06.11.2020 - 19:22 Uhr
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1860-Trainer Köllner und sein Plädoyer für unschätzbar wichtige Leute

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Am Samstag steht für Michael Köllner wieder die Praxis an. An der Seitenlinie wird der 1860-Trainer gegen den Halleschen FC wieder seine Anweisungen geben. Auch in der Theorie ist der Fuchsmühler aber ein Experte.

"Löwen"-Trainer Michael Köllner hat sein drittes Buch auf den Markt gebracht.
von Josef Maier Kontakt Profil

Als ehemaliger Klosterschüler im Augustinus-Seminar in Weiden weiß Michael Köllner (50), wie sich Führen in früheren Zeiten angefühlt hat. Da gab es klare Ansagen von den Patres. Köllner pflegt natürlich heute als Fußballtrainer die moderne Form des Führens. Seine Gedanken zu diesem Themen hat der Coach von 1860 München in seinem mittlerweile dritten Buch (Führen, Coachen & Managen im Fußball“) gesammelt.

ONETZ: Herr Köllner, wie hat es eigentlich Rafael Nadal in Ihr Buch geschafft?

Michael Köllner: Grundsätzlich ziehe ich vor jedem den Hut, der in seiner Sportart Exzellenz und Extraklasse verkörpert. Rafael Nadal gehört sicherlich dazu mit seiner Brillanz und Konstanz, die er im Spitzenbereich im Tennis an den Tag legt und aufgrund derer er sich bereits seit vielen Jahren unter den besten drei der Welt bewegt. Es ist beeindruckend, wie er ständig eine solche Energie und das innere Feuer aufbringt, das Spiel für Spiel und Turnier für Turnier in ihm brennt. Daher sind Zitate von solchen Sportlern etwas Besonderes.

ONETZ: Wie wichtig ist der Blick für den Fußball auch über den Tellerrand?

Michael Köllner: Enorm wichtig, denn nur durch den Blick über den Tellerrand kann man sich weiterentwickeln – das gilt sowohl für den Fußball, als auch für die persönliche Entwicklung als Mensch. Daher ist es immer gut, sich mit unterschiedlichen Ansätzen zu beschäftigen: aus anderen Sportarten, bezüglich Leadership und Führung von Mannschaften.
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ONETZ: Sie brechen in Ihrem Buch einmal mehr eine Lanze für Jugendtrainer.

Michael Köllner: Jugendtrainer haben eine extrem wichtige Position im Fußball und im Sport. Alle gesellschaftlichen und kulturellen Vereine und Einrichtungen leisten einen extrem wertvollen Job für die Gesellschaft und für jeden einzelnen Menschen. Man muss sich immer klar vor Augen halten, dass man diese Leistung wertschätzen muss. In unserer heutigen Leistungsgesellschaft in Deutschland werden solche Dinge gerne vergessen und nicht genug gewürdigt. Das liegt an der Tatsache, dass sich alles an Leistung orientiert. Aber für die Entwicklung einer Top-Gesellschaft, in der wir alle gerne leben möchten, sind vor allem die Menschen unschätzbar wertvoll, die sich um Heranwachsende kümmern.

ONETZ: Mit Gerhard Nothhaft erwähnen Sie einen in der Region bekannten Trainer. Wie wichtig sind solche Leute?

Michael Köllner: Jeder, der sich im Fußball engagiert – gerade auf Jugend- und Amateurebene – ist enorm wichtig. Viele opfern ehrenamtlich oder für eine kleine Aufwandsentschädigung ihre Zeit, weil sie anderen Menschen etwas weitergeben möchten. Gerhard Nothhaft gehört zweifellos dazu. Ich habe von ihm im Fußball als junger Trainer enorm profitiert. Auch heute haben wir noch einen sehr, sehr guten Kontakt, tauschen uns eigentlich wöchentlich aus.

Michael Köllner und sein Ausblick

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ONETZ: „Führen, Coachen, Managen“ heißt das Buch. Was ist das Wichtigste?

Michael Köllner: Alles hat seine Berechtigung. Führen ist wichtig, wenn man ein Team anleitet. Coachen ist entscheidend, wenn man seine Mannschaft entwickeln will in Technik, Taktik, Athletik und Psyche. Und managen ist unabdingbar, um den Apparat am Laufen zu halten. Nur so können alle Leute sinnvoll an einem Projekt und bei uns im Fußball eben in einem Verein arbeiten.

ONETZ: Sie führen auch Systemdebatten. Wie wichtig sind diese im heutigen Fußball?

Michael Köllner: Vor allem im Profifußball ist es wichtig, sich mit Systemen auseinanderzusetzen. Mit dem falschen System kann man ein Spiel haushoch verlieren, das man mit einem anderen System zumindest knapp gewonnen hätte. Balance und Stabilität im Spiel zu haben, hat viel mit Systemen zu tun. Man muss Spielern auf dem Platz Leitplanken und Orientierung geben. Ihre individuellen Aufgaben im Spiel sind auch abhängig von Systemen. Wichtig ist nur, dass das nicht zu starr ist. Die Systemdebatte darf am Ende nicht über dem Fußball stehen.

ONETZ: Was ist schwieriger: „Löwen“ zu bändigen oder ein Buch zu schreiben?

Michael Köllner: Das ist eine gute Frage. Alles hat seine Besonderheiten. 1860 München zu trainieren ist keine einfache Aufgabe, es ist eine Herausforderung. Genauso ist es aber auch keine einfache Aufgabe, ein Buch zu schreiben. Dafür benötigt man viel Disziplin und Durchhaltevermögen. Für beides ist eins wichtig: Man muss es von innen heraus wollen. Es muss aus dem Herzen heraus kommen, es muss das Feuer in einem dafür brennen.

ONETZ: Wie viel Zeit ist vergangen vom ersten bis zum letzten Wort?

Michael Köllner: Es ist ein Prozess gewesen. Basis waren Analysen von Trainingsperiodisierungen oder die Zusammenfassung bestimmter Prozesse. Also ist das Buch eigentlich über sechs Jahre gereift. Das Schreiben selbst dauert circa ein halbes bis dreiviertel Jahr. Daran schließen sich das Layout und Korrekturphasen an, was nochmal rund sechs Monate in Anspruch nimmt. Es würde wahrscheinlich aber noch sehr viel mehr Zeit in Anspruch nehmen, wenn ich keine Unterstützung hätte. Mit Stephanie Pennekamp habe ich eine top Unterstützung an meiner Seite.

ONETZ: Sie garnieren das Buch mit Zitaten von großen Persönlichkeiten: Stammt das treffendste Zitat von Johan Cruyff? „Fußball zu spielen ist sehr simpel, aber simplen Fußball zu spielen ist das Schwierigste überhaupt.“

Michael Köllner: Auf den Fußball bezogen schon. Cruyff war ein riesiger Vordenker im Fußball. Schon als Spieler war er eine extreme Persönlichkeit, ein Weltklassespieler und hat eine Ära geprägt, auch in seiner Art und Weise, in der er Fußball interpretiert hat. Als Trainer vielleicht noch mehr. Auch heute noch tragen das Ajax Amsterdam und der FC Barcelona in ihrer DNA, die Cruyff geprägt hat, weiter. Das ist genial. Ebenso, in einem Satz den Fußball so exakt auf den Punkt zu bringen. Ich hoffe, dass sich immer mehr Trainer trauen, Fußball zu spielen und sich nicht rein am Ergebnis orientieren.

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