28.04.2021 - 14:46 Uhr
EschenbachSport

Fußball-Schiedsrichter Ludwig Schreml: Wenn das Alter keine Rolle spielt

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Über die derzeit bei den Profi-Schiedsrichtern tobende Debatte um die Altersgrenze kann der 84-jährige Eschenbacher nur müde lächeln. In über 8200 Partien hat Schreml so manch Kuriosität miterlebt.

Ludwig Schreml, mit 85 Jahren der älteste noch aktive Schiedsrichter der Gruppe Weiden, als er 2018 vom DFB für sein langjähriges Wirken ausgezeichnet wurde.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Ohne Worte beantwortet Ludwig Schreml die erste Frage, ob er über die Altersgrenzen-Debatte bei den Bundesliga-Schiedsrichtern nur müde schmunzeln könne. Durchs Telefon ist sein lauthalses Lachen zu vernehmen. Kein Wunder: Mit bald 85 Jahren ist der Eschenbacher (Kreis Neustadt/WN) der Opa unter den noch aktiven Schiedsrichtern der Gruppe Weiden. "Auf der einen Seite kann ich verstehen, wenn ein guter Schiedsrichter wie Manuel Gräfe sich noch fit fühlt und weiter pfeifen möchte. Aber andererseits versperrt ein älterer Schiedsrichter immer auch einem jüngeren den Weg in die Bundesliga", ist Schreml in der Gräfe-Diskussion unentschlossen. Der nach "Kicker"-Noten beste Unparteiische der Bundesliga muss gemäß DFB-Statuten nach dieser Spielzeit aufhören, weil er mit 47 Jahren die Altersgrenze für Bundesliga-Schiedsrichter erreicht hat.

Ans Aufhören denkt auch Schreml eigentlich noch nicht. Eigentlich? Ja, sein Plan war ursprünglich, mit 85 Jahren und nach dann 60 Jahren aktiver Schiedsrichterei die Pfeife an den Nagel zu hängen. Doch die lange Pause im Zuge der Coronavirus-Pandemie sorgt für ein Umdenken bei dem auf allen Fußballplätzen des Kreises Amberg/Weiden bestens bekannten Schiri. "Ich würde schon gerne noch ein bisschen pfeifen. Aber wer weiß denn jetzt schon genau, wie es mit Corona weitergeht?" Über 8200 Partien hat Schreml bislang geleitet, und dabei so manch Kuriosität erlebt, die er sehr gerne immer wieder zum Besten gibt.

Zeche zahlen für guten Bewertungsbogen

In Abstiegsnot (ja, auch Schiedsrichter können absteigen) benötigte Schreml im letzten Spiel einer Saison einen guten Bewertungsbogen, um doch noch auf Bezirksebene verbleiben zu dürfen. Die Einteilung sah für ihn eine Partie in Regensburg vor. "Der damalige Lehrwart Alfred Gonschor begleitete mich nach Regensburg, doch schon auf der Anfahrt haben wir uns verfahren und kamen zu spät zum Spielort", erinnert sich Schreml. Nach der Partie suchte der Eschenbacher seinen Begleiter und den Beobachter, der ihn bewerten musste, vergebens.

"Der Beobachter sagte zu mir: ‚Luk, du bekommst einen super Bewertungsbogen von mir – wenn du unsere Zeche bezahlst‘."

Ludwig Schreml erinnert sich an eine Kuriosität aus fast 60 Jahren als Schiedsrichter

Schreml fand die beiden schließlich im Sportheim vor. "Der Beobachter sagte zu mir: ‚Luk, du bekommst einen super Bewertungsbogen von mir – wenn du unsere Zeche bezahlst‘." Der Bierdeckel war damals mit 32 Mark "belastet", Schreml hatte aber nur 25 Mark dabei. "Die Wirtin erließ mir die fehlenden 7 Mark, weil der Heimverein gewonnen hatte." Durch den letztlich "überragenden" Bewertungsbogen sprang Schreml noch vom 24. auf den 9. Platz der Schiedsrichter-Rangliste und schaffte so die abermalige Bezirksqualifikation. Heute kann Schreml darüber lachen. "Da wurde damals mitunter ein ganz schöner Schmu betrieben."

Ärgernis Videoschiedsrichter

Das Lachen vergeht dem Senior-Schiri aber mit Blick auf die Neuerungen im Profibereich, vor allem dem "neumodischen Videoschiedsrichter" kann Schreml noch nichts abgewinnen. "Die haufenweise unberechtigt gepfiffenen Handelfmeter sind nicht mehr nachvollziehbar", schimpft Schreml, der zudem die allgemeine Qualität der Schiedsrichter in der deutschen Eliteliga bemängelt. "Deswegen ist es schade, wenn gerade einer der besten wie Manuel Gräfe aufhören muss." Und vielleicht geht's ja auch auf Kreisebene noch in diesem Jahr wieder in halbwegs geregelten Bahnen weiter, so dass Schreml seiner Statistik noch die ein oder andere Partie in der A- oder B-Klasse hinzufügen kann. Denn: "Schiedsrichter zu sein war und ist mein Leben."

Ludwig Schreml zu Gast bei unserer wöchentlichen Serie "Kein Wort zum Sport"

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Hintergrund:

Das ist Ludwig Schreml

  • Geboren am 27. Oktober 1936
  • Schiedsrichter-Debüt am 4. März 1961
  • Bisher geleitete Partien: über 8200
  • 4 Jahre lang in der Landesliga aktiv
  • 19 Jahre auf Bezirksebene aktiv (Bezirksliga und Bezirksoberliga)

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