10.10.2018 - 20:34 Uhr
MarktredwitzSport

Ein erstklassiger Typ

Maximilian Gläßl ist in der DEL angekommen. Der Marktredwitzer spricht über seine Pläne mit den Straubing Tigers - und er verrät, wie er wirklich tickt.

Bei einem seiner ersten DEL-Einsätze: Maximilian Gläßl (links) im Zweikampf mit Chad Kolarik von den Adlern Mannheim.
von Externer BeitragProfil

Ein bisschen finnisch sieht er ja schon aus. Blaue Augen, dunkelblondes Haar, groß gewachsen. Und dann? Dann präsentiert er auch noch stilsicher einen finnischen Satz. Aber stopp, hier ist alles nicht so, wie es aussieht. Maximilian Gläßl schafft nur für ein paar Sekunden eine perfekte Illusion. Denn eigentlich kommt der 21-Jährige aus dem Fichtelgebirge - genauer gesagt aus Marktredwitz.

Die Sache mit dem Finnisch ist leicht erklärt. Eishockey-Profi Gläßl war für die Saison 2013/14 in Helsinki. Ein paar Sprachkenntnisse sind übrig geblieben. "Jedes einzelne Jahr prägt einen Sportler", sagt der Verteidiger. Und blickt man auf seine sportliche Laufbahn, so lässt sich feststellen: Jedes einzelne Jahr hat Gläßl nach vorne gebracht - bis in die DEL. Bei den Straubing Tigers steht er jetzt unter Vertrag.

Nun könnte Maximilian Gläßl als 21-jähriger DEL-Profi arrogant und selbstverliebt daherkommen. Getreu dem Motto: "Seht her, was ich schon erreicht habe!" Das ist aber ganz und gar nicht Gläßl. Der Marktredwitzer ist ein ruhiger Typ, zurückhaltend, höflich. Und er ist kein Lautsprecher. In den vergangenen Wochen absolvierte er seine ersten Pflichtspiele in der deutschen Eliteliga. "Das wird mir für immer in Erinnerung bleiben, das war der Wahnsinn!" Für kurze Zeit kommt Gläßl aus sich heraus, dann schaltet er schnell wieder in den Ruhemodus.

Die Liga ist neu für Gläßl, schließlich spielte er in den vergangenen zwei Spielzeiten bei den Löwen Frankfurt in der DEL 2. 2017 wurde er mit den Hessen sogar Meister. Aber nicht nur wegen der Liga steht für den Abwehrspieler eine Umgewöhnung an. Sein Wechsel zu den Tigers heißt auch eines: Raus aus der Bankenmetropole, rein in ein beschauliches niederbayerisches Städtchen. "In Frankfurt habe ich ganz viel Zeit im Auto verbracht. In Straubing brauche ich mit dem Fahrrad nur drei, vier Minuten zum Training", sagt Gläßl.

Kurzer Heimweg

Der Weg zur Eishalle ist entspannt. Doch nicht nur das hebt das oberfränkische Eishockey-Talent lobend hervor. Über seinen neuen Arbeitgeber sagt er: "Bei den Straubing Tigers herrscht ein familiäres Umfeld. Alles läuft hier sehr persönlich ab. Wenn man als Spieler ein Problem hat, kümmern sich die Leute sofort." Das passt Gläßl ganz gut. Warum? Weil es einfach auch zu ihm als Person passt. Er ist ein Familienmensch, ein Typ, der keine Probleme will und ein gewisses Harmoniegefühl braucht.

Familie. Bei diesem Thema strahlt Gläßl ohnehin über beide Ohren. Bis nach Marktredwitz fährt er von Straubing aus nur eineinhalb Stunden. "Das ist toll", sagt er. Wieder ein kurzes Lächeln. "Ich schaue schon, dass ich mindestens einmal im Monat zu Hause bin." Und das klappt hervorragend. Montags hat Gläßl meist trainingsfrei - und montags haben auch seine Eltern, Betreiber eines regional bekannten Gasthauses, jede Menge Zeit.

So gesehen hat es Gläßl mit den Straubing Tigers perfekt erwischt. Jetzt muss es nur noch sportlich rund laufen. Zu den ersten beiden Reihen gehört der Fichtelgebirgler erst einmal nicht. Verständlicherweise. Er gilt als Perspektivspieler.

Und schließlich kommt Gläßl auf das zu sprechen, was ihn am meisten auszeichnet: sein unbändiger Wille. "Da sehe ich meine größte Stärke. Ich bin bereit, hart zu arbeiten." Um das zu unterstreichen, schiebt Gläßl noch einen Satz hinterher: "Ich will dem Trainer jeden einzelnen Tag zeigen, dass ich absolut bereit bin."

Tom Pokel wird das gerne hören. Der Coach hat mit den Straubingern eine Menge vor. Nach einer enttäuschenden Saison 2017/18 mit dem vorletzten Tabellenplatz gibt es in dieser Saison nur ein Ziel: Play-offs. "Das ist unser klares Ziel - und das ist auf jeden Fall auch realistisch", sagt Gläßl. Aktuell stehen die Niederbayern auf einem starken vierten Platz.

Traum von der NHL

So viel zu den Zielen mit der Mannschaft. Wenn Gläßl dann wieder über seine eigenen Pläne sprechen muss, gibt er sich ganz bescheiden. "Ich möchte erst einmal in meinen Leistungen stabil werden, um fester Bestandteil des Stammkaders zu werden." Denn eines ist an der Personalie Gläßl auch interessant: Zweitligist Deggendorfer SC darf über eine Förderlizenz-Vereinbarung auf Einsätze Gläßls hoffen. Schon fünf Mal war der 21-Jährige in dieser Spielzeit für den DSC im Einsatz - für Straubing absolvierte er drei Ligaspiele. Und natürlich macht Gläßl keinen Hehl daraus, dass er gern auf die DEL 2 verzichten würde. Doch selbstverständlich betont er mit dem nächsten Satz: "Sollte ich mal in Deggendorf gebraucht werden, akzeptiere ich das natürlich."

Gläßl ist in Straubing der neue Mann. Nun befindet er sich in einem Kader mit hochdekorierten und erfahrenen Spielern. "Da hat man erst einmal schon ein bisschen Respekt", betont Gläßl. Und deshalb zählt er sich in der Kabine auch noch nicht zu den Wortführern. Ob sich das in den nächsten Jahren ändert? Gut möglich. Stagnieren will Gläßl nämlich auf keinen Fall. Seine Eishockey-Träume? Da kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: NHL, Stanley Cup. "Das will doch jeder Spieler", sagt er. Natürlich weiß er da seine Chancen realistisch einzuschätzen. Aber was soll's? Träumen wird ja wohl erlaubt sein.

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