30.09.2021 - 17:51 Uhr
MünchenSport

Kiew überrollt: Alle Bayern-Fans mögen plötzlich Sané

Das 5:0 des FC Bayern gegen Dynamo Kiew war locker herausgespielt. Und dennoch war es für einen Mann ein ganz besonderer Abend. Die Fußballwelt ist schnelllebiger als vieles andere.

Bayerns Leroy Sané (links) lässt sich von Lucas Hernandez zu seinem 4:0 garantieren. Der Offensivmann nagelte den Ball von der linken Außenlinie ins Tor.
von Josef Maier Kontakt Profil

Ein Mittelfeldabräumer hätte es nicht besser machen können: Er setzte wuchtig seinen Körper ein, und eroberte an der Mittellinie den Ball mit einer Grätsche. Als sich die Szene etwas entzerrte, sah jeder im Stadion: In dem Trikot steckt ja Leroy Sané. Der Edeltechniker, der Feingeist, der, der eigentlich nie nach hinten arbeitet.

Die Fans - erstmals seit zwei Jahren waren in der Königsklasse wieder 25 000 Zuschauer da - johlten und kreischten. Schon nach sechs Minuten in der Champions-League-Partie gegen Dynamo Kiew gab es die Versöhnungsparty zwischen dem Offensivstar und den Anhängern. "Leroy hat nach Köln die absolut richtigen Schritte unternommen", sagte Trainer Julian Nagelsmann nach dem 5:0 gegen die Ukrainer. "Ja, er hat ein herausragendes Spiel gemacht."

Einsichtiger Sané

Das war vor gut fünf Wochen anders. In der Partie gegen die Domstädter hatte Sané einen Grottenkick abgeliefert, wurde nach einem Ballverlust samt anschließendem Stehenbleibens von einigen eigenen Fans ausgepfiffen. "Die Pfiffe haben sehr wehgetan", bekannte der 25-Jährige, der vor gut einem Jahr von Manchester City nach München gewechselt war, am Mittwochabend. Oft wird ihm Arroganz und Gleichgültigkeit vorgeworfen, seine Körperhaltung unterstrich dies manchmal auch. Das ließ er am Mittwoch aber so nicht stehen: "Ich habe davor keine gute Leistung gezeigt, das weiß ich auch."

Mit einem Kniff hat Nagelsmann diesen Hochveranlagten, der auch ein Sensibelchen sein kann, wieder in die Spur gebracht. Und so zählt Sané jetzt nicht mehr zur Garde der Außenstürmer beim FC Bayern, auf die sie seit den Zeiten von Franck Ribéry und Arjen Robben so viel wert legen. "Leroy spielt jetzt zentraler, da hat er mehr Aktionen", erklärt der Trainer die Umstellung.

Aber natürlich zieht es den Wirbelwind auch immer wieder nach außen, er braucht die Flügel. Und es braucht manchmal auch Glück. Nahezu von der linken Eckfahne zimmerte er den Ball zum 4:0 (74.) ins Tor. Auch mit Hilfe von Kiews Keeper Heorhy Bushchan. "Nein, das war keine Absicht. Ich wollte den Ball normal reinflanken. Da habe ich ein bisschen Glück gehabt, dass in dem Moment meine Technik nicht so gut war", sagte der Gelsenkirchener. "Er hat mal in der Schalker Jugend gegen uns Hoffenheimer ein solches Tor geschossen", kramte Nagelsmann in Erinnerungen. Der Treffer war das Sané-Häubchen an diesem Abend, rein von der Ästhetik her konnten die Treffer von Robert Lewandowski (12./Elfmeter, 27.), Serge Gnabry (68.) und Maxim Choupo-Mouting (87.) nicht mithalten. Aber auch so war es die nächste Demonstration der Münchener, die Gästetrainer Mircea Lucescu weit blicken ließ: "Bayern München ist der größte Favorit auf den Champions-League Sieg."

Upamecano feiert die Null

Nagelsmann lässt sich davon nicht einlullen. Das Grinsen des 34-Jährigen verriet aber einmal mehr, dass er sich auf bestem Wege sieht. Und dabei schenkt er nicht nur der Offensive Aufmerksamkeit. Für ihn sei die Szene des Spiel gewesen, "als Upamecano in der 89. Minute einen Ball klärt, und dann jubelt, dass wir zu Null spielen". Es wäre an diesem Abend nicht verwunderlich gewesen, wenn statt Dayot Upamecano Leroy Sané im eigenen Strafraum geklärt hätte. Aber da hatte ihn Nagelsmann ja schon vorher ausgewechselt.

Ob Champions League oder Bundesliga: Die Bayern marschieren

Sport
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.