Beim anstehenden WM-Viertelfinale zwischen Frankreich und Marokko schlagen bei Hunderttausenden Fußballfans in Frankreich zwei Herzen in einer Brust. Für die Fans mit marokkanischen Wurzeln stellt sich am Donnerstagabend (22.00 Uhr/ARD und MagentaTV) die Frage, für wen sie jubeln - die französischen „Bleus“ oder die „Löwen vom Atlas“, wie die marokkanische Nationalmannschaft bezeichnet wird. Einen Gewinner wird es für sie auf alle Fälle geben.
Nicht alle machen es sich so einfach wie Marouane, der dem Sender France inter sagte: „Ich wäre stolz, wenn Frankreich gewinnen würde, und ich wäre stolz, wenn Marokko gewinnen würde; ich setze auf meine doppelte Kultur, weil ich französisch-marokkanischer Herkunft bin.“ Und auch der franko-marokkanische Humorist Jamel Debbouze blieb im Interview mit dem Sender BFMTV diplomatisch und meinte, beide Mannschaften hätten das Zeug, ins Finale zu gelangen. Beim Halbfinale beider Länder 2022 hatte er gar ein zur Hälfte französisches und zur Hälfte marokkanisches Trikot getragen.
Marokkanische Flagge für den Fall des Sieges griffbereit
Souleiman Saadlaoui, ein in Frankreich lebender marokkanischer Lastwagen-Fahrer, sagte unterdessen der marokkanischen Online-Zeitung „Hespress“, dass die Gefühle, die er nach einem Sieg Marokkos empfinde, nicht mit denen nach einem französischen Sieg vergleichbar seien. Er habe bereits eine marokkanische Flagge in seinem Lastwagen verstaut, um sie im Falle eines Weiterkommens Marokkos zu hissen – als Symbol für seinen Stolz auf sein Herkunftsland.
In Frankreich leben schätzungsweise 2 bis 2,2 Millionen Marokkaner und Menschen mit marokkanischen Wurzeln, knapp hinter den Algeriern sind sie die zweitgrößte Einwanderergruppe in Frankreich. Da wird es in Bars und auf den Straßen nach dem Abpfiff sicher hoch hergehen. Innenminister Laurent Nuñez hat die Polizeipräfekten für die Partie und die übrigen WM-Spiele bereits angewiesen, „die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um jegliche Ausschreitungen zu verhindern, einzudämmen und zu unterbinden“. Konkrete Befürchtungen vor Krawallen gab es aber zunächst nicht.
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