Lewandowski, Thomas Müller, Serge Gnabry und Coman lauerten auf Ballverluste, das Mittelfeld ordneten Thiago und Goretzka. Das Bayern-Spiel in die Tiefe aus dem eigenen Ballbesitz heraus war aber ausbaufähig. Viele kleine Fouls störten zudem den Aufbau beider Mannschaften.

Gänzlich auszubremsen waren Neymar, der zunächst zentral stürmte, Mbappé und Di Maria nie. Vor allem über die linke Seite des französischen Weltmeisters nahm Paris immer wieder Tempo auf. Di Maria schoss frei vor Neuer über das Tor (23.), Tuchel, der mit dicker Schiene am gebrochenen Fuß wieder meist auf einer Kühlbox saß, schlug beide Hände vor dem Gesicht zusammen. Der nach dem Lyon-Spiel angeschlagene Jerome Boateng verletzte sich bei diesem Pariser Angriff und musste ausgewechselt werden. Für ihn kam Niklas Süle, der erst seit Kurzem von einem Kreuzbandriss genesen die große Aufgabe gegen Neymar und Mbappé übernahm.

"Stimmung" von der Delegation

Es blieb eine Partie, in der die Anspannung bei fast jeder Aktion zu sehen war. Jeder Fehler könnte bitter betraft werden. Lewandowski kam zum Kopfball, die Pariser Abwehr war in der Szene viel zu nachlässig mit dem Bayern-Torjäger. Im Fallen versuchte es der Pole, es reichte aber nicht, um Keylor Navas zu überwinden (31.). Der PSG-Torwart aus Costa Rica hatte sich rechtzeitig zum Finale fit gemeldet und parierte vor der Pause auch gegen Gnabry (45.+1). Im eigenen Strafraum hatten die Münchener Glück, dass Mbappés Abschluss nach einem Fehler von David Alaba kurz vor der Pause zu schwach geriet, um Neuer in Bedrängnis zu bringen.

Im fast menschenleeren Estádio da Luz sorgten die Delegationsmitglieder beider Clubs für zumindest ein wenig Motivation von der Seitenlinie. Und die Stimmung wurde hitziger. Nach einem Foul von Gnabry an Neymar, für das der deutsche Nationalspieler Gelb sah, kam es zur ersten Rudelbildung (52.). Als beide Mannschaften etwas zurückhaltender spielten, bediente Joshua Kimmich mit seiner wunderbaren Flanke Coman, der die kurzzeitig unsortierte PSG-Abwehr mit dem Münchener Führungstor überrumpelte.

Angetrieben durch den Treffer wurden die Bayern offensiver und dominierten die Partie. Ein Schuss von Coman blockte Thiago Silva gerade noch ab (62.), Flick brachte Perisic und Philippe Coutinho für den Torschützen und Gnabry (68.). Paris wurde nur noch streckenweise gefährlich. Als Neuer gegen Marquinhos gefordert war, war der Keeper wieder zur Stelle (70.). Für Paris kam anschließend Nationalspieler Julian Draxler ins Spiel (72.).

Bayern-Torjäger Robert Lewandowski (rechts) behauptet den Ball gegen Marquinhos (Paris).
Hintergrund:

500. Treffer in der Königsklasse

Der FC Bayern hat das 500. Tor in der Champions League erzielt. Der Treffer gelang im Finale in Lissabon dem Flügelstürmer Kingsley Coman, als er zum 1:0-Sieg des deutschen Rekordmeisters in der 59. Minute zur Stelle war. Nur Real Madrid mit 567 Toren und der FC Barcelona mit 517 kommen auf mehr Tore in der Champions League.

Hintergrund:

FC Bayern trifft auf FC Sevilla

Der FC Bayern München spielt nach dem Gewinn der Champions League gegen den Europa-League-Gewinner FC Sevilla um den Uefa-Supercup. Das Finale wird am Donnerstag, 24. September (21 Uhr), in der Puskás Aréna in Budapest ausgetragen. Ursprünglich sollte der Supercupsieger 2020 am 12. August in Porto ermittelt werden. Das Uefa-Exekutivkomitee hatte die Supercup-Partie im Zuge der Spielverlegungen wegen der Coronavirus-Pandemie nach Ungarn vergeben. Beim Finalturnier der Europa League in Nordrhein-Westfalen hatte Sevilla in Köln Inter Mailand im Endspiel mit 3:2 besiegt.

Aurélien Vézard (FC Weiden-Ost) über das Champions-League-Finale

Weiden in der Oberpfalz

Spielbericht des Halbfinals FC Bayern gegen Olympique Lyon

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