Die Ratlosigkeit war in den Gesichtern der Bayern-Basketballer schon während der letzten Minuten des vierten Finalspiels bei Alba Berlin abzulesen. Mit zehn Punkten Vorsprung befand sich der Titelverteidiger auf dem besten Weg zum notwendigen dritten Sieg und der nächsten Meisterschaft. Dann drehte Alba im zweiten Spielabschnitt vor knapp 9.000 Zuschauern in aufgeheizter Atmosphäre in der extrem heißen Max-Schmeling-Halle die Partie. Das hinterließ ungläubigen Mienen bei den Münchnern, die sich nun für das entscheidende fünfte Spiel am Sonntag (16.30/Dyn) schnell wieder sammeln müssen.
„Wir haben 25 Minuten so gespielt, wie man in dieser Atmosphäre spielen muss“, sagte Bayern-Trainer Svetislav Pesic nach der 61:71-Niederlage an einstiger Wirkungsstätte, „dann hat Alba angefangen, eine aggressive Defense zu spielen.“ Zudem holten sich die Alba-Profis viele Offensiv-Rebounds und konnten über die zweiten Chancen punkten, was Pesic nicht gefiel: „Wenn Du nur reagierst, ist es nicht einfach, ins Spiel zu kommen.“
Bayern findet nicht aus der Spirale heraus
Zudem kritisierte der Trainerfuchs seine Schützlinge, die für seinen Geschmack zu viel zu den Schiedsrichtern geschaut hatten, anstatt zu versuchen, das Spiel wieder zu wenden. „Ich habe bisher in meiner Zeit bei den Bayern noch nie diese Situation gehabt, dass wir unser Konzept verloren haben“, sagte der 76-Jährige, der sich in den Ruhestand verabschieden wird.
Lediglich 16 Punkte gestatteten die Berliner ihren Gästen im zweiten Spielabschnitt und spielten sich selbst in der Offensive in einen Rausch, auch wenn viele Bälle auf beiden Seiten nicht den Weg durch die Reuse fanden. „Ich weiß nicht, was passiert ist. Wir haben komplett den Faden verloren“, sagte Justus Hollatz bei Dyn, „wir haben uns zu sehr in die Spirale reinlaufen lassen und sind dann nicht mehr rausgekommen.“
Berliner Defense als „Knackpunkt“
Auch Niels Giffey musste die starke Defensive des Gegners im zweiten Spielabschnitt anerkennen. „Das war der Knackpunkt“, sagte der ehemalige Berliner Spieler und Kapitän, der allerdings den Frust schnell ablegen möchte: „In zwei Tagen geht es weiter. Das ist das Gute.“
Auch Oscar da Silva, ebenso früher auf Berliner Seite beschäftigt, will Spiel vier schnell abhaken und blickt auf das fünfte und entscheidende Spiel in München: „Wir müssen defensiv bei 100 Prozent sein, dann sind wir in der Lage, Alba zu schlagen.“
Für Pesic, der seine Vereinskarriere in Deutschland bei Alba begonnen hatte, steht statt einer gelungenen Abrundung seiner Trainerlaufbahn am Ort des Anfangs nun noch einige Arbeit bevor. Die physische und mentale Regeneration sei sehr wichtig für die Spieler, denn eine „schlechte Vorbereitung bedeutet schlechte Gedanken“, sagte Pesic, der die Konzentration in positive Bahnen lenken will: „Ich weiß schon, was wir machen müssen.“
© dpa-infocom, dpa:260620-930-253761/2














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