16.04.2019 - 21:54 Uhr
FuchsmühlSport

Michael Köllner bricht sein Schweigen

Der 49-Jährige zieht sich zurück, nimmt sich nach seiner Entlassung beim Club viel Zeit. Am Dienstag spricht der Ex-Trainer des 1. FC Nürnberg erstmals seit seiner Demission über Enttäuschungen und auch mögliche Ziele im Ausland.

Gut gelaunt und bestens erholt: Michael Köllner plauderte am Dienstag in Fuchsmühl auch mit den Fußballfans.
von Josef Maier Kontakt Profil

Der Mann hält Wort: "Ich habe vor einigen Monaten schon die Zusage gegeben", sagt Michael Köllner. Am Dienstag war der 49-Jährige beim Jubiläum des Marktladens in seinem Heimort Fuchsmühl. "Dafür haben wir sogar einen Urlaub abgesagt", erzählte der ehemalige Trainer des 1. FC Nürnberg. Seine Lebensgefährtin sei nicht begeistert gewesen. Gut gelaunt unterhielt sich Köllner mit alten Freunden aus der Heimat und brach für die Oberpfalz-Medien erstmals seit seiner Entlassung beim Erstligisten Mitte Februar sein Schweigen.

ONETZ: Sie haben nach Ihrer Entlassung lange geschwiegen. Ist alles verarbeitet? Wie geht es Ihnen?

Michael Köllner: Mir geht es sehr gut. Es ist sicherlich ein Einschnitt, wenn man beurlaubt wird. Aber das gehört zum Geschäft. Ich blicke jetzt ganz positiv zurück.

ONETZ: Wie ist der Kontakt noch zu handelnden Personen beim Club? Oder etwa zu Ihrem Nachfolger Boris Schommers?

Michael Köllner: Punktuell habe ich Kontakt zum ein oder anderen. Wenn einer Geburtstag hat, gratuliert man. Man trifft sich auch mal, der Fußball ist eine kleine Welt.

ONETZ: Gehen Sie auch ins Stadion, um den Club zu sehen?

Michael Köllner: Ich war jetzt zwei Mal bei Auswärtsspielen. In Stuttgart und in Frankfurt. In Nürnberg war ich noch nicht, wie irrtümlicherweise mal gemeldet wurde. Ich bin jetzt an den Wochenenden immer in Stadien. Ich verfolge den Fußball jetzt aus einer anderen Perspektive. Ich war zuletzt in Deutschland und Österreich bei Spielen.

ONETZ: Sie haben rund um die Uhr gearbeitet. Wie schwer fällt es da einem, plötzlich nicht mehr auf dem Trainingsplatz zu stehen?

Michael Köllner: Ich konnte das alles erstaunlicherweise gut verarbeiten. Ich war selbst gespannt, was das mit mir macht, wie ich das erlebe. Ich habe ja keine Routine, was Entlassungen betrifft. Natürlich war zunächst die Enttäuschung da. Das tägliche Arbeiten mit der Mannschaft fehlt. Es ist ein anderer Tagesrhythmus.

ONETZ: Wie erleben Sie das alles?

Michael Köllner: Die Veränderung ist spannend. Meine Frau pflastert mich nach drei intensiven Jahren jetzt mit Urlauben zu (lacht).

ONETZ: Das ist besser als Gartenarbeit ...

Michael Köllner: Das versucht sie jetzt auch schon. Nein, es ist klar, dass man Dinge, die man drei Jahre verpasst hat, versucht nachzuholen.

ONETZ: Der Club hat immer noch Chancen auf den Relegationsplatz ...

Michael Köllner: Natürlich drücke ich die Daumen, dass die Mannschaft es noch schafft. Es ist die Mannschaft, die ich zusammengestellt habe. Es überrascht mich nicht, wie sie momentan spielt. Es ist eine charakterstarke Mannschaft, sie spielt über den Charakter Fußball. Das zeigt sie Woche für Woche. Ich drücke auch die Daumen wegen der außergewöhnlichen Fans, die Erstligafußball verdient haben.

ONETZ: Zuletzt gab es auch einige kritische Stimmen aus der Mannschaft gegen Sie. Hat Sie das enttäuscht?

Michael Köllner: Was heißt enttäuscht? Es ist nicht meine Art nachzutreten, das mache ich nicht. Ich verstehe die Spieler, dass sie sich in unterschiedliche Richtungen positionieren wollen. Das ist dann auch in Ordnung.

ONETZ: Was bleibt von drei Jahren 1. FC Nürnberg?

Michael Köllner: Es waren drei harte und intensive Jahre. In dieser Zeit ist auch die sportliche Konsolidierung über die zweite Liga erfolgt. Danach haben wir uns wirtschaftlich konsolidiert. Und das ist hauptsächlich auch über Fußball passiert, nicht über Marketing oder vermehrte Werbe- oder Sponsoreneinnahmen. Diese Dinge und der Aufstieg sind mit mir verbunden und das bleibt so. Deswegen blicke ich auf eine Super-Zeit beim Club zurück.

ONETZ: Wann sieht man Sie wieder auf der Trainerbank?

Michael Köllner: Ich hatte jetzt schon die ein oder andere Anfrage für sofort. Aber während der Saison etwas zu machen, ist schwierig. Das war damals bei mir in Nürnberg auch hart, während der Saison einzugreifen. Es gibt schon ein paar gute Anfragen. Auch aus ausländischen ersten Ligen. Aber es war dann nichts dabei, wo ich sage, ich packe die Koffer und stürze mich ins nächste Abenteuer.

ONETZ: Wollen Sie zurück in den Profibereich oder doch wieder zum Nachwuchs?

Michael Köllner: Ich bin für alles offen. Aber in erster Linie will ich in den Profibereich.

ONETZ: Das Ausland haben Sie schon angesprochen. Welche Ligen wären interessant?

Michael Köllner: Es gibt viele Ligen, die spannend sind. Österreich, Schweiz, auch weil die Sprache natürlich passt. England und Polen sind als Märkte auch für deutsche Trainer interessant.

ONETZ: Die Motivation ist wieder da, oder?

Michael Köllner: Mir macht die Trainerarbeit Spaß. Egal, ob bei einer ersten Mannschaft in der ersten Liga oder einer U19 in der Bundesliga. Es geht darum, dass man gute Möglichkeiten hat. Die Frage ist: Wo kann man etwas entwickeln? Wenn das passt, kann ich mir das auch im Jugendbereich vorstellen.

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