30.07.2019 - 17:20 Uhr
Köfering bei KümmersbruckSport

Vom EM-Finale ins Altenheim

Mit der Silbermedaille kehrt Laura Donhauser von der U19-Europameisterschaft zurück - das Finale hat die deutsche Nationalmannschaft mit 1:2 gegen Frankreich verloren. "Ich ärgere mich auch jetzt noch", sagt die 17-Jährige.

Die Koffer sind am Dienstag noch nicht ausgepackt, Montagnacht kam Laura Donhauser erst zurück von der EM der U19 in Schottland. Mit im Gepäck: Die Silbermedaille für den zweiten Platz.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Ihre nächste Aufgabe hat mit Fußball nichts zu tun. Montag Nacht ist sie mit ihren Eltern aus München zurückgekommen, nach dem Rückflug aus Edinburgh - zwei Tage Heimaturlaub stehen an. Papa und Mama Donhauser hatten sich am Freitag vergangene Woche kurzfristig entschlossen, nach Schottland zu fliegen, als feststand, dass Tochter Laura mit der National-Elf das Finale erreicht hat.

Laura Donhauser in "Elf des Turniers":

Große Ehre für die Vize-Europameisterinnen: Gleich vier deutsche U19-Nationalspielerinnen haben es in die Mannschaft des Turniers in Schottland geschafft. Das gab die Uefa am Dienstagabend bekannt. Abwehrspielerinnen Laura Donhauser vom FC Bayern München und Sophie Kleinherne vom 1. FFC Frankfurt, die Mittelfeldakteurin Marie Müller vom SC Freiburg sowie Stürmerin Nicole Anyomi von der SGS Essen wurden nominiert. Neben den vier DFB-Spielerinnen berief die Uefa vier Akteurinnen von Europameister Frankreich, zwei Spanierinnen sowie eine Niederländerin in der Mannschaft des Turniers.

"Klare Fehlentscheidungen"

Ein Endspiel, das die deutschen Fußballerinnen eigentlich hätten gewinnen müssen. Ein nicht gegebenes Tor, eine umstrittene Abseitsstellung, ein Foul vor dem 1:1-Ausgleich durch Frankreich - "drei klare Fehlentscheidungen", regt sich Vater Gerd auf, der im Stadion "keine 20 Meter entfernt" auf der Tribüne saß. Dazu Pfosten- und Lattentreffer - da war viel Pech im Spiel.

Amberg

Laura Donhauser schätzt ihre Leistung vor allem im Vorrundenspiel gegen die Niederlande als sehr gut ein. 3:1 gewann die deutsche Auswahl. "Da habe ich mich gut mit nach vorne eingeschalten. Ich mag es, wenn ich mit nach vorne darf", sagt die Verteidigerin. Sie und Julia Wirtz von Bayer 04 Leverkusen waren die jüngsten Spielerinnen, beide sind noch unter 18. Der Rest zum Teil zwei Jahre älter. "Das war kein Problem, ich habe mich mit allen gut verstanden."

Treffen bei Players Party

Ebenso wie mit den Spielerinnen der anderen Mannschaften. Bei der Players Party vor dem letzten Vorrundenspiel gegen Spanien haben sich die jungen Damen getroffen. Mit einer Spanierin hat sie sich zum Beispiel unterhalten. "Mein Englisch ist wirklich nicht das beste, aber man kann sich gut verständigen."

Im Hotel waren alle Teams der gleichen Gruppe untergebracht: Die belgischen, englischen und spanischen Spielerinnen liefen den deutschen ab und zu über den Weg. Der Tagesablauf der DFB-Truppe war leidlich geregelt: Vormittags Schule, nachmittags Training oder Regeneration. Trainerin Maren Meinert hat den Juniorinnen Freiraum gelassen - bis 18 Uhr. "Wir haben uns schon mal in eine Cafeteria gesetzt. Eis essen war nicht verboten, aber es sollte nicht übermäßig sein."

Für ihre Trainerin, die nach der EM in Schottland aufhört, hat Laura Donhauser ein großes Lob parat: "Ich fand sie als Trainerin top, ohne jetzt zu schleimen. Sie war wirklich ehrlich. Sie hat auch mal schon mal gesagt: Das geht gar nicht, was du da auf dem Platz machst."

Viel Zeit bleibt Laura Donhauser in der Heimat nicht zum Entspannen. Mama Birgit wäscht und bügelt mal schnell die Klamotten, bevor es am Donnerstag wieder nach München geht. Dort wartet der FC Bayern, wo die Noch-17-Jährige ab der kommenden Saison im Kader der ersten Mannschaft in der Bundesliga stehen wird.

Praktikum nachholen

Noch eine ganz andere Aufgabe ist zu bewältigen - trotz der Sommerferien. Die U19-Nationalspielerin geht in München auf die Fachoberschule, mit Unterricht und Praktikum im Wechsel. "Ich habe aufgrund der DFB-Lehrgänge ziemlich viele Fehltage, die muss ich jetzt nachholen." In einem Altenheim. Ein krasser Kontrast zum Leben als Fast-Profifußballerin. "Ein paar Tage habe ich da schon gearbeitet." Sie geht auf den sozialen Zweig der FOS und konnte zwischen Kindergarten, Altenheim und Behinderteneinrichtung wählen. In einem Kindergarten war sie schon ("Das hat viel Spaß gemacht mit den Kleinen"), jetzt sind Senioren an der Reihe: "Ich muss ein paar Menschen beim Essen helfen, die das nicht mehr selbst können. Sonst bin ich für die Unterhaltung zuständig, Spiele machen und sowas. Aber ich muss nicht pflegen." Den Einsatz im Altersheim findet sie gut, um auch mal andere Erfahrungen zu machen.

Ziel: Stammplatz bei Bayern

Ihre berufliche Zukunft sieht sie aber im Sport: "Ich möchte mal in diese Richtung studieren", erklärt Laura Donhauser. Aber zunächst hat ein anderes Ziel Vorrang: Stammspielerin beim FC Bayern zu werden wie ihr großes Vorbild Sara Däbritz, die von München zu Paris Saint-Germain gewechselt ist. Nicht leicht für die zierliche, knapp 1,60 Meter große - aber schnelle - Spielerin, obwohl sie nicht die Jüngste der Bundesliga-Mannschaft ist. Aber mit 17 hat sie womöglich noch eine große Karriere vor sich. Und wenn Paris Saint-Germain irgendwann anklopft: "Da würde ich nicht nein sagen."

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