17.11.2021 - 15:18 Uhr
GebenbachSport

Das Duell der Kapitäne: Julian Ceesay und Christopher Sommerer im Derby-Gespräch

Der Innenverteidiger der DJK Gebenbach und der Torhüter der DJK Ammerthal sind sich im Interview mit Oberpfalz-Medien einig: Im Nachbarduell der Bayernliga Nord am Samstag geht es um mehr als nur um drei Punkte.

Gebenbachs Kapitän Julian Ceesay (links) und der Ammerthaler Spielführer Christopher Sommerer (rechts) bei der Seitenwahl mit dem Schiedsrichter vor dem Spiel. Das Bild ist aus dem Oktober 2020, damals gewann die DJK Gebenbach das Bayernliga-Derby mit 5:0. Im Hinspiel der aktuellen Saison im August lagen die Ammerthaler dreimal zurück – und gewannen noch mit 5:3.
von Christian Frühwirth Kontakt Profil

ONETZ: Herr Sommerer, Herr Ceesay, es heißt ja, Derbys haben ihre eigenen Gesetze. Welche Gesetzmäßigkeiten gibt es denn bei den Spielen zwischen der DJK Gebenbach und der DJK Ammerthal?

Christopher Sommerer: Für mich ist das Spiel gegen Gebenbach nur von der Entfernung her ein Derby. Für mich gibt es nur ein Derby, und das ist das gegen den FC Amberg. Wir sehen das Spiel am Samstag schon als Aufgabe an, und als "Feiertagsspiel", aber das ultimative Derby ist es nicht. Es ist eigentlich das Derby zweiter Klasse. Nichtsdestotrotz: Es ist immer ein Spektakel, ein besonderes Spiel.

Julian Ceesay: Ich habe schon viele Derbys gespielt und ich würde schon unterschreiben, dass es immer besondere Spiele sind, in denen alles möglich ist. Rote Karten, Elfmeter, viele Tore, aber auch taktische Kniffe und überraschende Ergebnisse.

ONETZ: Was ist in dieser Saison die große Stärke der Ammerthaler, Herr Ceesay, und was die größte Stärke der Gebenbacher, Herr Sommerer?

Julian Ceesay: Sie haben viele gute Individualisten, die trotzdem als Team eine enorme Wucht auf den Platz bekommen.

Christopher Sommerer: Sie hatten großes Verletzungspech und kamen ganz schlecht in die Saison. Ihre große Stärke ist jetzt der Trainerwechsel. Kai Hempel hat dieser Mannschaft viel zu lange gefehlt. Deswegen haben sie damals auch den Aufstieg verpasst. Für mich war er immer der Kopf der Mannschaft – und jetzt ist er es als Trainer. Und das tut ihnen wahnsinnig gut.

ONETZ: Und was ist die große Stärke Ihrer eigenen Mannschaft?

Christopher Sommerer: Wir haben den Willen der letzten Jahre aus dem Abstiegskampf beibehalten und wahnsinnig viel Qualität dazugewonnen. Wir überstehen schlechte Phasen sehr, sehr gut, weil wir die Erfahrung haben aus schlechten Phasen in den vergangenen Jahren. Und wir sind offensiv so gut, dass wir immer ein Tor mehr machen können als der Gegner.

Julian Ceesay: Das Auftreten als Einheit. Wir glauben an uns – und an unsere Stärken als Team.

ONETZ: Sie dürfen für das Derby einen Spieler der gegnerischen Mannschaft für 90 Minuten auf die Bank setzen. Wer soll lieber nicht auf dem Platz stehen?

Julian Ceesay: Hm, das ist eine schwierige Frage. Aber ich hätte wohl ein entspannteres Leben am Samstag, wenn ich nicht gegen den Dotzler Lukas spielen müsste. Er dürfte also gerne 90 Minuten lang von außen zuschauen. (lacht)

Christopher Sommerer: Dominik Haller! Er ist für mich der Spieler mit dem größtmöglichen Potenzial. Er hat eigentlich das Spiel zu einer Art Derby gemacht durch seinen Wechsel damals.

ONETZ: Warum ist es besser, dass Sie am Samstag Innenverteidiger sind und nicht im Tor stehen, Herr Ceesay?

Julian Ceesay: Weil ich mit den Füßen wahrscheinlich weniger Schaden anrichte als mit den Händen. (lacht)

ONETZ: Und warum ist es für Ihr Team besser, dass Sie im Tor stehen und nicht als Innenverteidiger auflaufen, Herr Sommerer?

