19.09.2019 - 18:33 Uhr
MünchenSport

Hoeneß-Wutrede: Uli, der Schutzpatron der Bayern

3:0 gegen Roter Stern Belgrad gewonnen. Na und? Der Auftaktsieg in die Champions-League-Saison war spätestens dann völlig uninteressant, als die "Verlängerung" anbrach. Da kam einer aus der Tiefe.

Uli Hoeneß zog mal wieder vom Leder.
von Josef Maier Kontakt Profil

Uli Hoeneß kann das nicht verbergen. Jeder merkt sofort, wenn es in ihm brodelt. Der Kopf hochrot, der Blick arrogant, die Augen zusammengekniffen. Aber keine Angst, der Uli sieht alles. Am Mittwochabend, nach dem 3:0 im Champions-League-Auftaktspiel gegen Roter Stern Belgrad, wurde schon deutlich, wer bei Bayerns größtem Sportverein die Lederhosen anhat.

Ein bisschen Smalltalk

Der Bayern-Macher wollte sich ja etwas zurücknehmen. Aber, wie soll das gehen? Uli Hoeneß kam aus der Tiefe des Kabinengangs, und dann streckten sie ihm ihre Mikrofone entgegen. Smartphones wurden ihm unter die Nase gehalten. Erwartungsvolle Blicke trafen ihm. Aber man geht ja nicht gleich in die Vollen. Naja, "wir hätten früher das 2:0 machen müssen", sagte Hoeneß. Ein bisschen Smalltalk eben. Die Leistung sei schon in Ordnung gewesen.

"Das ist ein Witz"

Wie er denn nun die ganze Sache mit Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen sehe, wurde er gefragt. Jetzt wird der Kopf noch röter, die Augenschlitze noch schmaler: "Das ist ein Witz", wetterte er. "Es gibt überhaupt keine Diskussion, wer bei Deutschland im Tor steht." Ter Stegen sei ein sehr guter Torwart, "aber Neuer ist viel besser, viel erfahrener". Eine Sauerei, sei das, was da derzeit mit dem Bayern-Keeper passiere. "Ter Stegen wird unterstützt, als ob er schon 17 Weltmeisterschaften gewonnen hätte. Er hat überhaupt keinen Anspruch zu spielen." Hoeneß redete überraschend ruhig, während er die scharfen Messer warf. Er ist immer noch Präsident der Münchener und Aufsichtsratschef. Er ist aber vor allem eines: der Schutzpatron seiner Bayern-Spieler.

Obwohl die Kovac-Elf am Mittwochabend die Serben aus Belgrad jetzt nicht gerade im Hurra-Stil besiegte, hätte es doch einige Ansatzpunkte gegeben, worüber es sich zu reden lohnte: Man hätte über Philippe Coutinho sprechen können, der gut eine Stunde lang immer wieder neue Ideen ins Spiel brachte. Man hätte auch über Robert Lewandowski plaudern können, der in dieser Saison bisher in jedem Pflichtspiel getroffen hat. Oder man hätte die Rochade in der Abwehr analysieren können. Benjamin Pavard war plötzlich Innenverteidiger, Joshua Kimmich rückte nach hinten rechts.

Fußballnation zweigeteilt

Hätte, hätte, hätte - der Konjunktiv war an diesem Abend nicht gefragt. Schon gar nicht bei Uli Hoeneß, der weiter polterte: Natürlich sei Neuer eine Zeit lang verletzt gewesen, "aber es war doch klar, dass er, wenn er seine alte Form wieder hat, die Nummer eins ist". Der Bayern-Boss ist sich sehr bewusst, dass durch seine Worte aus der bisher noch relativ seichten Torwart-Diskussion in der Nationalelf plötzlich ein Torwart-Zoff geworden ist, der die Fußballnation bewegt - und entzweit.

Einer der Hauptbeteiligten in diesem Konflikt konnte gleich darauf antworten, was er von der Hoeneß'schen Wutrede halte: "Unterstützung tut natürlich gut", meinte Neuer, aber sonst wolle er sich eigentlich nicht mehr äußeren: "Ich will jetzt keine Debatte darüber führen, wer was gut kann." Neuer kann eigentlich alles gut, versicherte auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic mit treuem Blick: "Manuel bringt tolle Leistungen, ist ein toller Kapitän, ein toller Mann." So ist er eben, der Salihamidzic, tolle Aussagen gibt's von ihm nicht. Er habe mit Oliver Bierhoff wegen der Sache telefoniert, sagte er noch: "Die verstehen uns. "

Theater mit dem DFB

Hoeneß wird nicht mit Bierhoff telefonieren. Er sucht seit jeher einen anderen Weg der Kommunikation. "Wir werden den Leuten schon mal ein bisschen Feuer geben", drohte er in Richtung DFB-Zentrale in Frankfurt und Bundestrainer Jogi Löw. "Dass man es zulässt, dass ein Mitspieler an die Öffentlichkeit geht für ein Thema, das er nur mit Jogi Löw zu besprechen hat, ist nicht in Ordnung." Man lasse sich das nicht mehr gefallen, dass eigene Spieler beschädigt werden. Und überhaupt dieser Verband, lästerte der Ober-Bayer weiter: "Wir kriegen ständig Theater vom DFB." Hoeneß meinte damit auch die Ausbootung von Müller, Boateng und dem jetzigen Dortmunder Hummels im März dieses Jahres.

So, alles musste raus. Jetzt ist aber genug. Hoeneß machte kehrt und ging. Eine Hand in der Hosentasche. Der Kopf nicht mehr so hochrot. Und huschte da nicht sogar ein Lächeln über sein Gesicht?

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