16.10.2019 - 15:48 Uhr
MarktredwitzSport

VGF Marktredwitz: "Mit Halbgas geht es nicht"

Die Volleyballer thronen in der Regionalliga derzeit ganz oben und streben zurück in die 3. Liga. Vor dem Spitzenspiel gegen Grafing am Samstag erklärt Janek Lindner, einer der Weidener in Diensten der Oberfranken, den Höhenflug der VGF.

Janek Lindner schmettert einen Angriffsball übers Netz. Der Weidener spielt bereits die vierte Saison für die VGF Marktredwitz.

Für Janek Lindner hat die VGF Marktredwitz das Potenzial für eine Rückkehr in die 3. Liga. Er spricht im Interview über die Wandlung der Volleyballer, die nun gegen Grafing ein Zeichen setzen wollen.

ONETZ: Tabellenführer der Volleyball-Regionalliga und als eines von zwei Teams noch unbesiegt: Janek Lindner, was ist passiert mit der VGF Marktredwitz in den vergangenen beiden Wochen?

Janek Lindner: Ich denke, wir haben einfach besser zusammengefunden. Das Zuspiel brauchte eine gewisse Eingewöhnungsphase bis eben die Angreifer verstanden hatten, was unser neuer Steller tut und er erkannt hat, was wir davon umzusetzen imstande sind.

ONETZ: Was sagen Sie denn zu ihrem Spielmacher Ondrej Kust?

Janek Lindner: Mit seiner Erfahrung ist er natürlich eine sehr große Hilfe. Anfangs war die Kommunikation schwierig auf dem Feld, da er nur ein bisschen deutsch sprach. Das funktioniert aber nun immer besser.

ONETZ: Haben Sie eine Erklärung für die größtenteils lustlos geführten Testspiele?

Janek Lindner: Uns ist nach dieser Vorbereitung klar geworden, dass mit Halbgas nicht viel zu erreichen ist. Und als wir nun richtig auf die Tube gedrückt haben, lief es von Spiel zu Spiel besser. Vor allem kommunizieren wir auf dem Feld wieder miteinander. Zuvor war wohl der Kopf irgendwie auch nicht bereit. Ich kann ja nur für mich sprechen und da war die Umstellung auf die Schichtarbeit im Rahmen meines dualen Studiums ein Problem. Ich konnte nicht regelmäßig trainieren und hatte so meine Startschwierigkeiten. Im Moment studiere ich wieder, und es ist alles gut.

ONETZ: Die Mannschaft wirkt wie ausgewechselt. Wie ist so eine Wandlung in so kurzer Zeit möglich?

Janek Lindner: Anteil daran hat sicherlich Joschi Liebscher, der einige klare Worte an uns junge Spieler gerichtet hat. Ganz sachlich, aber schon sehr direkt. So emotionslos, das geht auch nicht. Das hat am Ende jeder eingesehen. Er hat an die Einstellung appelliert, und dass es unsere Aufgabe sei, das Publikum mitzureißen. Auch hat er uns klar gemacht, dass wir hier nicht zur Gaudi spielen und die VGF Marktredwitz ein Alleinstellungsmerkmal in dieser Spielklasse besitzt – schon allein wegen der außergewöhnlichen Halle und den vielen Zuschauern. Schon deshalb und wegen des großen Rückhalts unserer Sponsoren sei es eine Verpflichtung, immer alles zu geben.

ONETZ: Mit dem überraschend glatten 3:0-Sieg beim hoch eingeschätzten VC DJK München Ost-Herrsching II hat sich die VGF zum Titelkandidaten gemausert. An diesem Samstag um 20 Uhr kommt es jetzt zum Duell in der Sebald-Arena gegen die ebenfalls noch unbesiegte Zweitliga-Reserve des TSV Grafing. Wie sehen Sie ihre Chancen?

Janek Lindner: Klar, die Euphorie ist nun riesengroß. Wir haben die Chance, eine Ausrufezeichen zu setzen. Und wir wollen natürlich unsere Spitzenposition verteidigen. Wir alle, das hat sich auch in den Gesprächen abgezeichnet, möchten wieder in die 3. Liga zurück, vor allem nach dem unglücklichen Abstieg vor zwei Jahren. Das Niveau da oben ist noch ein ganz anderes. Ich möchte mich auf alle Fälle weiter verbessern und das kann ich nur, wenn ich mich mit den Besten messe. Gegen Alteingesessene spielen zu dürfen, wie gegen einen ASV Dachau, VC Zschopau, TSV Deggendorf, VC Dresden oder TSV Niederviehbach stachelt den Ehrgeiz doppelt an.

ONETZ: Wie hoch sind Glaube und Wunsch ausgeprägt, das große Ziel auch realisieren zu können? Zumindest verkörpern ihre Anhänger schon mal Drittliga-Reife ...

Janek Lindner: Also wenn ich sehe, was am Sonntag in München nach dem Sieg in der Kabine abging, ist das Selbstvertrauen eindeutig zurück. „Auf-, aufsteigen wir“ haben wir zusammen gesungen und uns riesig gefreut. Das zeigt mir schon, wo alle hinwollen. Man hat gesehen, was möglich ist, wenn jeder an sich glaubt.

ONETZ: Janek, Sie spielen ihre mittlerweile vierte Saison für die VGF Marktredwitz. Was hat sich seitdem für Sie persönlich verändert?

Janek Lindner: Die letzten ein, zwei Jahre waren einfach schwieriger, weil ich lernen musste, Verantwortung auf dem Feld zu tragen. Zu Beginn wurden wir oft noch in Schutz genommen aufgrund des Alters und fehlender Routine. Aber das mit dem Welpenschutz ist endgültig vorbei. Jeder hat seinen Part auf dem Feld zu erfüllen.

ONETZ: Was fühlen Sie, wenn sie an den Samstagabenden diese rappelvolle und so stimmungsvolle Sebald-Arena betreten?

Janek Lindner: Nervosität, positive Energie und Gänsehaut – von allem ein bisschen. Wenn ich sehe, dass die Münchner am Sonntag vor 20 Zuschauern auflaufen, ist das bei uns vor oft 300 Fans und mehr schon beeindruckend, mitunter auch ein wenig erdrückend.

ONETZ: Sie sind vor kurzem von Weiden nach Amberg gezogen wegen Ihres Studiums. Wie groß ist da die Vorfreude, eventuell als Tabellenführer am 10. und 16. November in die Derbys eben gegen Amberg und gleich danach daheim gegen Bayreuth zu starten?

Janek Lindner: Ich hoffe, dass uns das auch gelingt. Wir könnten die beiden Duelle mit breiter Brust angehen und zeigen, wer Herr im Hause ist. Bis zur Amberger Halle ist es für mich ja nur ein kleiner Fußmarsch, quasi ein paar Schritte um die Ecke.

Hintergrund:

Janek Lindner trägt seit der Drittliga-Saison 2015/16 das VGF-Trikot. Der 20-Jährige hat mit 13 Jahren beim TB Weiden mit dem Volleyballsport begonnen, war zuvor Fußballer bei der DJK Weiden. Der Hobby-Fotograf spielt die Position des Mittelblockers und bringt es auf stattliche 1,94 Meter Körpergröße. Aktuell absolviert er in Amberg ein duales Studium für einen Medientechnologen Druck.

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