15.03.2020 - 18:52 Uhr
GebenbachSport

„Die Richtlinien beachten, aber die Lage nicht überbewerten“

Punktepartie Nummer eins im Jahr 2020 gegen den FC Viktoria Kahl wäre für den Bayernligisten DJK Gebenbach am Samstag auf dem Spielplan gestanden. Ein Interview mit den Gebenbacher Fußball-Chefs über die Lage und wie es weiter gehen könnte.

Teammanager Franz Wittich (rechts) und Thomas Milde, Vorstand der DJK Gebenbach, nehmen die Zwangspause im Fußball noch entspannt..
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Das Coronavirus sorgt für eine Absage des Spielbetriebs in ganz Deutschland und darüber hinaus. Fußball in Bayern macht des Pause, zumindest bis 23. März. BFV-Präsident Rainer Koch informierte die Spielleiter am Samstag, dass „wir zum jetzigen Zeitpunkt davon ausgehen, dass auch danach noch nicht wieder gespielt werden kann. Die Entwicklung nimmt quasi stündlich neue Wendungen.“ Die Schulen im Freistaat sind bis Ende der Osterferien (19. April) geschlossen. Koch betonte nochmals, „dass wir im Moment noch davon ausgehen, dass die Saison im bayerischen Amateurfußball zu Ende gespielt werden kann.“ Gleiches hoffen die Verantwortlichen der DJK Gebenbach, Teammanager Franz Wittich und Vorstand Thomas Milde.

ONETZ: War es ein größeres Problem, im Umfeld des Spieles alles abzusagen?

Thomas Milde: Wir haben alles von regionalen Geschäften, egal ob Metzgerei oder Bäckerei. Dadurch war es kein Problem, kurzfristig abzusagen. Getränke haben wir eingekauft, aber die können wir in sechs oder acht Wochen wieder nutzen. Wir haben im Bereich der DJK auch alles abgesagt, ob das Gymnastik ist oder Turnveranstaltungen, was wir im Verein sonst noch alles an Sport anbieten. Auch bei der Jugend ist alles abgesagt, alle Spiele und Trainingseinheiten der SG mit Hahnbach und Ursulapoppenricht. Vorläufig bis 17. April, außer es ergibt sich eine neue Situation.

ONETZ: Wie geht die Bayernliga-Mannschaft damit um, wie sieht der Trainingsbetrieb aus?

Franz Wittich: Wir halten uns an die allgemeinen Richtlinien des Bayerischen Fußballverbandes. Der Trainingsbetrieb ruht im Moment, die Spieler bleiben zu Hause und machen privat ihre Läufe. Wir entscheiden von Woche zu Woche, wie die Entwicklung vor sich geht. Das ist für uns nicht schön, da eine Unterbrechung da ist, und wir auf den Punkt hingearbeitet haben. Aber es ist insofern kein Nachteil, da es jeden Verein betrifft.

ONETZ: Haben Sie vergangene Woche damit gerechnet, dass alle Spiele abgesagt werden?

Franz Wittich: Ich habe nicht mit so drastischen Maßnahmen gerechnet, das war schon überraschend. Die Leute müssen ja trotzdem in die Arbeit gehen, wie im normalen Alltag auch. Darum denke ich, man soll die Lage nicht überbewerten, aber wir orientieren uns an den Richtlinien, um die Pandemie nicht weiter zu verbreiten.

ONETZ: Bis Ende der Osterferien hätte die DJK Gebenbach noch sechs Spiele, die vermutlich alle ausfallen. Danach wären es noch fünf Partien bis zum Saisonende am 24. Mai. Glauben Sie, dass die Saison überhaupt noch zu Ende gebracht werden kann?

Franz Wittich: Wir haben zum Glück keine Nachholspiele, wir könnten auch unter der Woche spielen. Was man jetzt schon an Gerüchten hört, soll die Sommerpause verschoben werden.

ONETZ: Könnten Sie sich vorstellen, dass die Saison um drei bis fünf Wochen verlängert wird?

Franz Wittich: Der Nachteil wäre dann eine sehr kurze Sommerpause, aber das betrifft auch jede Mannschaft. Das hatten wir vergangene Saison mit den Relegationsspielen. Man muss eine entsprechende Urlaubsplanung machen, aber das lassen wir auf uns zukommen.

ONETZ: Eine andere Variante: Die Saison wäre Stand jetzt beendet, wenn die Coronavirus-Welle nicht abklingen sollte.

Franz Wittich: Von unserer Seite wäre es in dieser Saison kein Problem. Aber ich kann es mir nicht vorstellen, weil es ungerecht wäre gegenüber dem Erst- oder Letztplatzierten der Tabelle. Ich finde, man sollte die Saison auf alle Fälle mit englischen Wochen und verkürzter Pause fortsetzen. Vielleicht geht es auch früher, wenn die Verbreitung des Virus eingedämmt werden kann.

ONETZ: DJK-Stürmer Timo Kohler hat scherzhaft gesagt: "Bei einem jetzigem Saisonende hätten wir wenigstens den Klassenerhalt sicher." Wäre das ein kleiner Trost?

Franz Wittich: Nein, auf keinen Fall. Den holen wir uns auch so, auf der sportlichen Seite. Man sollte das Thema nicht zu hoch hängen, es ist wichtig, dass man sich an die Regularien hält. Aber es müssen auch wieder positive Nachrichten kommen, es muss ja jeder weiter leben und arbeiten können.

ONETZ: Rückt der Sport und der Amateurfußball aktuell in den Hintergrund?

Thomas Milde: Der Sport ist wichtig, aber es gibt viel wichtigere Themen. Viele Bereiche leiden momentan darunter, egal ob Tourismus-Branche oder Busunternehmen. Das ist eine schwere Zeit, und wir hoffen, dass alles wieder in normale Bahnen gelenkt wird. Der Sport und Fußball gelten als schönste Nebensache der Welt, sind aber momentan wirklich eher nebensächlich. Die Wirtschaft steht jetzt im Vordergrund.

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