16.07.2020 - 15:47 Uhr
Fahrenberg bei WaldthurnSport

39 Mal rauf und runter: Über den Fahrenberg auf den höchsten Gipfel der Welt

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Was haben der Mount Everest und der Fahrenberg gemeinsam? Auf den ersten Blick relativ wenig bis gar nichts. Doch Ausdauersportler aus der Region haben den Anstieg zum Wallfahrtsort nun für einen Bergmarathon genutzt – das "Everesting".

Freunde hatten am Straßenrand hoch zum Fahrenberg ein Plakat zur Motivation angebracht. Martin Kunz (links) und Ralph Zimmermann erhielten dabei die Spitznamen von Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay, den Erstbesteigern des Mount Everest.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Aus Down under in die Oberpfalz: Zwei Australier hatten vor einigen Jahren die Idee, eine Herausforderung für Ausdauersportler ins Leben zu rufen, bei der die Zeit keine, sondern lediglich das Ankommen die entscheidende Rolle spielt. Dabei entwarfen sie ein denkbar einfaches Regelwerk: Fahre mit dem Rad einen Berg in deiner Nähe so oft immer wieder rauf und runter, bis du so viele Höhenmeter gefahren bist, dass man die geographische Höhe des Mount Everest (8848 Meter) erreicht hat. Die einzigen Bedingungen sind, dass keine Schlafpausen eingelegt werden und der Anstieg immer derselbe bleibt.

Eigentlich als Charity-Veranstaltung geplant

Die Oberpfälzer Version für diesen Bergmarathon der besonderen Art, genannt "Everesting", war eigentlich als Charity-Veranstaltung in Pfaben bei Erbendorf geplant. Dabei sollten ähnlich dem Landkreis- und Nofi-Lauf auch Staffeln mit unterschiedlicher Teilnehmerzahl, aber auch Einzelfahrer teilnehmen. Ein Sponsor war bereits gefunden, der pro gefahrenem Höhenmeter eine bestimmte Summe für wohltätige Zwecke zur Verfügung gestellt hätte. Allerdings musste die offizielle Variante coronabedingt abgesagt werden.

Rainer Steuerl absolvierte die "Challenge Brünnthal"

Amberg

Nichtsdestotrotz war die Nachfrage besonders bei Triathleten wegen der ebenfalls abgesagten Langdistanz-Challenge im Triathlon-Mekka Roth so groß, dass die Veranstaltung auf privater Basis in Angriff genommen wurde. Da wegen der Steigung und der Leistungsunterschiede ohnehin keine Gruppen entstanden, gab es auch keine Probleme bezüglich geltender Corona-Bestimmungen. Der Vorteil beim Fahrenberg ist, dass er je nach Windrichtung entweder von der Waldthurner Seite oder von Peugenhammer kommend angefahren werden kann. Die 15 Ausdauersportler um den Altenstädter Ralph Zimmermann, Martin Kunz aus Hammerles und Stefan Ritzka (Vohenstrauß) wählten wegen des Westwindes die Waldthurner Route, die zwar kürzer, dafür aber mit durchschnittlich 7,3 Prozent Steigung steiler ist.

Sportlicher Wert "extrem ungewöhnlich"

Um auf die Höhe des höchsten Gipfels der Welt zu kommen, musste diese Strecke mindestens 39 Mal befahren werden, was letztlich drei Teilnehmern gelang: Kunz, Zimmermann und Ritzka beendeten den langen Radsporttag mit der Aufnahme in die "Hall of Fame" der australischen "Everesting"-Community. "Eine derartige Herausforderung hatte ich noch nie. Den sportlichen Wert dieses Marathons würde ich unter ‚extrem ungewöhnlich‘ einstufen", sagte Zimmermann im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Für die 39 Auf- und Abstiege des Fahrenbergs (jeweils 6,2 Kilometer) benötigten Zimmermann und Co. 12:45 Stunden. "Wobei die Zeit bei diesem Event keine Rolle spielt." Die Vorbereitung gestalteten die Sportler dann auch einigermaßen professionell: "Ganz aus dem Stand geht das nicht. Gewichtsreduzierung und kontinuierliche Wattmessungen waren schon erforderlich."

Eine derartige Herausforderung hatte ich noch nie. Den sportlichen Wert dieses Marathons würde ich unter extrem ungewöhnlich einstufen

Ralph Zimmermann

Bereits an Fronleichnam absolvierten mit Alexander Harrer aus Windischeschenbach und dem 21 Jahre alten Christian Niklas aus Weiden ebenfalls zwei Athleten das "Everesting" am Fahrenberg. Für Harrer war dies bereits das zweite Mal, da er den "Mount Everest" bereits zuvor virtuell auf der Internetplattform Zwift erklommen hatte. Beachtlich waren am Fahrenberg auch die Leistungen der weiteren Bergfahrer: Karina Maier (7000 Höhenmeter) und Anja Zimmermann (5100) erreichten mindestens das „Basecamp“ (mehr als 4424 Höhenmeter). Hinzu kamen Jürgen Steiner (6534), Rainer Hecht (6080), Franz Wolf (5085), Günther Leikermoser (4554), Matthias Hammer (4532) und Sigi Tafelmeier (4512).

Gedankenspiele mit Rollski

Einen erneuten Angriff als Wohltätigkeitsveranstaltung im kommenden Jahr kann sich Zimmermann durchaus vorstellen – allerdings mit einer Einschränkung: "So etwas muss ich nicht zwingend ein zweites Mal durchziehen." Vielmehr würde sich der Extremsportler dann lieber als Organisator einbringen. Doch der besondere Kick solcher Events bringt einen Routinier wie Zimmermann immer wieder auf neue Ideen. "Vielleicht probiere ich das ‚Everesting‘ mal auf Rollski. Das wäre extrem krass." Dann müsste allerdings der Pfaben im Steinwald herhalten – wegen der geringeren Steigung bei der Abfahrt. "Auf Rollski komme ich den Fahrenberg auch schon runter, aber halt nur einmal."

Martin Kunz (links) und Ralph Zimmermann beim Aufstieg zum Fahrenberg.
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