11.02.2020 - 20:40 Uhr
FlossenbürgSport

Kolumne von Eric Frenzel: Silberhütte statt Otepää

Anstatt in Estland um Weltcup-Punkte zu kämpfen, zwingt der Schneemangel Eric Frenzel zum Training auf der Silberhütte. Dort findet der Flossenbürger einigermaßen gute Bedingungen vor und trifft auf neugierige Hobby-Langläufer.

Eric Frenzel

"Sie sind doch der, wo springt und läuft" spricht mich die Dame an, der ich vorhin in der Loipe noch zugerufen habe, dass sie die Stöcke senkrechter in den Schnee drücken solle, damit sie besser vorankommt. Nach unserer Trainingseinheit treffe ich sie im Winklerstübchen wieder. "Ja", antworte ich mit einem kleinen Schmunzeln über Satzbau und Betonung, die die sportliche Dame einwandfrei als Schwäbin identifizieren, "ich bin der, wo springt und läuft". Springen und Laufen sollten in Otepäa beim Weltcup stattfinden. Der Schneemangel hat uns Kombinierern einen großen Strich durch die Rechnung gemacht, und mit dem Schnee sind auch die restlichen Wettbewerbe des Gesamtweltcups zusammengeschmolzen. Nur noch vier Weltcup-Wochenenden liegen bis zum Abschluss der Saison vor uns, von denen wir auch wiederum wegen Schneemangels wahrscheinlich auch nicht alle absolvieren werden können.

Ich habe mich nach Flossenbürg in den Kreis meiner Familie zurückgezogen und finde täglich das, was ich offensichtlich woanders nicht immer bekommen kann, unmittelbar vor meiner Haustür. Die fleißigen Helfer des Skilanglaufzentrums Silberhütte zwischen Flossenbürg und Bärnau haben eine phantastische 1,2 km lange Loipe durch den Wald präpariert, ein weißes Schneeband durch die Bäume gelegt, auf dem ich meine Trainingsrunden drehe und dieses Vergnügen mit Schulklassen und auch eben "Schwäbinnen" teile. Das Areal bietet mir vorzügliche Trainingsmöglichkeiten und ich liebe diesen Ort! "Ja, ich bin der, wo springt und läuft", wiederhole ich lachend, bevor ich ihr auf weiteres Nachfragen erklären muss, was ich hier oben mache. Schnell sind die Zusammenhänge zwischen Wohnort, Weltcup und Trainingsareal geklärt und gebe der Dame angesichts der frühen Morgensonne anstatt Trollinger einen Kakao aus. Ich erkläre der Dame noch ein wenig das gesamte Loipennetz der Silberhütte sowie die Mountainbike-Strecken, die im Sommer auch nach Tschechien durch unberührte Wälder führen und begleite sie noch zum Skiverleih, wo durch anwesende Schulklassen reger Betrieb herrscht, wie jeden Morgen übrigens. Schön, dass bei uns in der Region der winterliche Schulsport in freier Natur absolviert werden kann, denke ich, während ich mein Equipment wieder ins Fahrzeug verstaue.

Silberhütte statt Otepäa - das heutige Trainingsprogramm ist abgespult. Eine weitere Woche wird sich für mich das Trainingsprozedere an dieser Stelle wiederholen, da auch das nächste Wochenende kein Weltcup stattfinden wird.In Flossenbürg kaufe ich noch schnell die Brötchen für ein schönes Familienfrühstück, auf das sich zu Hause schon Laura mit den Kindern freut.

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.