06.07.2020 - 17:46 Uhr
EnsdorfSport

Werder oder Gladbach: Oberpfälzerin Rokitte bildet sich in der Bundesliga fort

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Gladbach, Bremen, Hoffenheim - keine schlechten Adressen, um zu lernen. Isabell Rokitte setzt sich ohne Scheu in der Männerwelt durch. Manchem Fußballer ist das Lachen schon vergangen.

Isabell Rokitte (links) mit dem früheren Werder-Torwart Jaroslav Drobny nach einer Trainingseinheit beim Bundesligisten. Die Oberpfälzer Torwarttrainerin hospitierte auch schon in Gladbach und Hoffenheim.
von Josef Maier Kontakt Profil

Oft spielt auch der Zufall mit: Abends sitzen Spieler und Trainer der Klubs nach den harten Trainingseinheiten noch beieinander, plaudern, lachen. Viele Fußballvereine kommen im Frühjahr zu Trainingslagern in die Türkei. Vor einigen Jahren war auch Isabell Rokitte mit dem SC Ettmannsdorf da. Die 36-Jährige ist schon länger Torwarttrainerin beim Oberpfälzer Landesligisten. Ebenfalls in der Türkei, im gleichen Hotel, war auch Andrey Shpilev, Torwarttrainer beim russischen Erstligisten Ural Jekaterinburg. Der hat beste Kontakte nach Deutschland und war für die ehrgeizige Rokitte auch ein bisschen Türöffnerin. Die gebürtige Haselmühlerin, die jetzt ins Ensdorf lebt, konnte mit Shpilev ein bisschen Bundesligaluft schnuppern und ihre Trainerkarriere anschieben. "Das läuft alles ganz locker ab", erzählt sie von Trainingsbesuchen bei der Fußballprominenz. In Hoffenheim konnte sie beispielsweise einen Tag beim Training mit Oliver Baumann dabei sein. Danach schaute auch Julian Nagelsmann, damals noch Cheftrainer der TSG, zum kleinen Smalltalk vorbei.

In Gladbach schaute sie zu, wie der Schweizer Nationaltorhüter Yann Sommer im Training gefordert wird. "Ich wollte in diesem Jahr eigentlich nochmal hoch nach Gladbach", erzählt die einstige Torhüterin, bei Gladbachs Torwart-Koordinator Uwe Kamps war sie angemeldet. "Aber Corona hat da einen Strich durch die Rechnung gemacht." Beeindruckend waren für die Oberpfälzerin auch die Trainingseinheiten in Bremen mit dem einstigen Werder-, HSV- und Hertha-Keeper Jaroslav Drobny. "Auch der war ganz locker", beschreibt sie den Tschechen, der mittlerweile seine Karriere in Deutschland beendet hat.

Rokitte will viel lernen. Auch, um sich für weitere Aufgaben zu empfehlen. "Natürlich wäre das ein Traum, im Männerfußball zu arbeiten", sagt sie, ergänzt aber auch: "Eine Torwarttrainerin bei einem Bundesligisten? Das würde im Männerfußball wohl noch nicht klappen." Auch sagt sie, dass es die alten Klischees immer noch gebe. Sie erinnert sich da auch ein bisschen daran, wie sie vor einigen Jahren in Ettmannsdorf anfing."Die Spieler dachten zuerst, ich bin die neue Pysiotherapeutin", erzählt sie grinsend. Schnell war den Jungs aber das Lachen vergangen, und Rokitte etabliert. Für Stammkeeper Tim Ebner ist sie eine wichtige Ansprechpartnerin. Dessen Nachfolger Wolfgang Hesl wird sie ab nächstes Jahr auch trainieren.

Sie selbst will weiterhin Torwarttrainerin bleiben, sich fortbilden. "Ich kann mir nichts anderes vorstellen." Gesamtverantwortlich für eine Mannschaft zuständig zu sein, das strebt Rokitte, die einen Sportartikelversand betreibt, nicht an. Sie will das weitergeben, was sie in ihrer aktiven Karriere gelernt hat. Ab Anfang des Jahres 2004 stand sie auch beim einstigen Bundesligisten SC Bad Neuenahr unter Vertrag. Nach einem halben Jahr und ohne Erstliga-Einsätze verließ sie aber die Rheinland-Pfälzer wieder, wechselte zum Zweitligisten Erzgebirge Aue. Sie spielte auch für den 1. FC Nürnberg, Greuther Fürth, Wacker München und in der Region bei ihrem Stammverein ASV Haselmühl und den SV Freudenberg. "Ich stand viel mit Männern auf dem Trainingsplatz", berichtet sie. In Ammerthal hechtete sie beispielsweise mit dem jetzigen Keeper der SpVgg SV Weiden, Matthias Götz, abwechselnd über den Trainingsplatz. Logisch, dass auch Rokittes Sohn im Tor steht. Allerdings, gibt die Mama zu, die absolut gleichen Interessen hat der Neunjährige dann doch nicht: "Er spielt Eishockey und steht beim ERSC Amberg im Kasten."

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