Weiden in der Oberpfalz
19.09.2019 - 18:52 Uhr

Pro und Contra: Soll Manuel Neuer die Nummer 1 bleiben?

Die Diskussion, wer das deutsche Tor hüten soll, eskaliert zusehends. Manuel Neuer oder Marc-André ter Stegen? Auch unsere Sportredakteure Josef Maier und Fabian Leeb widmen sich der "Frage aller Fragen".

Manuel Neuer (links) oder Marc-André ter Stegen? Diese Frage entzweit derzeit Fußball-Deutschland. Bild: agentur_dpa
Manuel Neuer (links) oder Marc-André ter Stegen? Diese Frage entzweit derzeit Fußball-Deutschland.

Bis Mittwochabend war es lediglich ein leichtes Grollen, das in Fußball-Deutschland zu hören war. Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona hatte sich öffentlich über seine Reservistenrolle in der Fußball-Nationalmannschaft beklagt. Stammkeeper und Konkurrent Manuel Neuer erwiderte dessen Klagen, und so entwickelte sich ein verbales Ping-Pong-Spiel, das aber oberhalb der Gürtellinie blieb. Erst als Uli Hoeneß nach dem Champions-League-Auftaktsieg der Bayern zu einem Rundumschlag gegen ter Stegen und den DFB ausholte, um "seinen" Schützling Neuer zu verteidigen, wurde aus dem leichten Grollen ein Erdbeben. Die Sportredakteure Josef Maier und Fabian Leeb stellen sich die Frage: Soll Manuel Neuer die Nummer eins im Nationaltor bleiben?

München19.09.2019

Pro: Weder Nostalgie noch ein Bonus für Manuel Neuer (Josef Maier)

Der Mann ist klasse: Marc-André ter Stegen ist ein vorzüglicher Torhüter. Diesen Beweis hat er ultimativ am Dienstag erbracht, als er die Dortmunder alleine stoppte. Manuel Neuer ist auch ein Torhüter der Extraklasse. Zuletzt verhinderte nur der Bayern-Keeper ein deutsches Debakel gegen die Niederlande, er hielt die DFB-Elf gegen Nordirland auf Kurs und rettete drei Mal beim Bayern-Spiel in Leipzig prächtig. Leistungsmäßig gibt es da überhaupt keinen Unterschied. Ter Stegen müsste aber schon signifikant besser sein als Neuer, um Ansprüche auf den Platz im deutschen Tor anmelden zu können. Aber in diesem Fall ist es wohl, wie in unserer Gesellschaft nicht unüblich: „Hoppla, jetzt komme ich“, heißt es da. „Ich bin top, ich bin stark, ich will, ich will, ich will.“ Die Gegenposition, dass da einer ist, der über Jahre Hervorragendes geleistet hat und sich diese Stellung verdient hat, zählt nicht. Und Jogi Löws Festhalten an Neuer, wie einige es machen, mit Nostalgie zu begründen, ist derweil nur eines: eine Unverschämtheit. Ter Stegen ist ehrgeizig, sein Frust zu verstehen. Doch das Warten und Hintenanstellen gehört zum Teamsport. Im Grunde könnte man diesen Torwart-Zoff, der sich immer weiter auswächst, ohnehin auf eine Frage reduzieren: Aus welchem Grund sollte der Bundestrainer Manuel Neuer plötzlich auf die Ersatzbank setzen? Na? Es gibt keinen. Und doch wird die Debatte so aufgewühlt geführt. Warum wohl? Neuer spielt für den FC Bayern. Wäre er Frankfurter oder Leverkusener – da würden sich viele nicht so reinknien, um Stimmung zu machen.

Contra: Konkurrenz belebt auch das Torhüter-Geschäft (Fabian Leeb)

Jetzt hat Jogi Löw den Salat. Der Bundestrainer muss einen öffentlichen Torwart-Zoff moderieren, der durch den Groll der Bayern-Bosse am Mittwochabend eine neue Eskalationsstufe erreicht hat. Und diese Suppe hat sich Bundes-Jogi selbst eingebrockt. Bereits vor der WM 2018 in Russland hat er das Leistungsprinzip für Nationalspieler komplett außer Kraft gesetzt, indem er den ein Jahr lang verletzt ausgefallenen Manuel Neuer zum Stammkeeper machte. Und das, obwohl Konkurrent Marc-André ter Stegen während Neuers Abstinenz sowohl im Nationaltrikot als auch beim FC Barcelona brilliert hatte und zu einem Weltklasse-Keeper gereift war. Keine Frage: Auch Neuer gehört aktuell (wieder) zu den besten Torstehern des Planeten. Was für ein Luxus für Löw, die Wahl zwischen gleich zwei Ausnahmekönnern zu haben. Blöd nur, wenn man sich selbst dieser Auswahl unnötig beraubt. Anstatt die beiden Kontrahenten mit einem gesunden Konkurrenzkampf und Wechselspielchen im Nationaltor zu noch konstanteren und besseren Leistungen zu kitzeln, knallt er ter Stegen bereits ein Jahr vor Turnierbeginn die EM-Tür vor der Nase zu. Die Denkweise, die Torhüterposition sei nach wie vor von jeglicher Konkurrenz und Rotation befreit, ist völlig überholt und gewiss nicht mehr zeitgemäß. Dass dem Barça-Keeper ob so viel Ignoranz nun der Geduldsfaden gerissen ist und er den Weg über die Öffentlichkeit gesucht hat, ist nur allzu verständlich. Jetzt ist Löw gefordert. Es ist ihm ein glücklicheres Händchen zu wünschen als bei den jüngsten Personaldebatten. Nachfragen an Özil, Hummels, Boateng, Müller ...

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.