22.06.2020 - 16:50 Uhr
KümmersbruckSport

Tennisspieler als Vorreiter: Ein erster Schritt zurück zur Normalität

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Große Erleichterung bei den Tennisspielern: Die gelben Filzbälle fliegen wieder über die roten Sandplätze. Auch auf der Anlage des TC Kümmersbruck. Beim Saisonstart war dann aber doch einiges etwas anders als vor der Coronakrise.

Schläger-Kontakt statt Abklatschen bei den U18-Jungen nach dem Spiel.
von Gerd SpiesProfil

"Spiel, Satz und Sieg" heißt es auch wieder beim TC Kümmersbruck seit dem vergangenen Wochenende. Im Gegensatz zu manch anderen Vereinen nimmt der Tennisclub mit fast allen Mannschaften an der jetzt gestarteten Übergangssaison teil. "Wir treten allein im Jugendbereich mit elf der insgesamt zwölf Mannschaften an", sagte Michaela Hetzenecker, die Koordinatorin der "TeG Vilstal". Zu dieser Spielgemeinschaft haben sich neben dem TC Kümmersbruck die Tennisclubs aus Rieden, Paulsdorf und Freudenberg zusammengeschlossen. Zwei der elf Kümmersbrucker Junioren-Mannschaften, die U18 sowie die U12-Bambinis, genossen am Samstag bei ihrem Saisonstart Heimrecht.

Großer Abstand auch in der Pause beim Seitenwechsel.Tobias Heckmann (TC Kümmersbruck, links) und Thorsten Beck (SV Höhenberg, rechts).

Auch im Erwachsenen-Bereich schickt der Verein elf seiner zwölf Mannschaften in den Spielbetrieb. Die Herren 40 und die Herren 50, beide in der Landesliga, starteten ebenfalls mit Heimspielen in die diesjährige Übergangssaison. An der beteiligen sich weniger als die Hälfte aller Tennisvereine im Bezirk Oberpfalz.

Der Grund sind die strengen Auflagen durch Corona. "Der Regensburger Tennisclub TC Rot-Blau zum Beispiel hat alle Mannschaften abgemeldet, weil er auf seiner großen Anlage die Kontrollpflicht nicht gewährleisten kann", erzählte Michaela Hetzenecker. Auch beim TC Kümmersbruck war am Wochenende einiges anders als vor Corona: Die Duschen blieben geschlossen, per Aushang wurden die Tennisspieler auf die Hygienevorschriften und Abstandsregeln hingewiesen. Die Bewirtung erfolgte nur im Außenbereich neben dem Tennisheim.

"Besonders für die Jugendlichen ist es gewöhnungsbedürftig, dass sie sich nicht abklatschen dürfen", sagte Hetzenecker über die vorgeschriebenen Kontaktbeschränkungen. Kontakt mit dem Schläger oder Ellbogen müssen da als Ersatz herhalten. Zusätzlich wurden die Abstände der Sitzbänke für die Spieler auf dem Platz vergrößert, um die Vorgaben einzuhalten. Weit negativer wirkte sich aus Sicht der Spieler das Duschverbot aus. "Schlecht für die Geselligkeit", sagte Joachim Fischer, Spieler der Herren 40-Mannschaft. Im verschwitzten Zustand beschränke sich das im Tennis so geschätzte gemeinsame Essen mit dem Gegner auf einen kurzen Snack. "Der Small Talk nach dem Wettkampf fehlt", sagte Fischer. So manche Tennis-Freundschaft wurde so geschlossen, so manches Match mit seinem Gegner in der Theorie noch einmal durchgespielt.

Übergangssaison im Tennis: Nur knapp die Hälfte der Mannschaften tritt an

Weiden in der Oberpfalz

Trotzdem war auf der Tennisanlage in Kümmersbruck an diesem Wochenende die Freude groß, dass der Wettspielbetrieb endlich wieder losgegangen ist. Und beim nächsten Wettkampftag haben die Mannschaften dann eine Sorge weniger: Seit Montag, 22. Juni, sind im Tennis die Benutzung der Duschen und Umkleidekabinen wieder erlaubt.

Gratulation nach dem Spiel mittels Ellbogen-Kontakt: Herren-40-Spieler Joachim Fischer (TC Kümmersbruck, links) und Matthias Zenk (SV Höhenberg, rechts).
Hintergrund:

Angst vor Hallenschließung im kommenden Winter

Insgesamt ist der TC Kümmersbruck mit einem blauen Auge aus der Coronakrise davongekommen, berichtet Thomas Kick, der Vorsitzende des Tennisclubs, Inhaber des Tennisshops auf der Anlage und zugleich Betreiber des Sportparks in Sulzbach-Rosenberg. "Rund 5000 Euro fehlen uns wegen der Schließung der Tennishalle ab dem 17. März", rechnet Kick vor. Er erzählt aber auch von positiven Auswirkungen der Coronakrise auf den Verein. "Wir haben 30 neue Mitglieder gewonnen." Aktionen wie kostenloses Schnuppertraining oder ein wöchentlicher Treff für Hobbyspieler während des Lockdowns hätten Wirkung gezeigt.

Weit härter hat es den Tennislehrer persönlich aus wirtschaftlicher Sicht getroffen. Der TC-Vorsitzende leitet nämlich auch in Bardolino am Gardasee eine Tennisanlage. Und diese Anlage mit sieben Tennisplätzen war wegen des Shutdowns in Italien bis zum 15. Juni völlig geschlossen. "Ich habe die Saison schon abgehakt, jetzt geht es nur noch um Schadensbegrenzung. Normalerweise herrscht gerade von März bis Mai auf der Tennisanlage am Gardasee Hochbetrieb, weil sich dort zu dieser Zeit viele Tennisspieler aus Bayern auf die Saison vorbereiten" erzählt Kick.

Ein möglicher zweiter Shutdown hätte, so Kick, noch weit gravierendere Auswirkungen, sowohl für ihn als Geschäftsmann als auch für den TC Kümmersbruck. Denn sollten dem Verein auch im kommenden Winter die Einnahmen durch die Halle wegbrechen, ginge es an die Substanz. Aber daran will Kick gar nicht denken.

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