24.06.2021 - 16:08 Uhr
MünchenSport

"Hölle, Himmel, Hölle": Oberpfälzer Deutschland-Fans wieder voll dabei

Endlich wieder Fans in den Stadien! Darauf haben auch die Oberpfälzer Fußballfreunde gewartet. Und dann ist bei der Fußball-EM gleich so ein Herzschlag-Spiel wie gegen Ungarn dabei. Einige Fans müssen umziehen, andere müssen sich umziehen.

Nicht nur Jogi Löw stand gegen Ungarn im Regen, sondern auch viele Fans, einige aus der Oberpfalz.
von Josef Maier Kontakt Profil

Aus dem Hintergrund müsste Goretzka schießen - Goretzka schießt - Tooor! - Tooor! - Tooor! Wie einst Helmut Rahn vor 67 Jahren erlöste Leon Goretzka die Deutschen am Mittwochabend gegen die Ungarn. Rahns Tor sorgte 1954 für das "Wunder von Bern", Goretzkas Treffer verhinderte bei der EM 2021 das "Blaue Wunder von München". Mit dem 2:2 steht die deutsche Nationalelf im EM-Achtelfinale. Auch einige Fans aus der Oberpfalz waren bei diesem hochexplosiven Spiel dabei. Vorher war um die Karten gelost worden, da nur 14 500 Fans zugelassen waren.

"Stimmungstechnisch toll"

Sebastian Kress aus Windischeschenbach war mit Frau Sophia und Schwiegervater Franz da. "Ich hatte ja in den letzten Tagen schon das komplette Kontrastprogramm", erzählte er am Tag nach dem Auf und Ab in München. "Hölle, Himmel, Hölle", so beschreibt der gebürtige Mittelfranke seine drei Stadionbesuche der letzten zehn Tage in München. Beim chancenlosen 0:1 gegen Frankreich war er da, beim himmelhochjauchzenden 4:2 gegen Portugal und auch beim Zitter-Remis gegen die Ungarn. "Stimmungstechnisch war es einfach toll", blickt der 32-Jährige, der auch DFB-Fanclubbetreuer für die Oberpfalz und Franken ist, zurück. "Endlich gibt es wieder ein bisschen Normalität." Auch wenn nur 14 500 Fans dagewesen seien. "Es war auch klasse, wieder Leute zu sehen, die man eineinhalb Jahre nicht gesehen hat."

Weiter mit Maske

Aber klar, trotzdem spielte Corona noch irgendwie mit: "Es ist logistisch schon eine Herausforderung, sich da in Gruppen zu unterhalten", merkte er augenzwinkernd an. Neben Trikot, Fähnchen und Schal gehört auch weiterhin eine Maske zur Grundausrüstung der Fans.

Und beim Spiel gegen die Ungarn wären auch Austauschklamotten nicht schlecht gewesen. "Im Biergarten am Nachmittag war das Wetter noch so schön", sagte Kress, ein trügerischer Umstand. Er und seine Begleiter haben nicht erwartet, dass es den Münchener Norden am Abend fast wegspülen würde. "Es gab zunächst einen Platzregen und binnen zehn Sekunden waren alle nass." Die Fans auf den unteren Plätzen flüchteten nach oben auf den Vorplatz. "Die erste Halbzeit habe ich dort dann auch ein bisschen auf dem Fernseher anschauen müssen", erzählt er weiter. Von dort oben konnte er auch zuschauen, "wie einige in der Halbzeitpause ihre Klamotten ausgewunden haben." Zu den deutschen Toren in Hälfte zwei war er aber wieder auf seinem Platz. Ein bisschen gefeiert hätten sie noch nach dem glücklichen Einzug ins Achtelfinale, sagt er. Rüber auf die Insel, zum Klassiker gegen die Engländer, macht Kress aber nicht: "Es wird wahrscheinlich ohnehin keinen Ticketverkauf für die deutschen Fans geben." Die Einreisebeschränkungen sind wegen der Corona-Delta-Variante weiterhin groß. Aber Kress wäre ja kein wahrer Deutschland-Fan, wenn er nicht schon weiterdenken würde: "Ein Viertelfinale in Rom. Das wäre ein richtiges Fußballfest."

"Viel stressfreier als sonst"

Ein solches hatten sich auch vier Vohenstraußer, die noch Karten bekommen hatten, schon gegen Ungarn erhofft. Das Urteil von Josef Maier, dem Chef des Bayern-Fanclubs Vohenstrauß: "Das Spiel war unter aller Sau." Dabei wäre es so schön gewesen. Seit dem 8. März 2020 war der 53-Jährige wieder einmal im Stadion. Auch wenn es "nur" 14 500 Zuschauer waren: "Die Stimmung war echt gut." Und auch sonst konnte er der geringeren Zuschauerzahl einiges an Positivem abgewinnen: "Das war viel stressfreier als sonst." Keine vollen U-Bahnen, keine langen Warteschlangen vorm Stadion. "Alle Helfer waren superfreundlich, supernett." Selbst das mit den Impfnachweisen klappte gut, wenngleich Maier da so seine Bedenken hat, ob man da auf die Schnelle auch alle Identitäten überprüfen könne.

Gleich neben den Hooligans

In der Arena hatten die Vohenstraußer einen "heißen" Platz: Nordkurve, gleich neben den radikalen Hooligans aus Ungarn. Die Ordner hätten sie dann gebeten, ob sie vielleicht doch nicht auf die Haupttribüne gehen könnten, erzählt Maier. Sicher ist sicher. "Und so saßen wir nicht mehr auf einem 50-Euro, sondern 185 Euro-Platz", grinst er. Katrin Müller-Hohenstein führte unweit davon ein Interview mit Bundestrainer Joachim Löw.

Ungarn geben richtig Gas

Besten Blick hatten sie auch auf die fanatischen Ungarn. "Die haben richtig Gas gegeben." An die Maskenpflicht haben sich die Oberpfälzer auch gehalten. "Da wurde man auch immer wieder darauf hingewiesen."

Und eines war an diesem Abend, an dem der Himmel vielleicht auch wegen der Leistung der deutschen National-Elf bitterlich weinte, dann auch noch gut: "Wir sind trocken geblieben."

Die ganz harten Deutschland-Fans aus der Oberpfalz

Münchsgrün bei Leonberg
Da war es noch trocken: Sophia und Sebastian Kress aus Windischeschenbach vor dem Ungarn-Spiel.
Die Vohenstraußer Deutschland-Fans vor der Arena vor dem Ungarn-Spiel: (von links) Stefan Schäftner, Johannes Reinl, Hubert Schleicher und Josef Maier.

 

 

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