Christopher Sommerer: Als Feldspieler würde ich wohl nicht mal Kreisklasse spielen. Als Innenverteidiger bist du immer noch ein bisschen abgesichert, es steht ja noch einer hinter dir. Als Torhüter brauchst du einfach größere Eier als der Feldspieler. (lacht)

ONETZ: Auch am Samstag geht es nur um drei Punkte. Eigentlich. Oder geht es doch um mehr?

Julian Ceesay: Ja klar geht es um mehr. Ein Derbysieg ist mehr wert als die drei Punkte. Es geht dabei auch um ganz viel Prestige. Jeder Spieler auf dem Platz möchte dieses Spiel gewinnen. Und das gute Gefühl eines Derbysiegs trägt einen dann über die nächsten Wochen.

Christopher Sommerer: Natürlich geht es um mehr. Wir wollen den Gebenbachern zeigen, wer hier im Umkreis die bessere Bayernligamannschaft ist.

ONETZ: Wird man als Torhüter eigentlich nervös, wenn ein Michael Jonczy vor einem im Strafraum an den Ball kommt?

Christopher Sommerer: Neee, ich habe jahrelang mit ihm zusammengespielt in Ammerthal. Ich habe das schon ein paar Mal erlebt im Training. Deswegen ist da keine Nervosität da. Ich freue mich eher, ihn wiederzusehen. Er weiß sicherlich, was auf ihn zukommt: Ich bin bestimmt kein Torhüter, gegen den man ganz leicht Tore schießt.

ONETZ: Und Sie Herr Ceesay, wird man als Innenverteidiger nicht leicht nervös, wenn man es mit Gegenspielern wie Lukas Dotzler oder Mergim Bajrami zu tun bekommt?

Julian Ceesay: "Nervös" ist das falsche Wort. Man weiß einfach, dass man sehr fokussiert und sauber verteidigen muss. Weil sie eben jeden Fehler bestrafen.

ONETZ: Es spielen sechs Ex-Ammerthaler bei Gebenbach. Für welche Mannschaft ist das eher ein Vorteil?

Julian Ceesay: Ich glaube, für keine der beiden. Beide Seiten können daraus Vorteile ziehen. Man kennt sich gegenseitig und kann das jeweils für sich nutzen.

"Christopher Sommerer:" Es sind ja meistens Spieler, die Ammerthal nicht mehr wollte. Ausgenommen Dominik Haller. Deswegen kommen wir damit ganz gut zurecht.

ONETZ: Das Spiel am Samstag um 18 Uhr findet unter Flutlicht statt. Wer profitiert davon mehr?

Christopher Sommerer: Gebenbach hat die letzten drei Spiele unter Flutlicht bestritten, wir schon länger keines mehr. Und unser letztes war eine 1:5-Niederlage gegen den damaligen Tabellenletzten. Vielleicht erhoffen sie sich dadurch einen Vorteil. Ich sehe es aber nicht so. Wir trainieren ja seit gut vier Wochen unter Flutlicht und sind es alle gewohnt.

Julian Ceesay: Wir haben tatsächlich den ein oder anderen Spieler dabei, dem eine Brille nicht schaden würde (lacht). Die sehen bei Flutlicht nicht ganz so gut. Aber das wird beim Gegner auch so sein. So gesehen, dürfte das für keinen ein Nachteil sein.

ONETZ: Letzte Frage, wie geht's aus?

Christopher Sommerer: Ich tippe auf ein 4:1 für uns.

Julian Ceesay: Ich bin nicht besonders gut bei Tipps. Letztlich ist das Ergebnis auch nicht wichtig, Hauptsache die Punkte bleiben in Gebenbach.

Im Hinspiel führte Gebenbach dreimal – und verlor

Ammerthal
Hintergrund:

Das sind Julian Ceesay und Christopher Sommerer

  • Julian Ceesay: 32 Jahre alt, geboren in Sulzbach-Rosenberg, seit 2017 bei der DJK Gebenbach, erster Verein TuS Rosenberg, danach FV Vilseck und FC Amberg
  • Christopher Sommerer: 30 Jahre alt, geboren in Amberg, seit 2017 bei der DJK Ammerthal, erster Verein FC Amberg, danach Jahn Regensburg, vier Jahre Profi beim FC Ingolstadt, DJK Ammerthal und FC Amberg
  • Das Spiel der DJK Gebenbach gegen die DJK Ammerthal beginnt am Samstag, 20. November, um 18 Uhr

 

 

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