Die Haare färben lassen will sich Bennet Wiegert im wahrscheinlichen Fall des Titelgewinns dieses Mal nicht. Anders als nach dem Champions-League-Triumph im Vorjahr plant der Trainer des SC Magdeburg kein großes Brimborium, sollte der souveräne Tabellenführer der Handball-Bundesliga im Topspiel gegen Verfolger SG Flensburg-Handewitt am Donnerstag (20.00 Uhr/Dyn) vorzeitig den vierten gesamtdeutschen Meistertitel nach 2001, 2022 und 2024 perfekt machen.
„Wer mich kennt, weiß, dass es da nichts geben wird“, sagte Wiegert vor dem Showdown mit dem Tabellenzweiten. Die Ausgangslage ist klar: Bei sieben Punkten Vorsprung vor dem Nordrivalen reicht dem SCM bereits ein Remis zur Meisterschaft. „Wir haben ein ganz großes Ziel vor Augen, was man jetzt wirklich sehen und auch schon ein bisschen greifen kann“, sagte Wiegert zur Konstellation.
Das soll bei seiner Mannschaft „nochmal Energie freisetzen, mehr Kraft geben und noch mehr Freude verspüren lassen“, sagte der 44-Jährige. Er selbst spüre seit Tagen eine „gewisse Anspannung. Wir müssen auf alles gefasst sein und 60 Minuten unseren besten Handball spielen, um uns zu belohnen“, sagte Wiegert. Den Meistertitel würde der Erfolgscoach sogar über den Gewinn der Champions League stellen: „Die Bundesliga hat für mich die größte Wertigkeit. Es ist unheimlich hart, die stärkste Handball-Liga der Welt zu gewinnen.“
Bundestrainer lobt Magdeburger Konstanz
Das große Plus der Magdeburger in dieser Saison ist ihre Konstanz. „Abgesehen von der Pokal-Finalrunde haben sie stets ihre Leistung gebracht“, lobte Bundestrainer Alfred Gislason und nannte weitere Erfolgsgründe: „Sie haben viel Breite in ihrem Kader, sind einfach überragend besetzt. Die Abwehr ist stark und vorn machen sie wenig Fehler.“
Der Isländer zweifelt daher nicht daran, dass die Wiegert-Truppe den Titelkampf vorzeitig für sich entscheidet. „Es sieht ganz gut aus für eine Meisterparty am Donnerstag. Ich denke, Magdeburg lässt sich das nicht mehr nehmen“, prophezeite Gislason.
Pokal-Schlappe als Wach-Rüttler
Dabei hatte Wiegert nach dem desaströsen Pokal-Wochenende Mitte April, als der haushohe Favorit im Halbfinale am Bergischen HC scheiterte und dann auch noch das Spiel um Platz drei gegen den TBV Lemgo Lippe verlor, negative Auswirkungen auf den Saison-Endspurt befürchtet.
Doch es kam anders. Seither glänzt sein Team wieder mit dem von der Konkurrenz gefürchteten Tempo-Handball. „Mich macht es sogar stolzer, wenn man hinfällt und dann wieder aufsteht. Das haben wir eindrucksvoll bewiesen“, lobte Wiegert seine Schützlinge.
Für Nationalspieler Lukas Mertens war „der Pokal-Dämpfer ein Wach-Rüttler. Danach haben wir überragende Spiele gemacht. Manchmal ist Handball auch eine Kopfsache.“ Die Pokal-Enttäuschung sei zwar nicht einfach zu verarbeiten gewesen. „Aber wir haben jetzt eine noch größere Mission - das ist die deutsche Meisterschaft. Darauf haben wir hingearbeitet. Dass es so früh kommen kann, ist natürlich super für uns“, sagte Mertens.
Flensburg will Meisterparty crashen
Entsprechend groß ist beim Linksaußen die Vorfreude auf das Topspiel. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, in die Arena zu kommen und zu wissen, etwas Großes erreichen zu können. Dafür gehst du jeden Tag in die Halle zum Training, dafür spielst du Handball“, sagte Mertens.
Ein Selbstläufer wird der letzte Schritt zur Meisterschaft aber nicht. Denn die Flensburger wollen eher Partycrasher als artige Gratulanten sein. „Wir wissen, dass das eines der schwersten Auswärtsspiele in der Bundesliga ist und Magdeburg die Meisterschaft perfekt machen kann. Deshalb ist das eine große Herausforderung“, sagte Nationalspieler Johannes Golla. „Aber wenn etwas zu holen ist, wollen wir da sein.“
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