24.09.2019 - 16:45 Uhr
MarktredwitzSport

VGF Marktredwitz startet in die neue Regionalliga-Saison

Milan Cernousek heizt kurz vor dem Regionalliga-Start den Konkurrenzkampf an. Der Volleyball-Trainer der VGF Marktredwitz erklärt, warum er künftig nur noch coachen will und ein Spitzenplatz möglich ist.

Milan Cernousek war in der Vorbereitung nicht immer einverstanden mit den Leistungen seiner Spieler.

Es geht wieder los für die Regionalliga-Volleyballer der VGF Marktredwitz. Am Samstag, 28. September, um 20 Uhr empfangen sie in der heimischen Sebaldhalle den VCO München. Im Interview blickt Trainer Milan Cernousek auf die Saison voraus, schätzt die Chancen der Marktredwitzer ein und nimmt gleichzeitig die jungen Spieler in die Pflicht. Die sollen vor allem vom neuen Zuspieler lernen. Dem Trainer haben die durchwachsenen Leistungen aus der Vorbereitung auf den Magen geschlagen.

ONETZ: Was ist Ihre Erkenntnis aus den letzten beiden Tests gegen den VC Amberg und den VSV Oelsnitz?

Milan Cernousek: Dass ich vier, fünf Leute im Kopf habe, die gegen den VCO München am Samstag von Beginn an auflaufen werden. Der Rest muss sich anbieten. Es geht nicht an, dass die Hälfte nur dann gut spielt, wenn sie Lust hat.

ONETZ: Haben Sie eine Erklärung dafür?

Milan Cernousek: Ich hab wirklich keine Ahnung. Auf jeden Fall habe ich schon mit Jan (Kapitän Liebscher) besprochen, dass wir nun etwas verändern. Er leitet schon seit einiger Zeit das Training, und ich unterstütze ihn dabei. Ich werde mich künftig als Co-Trainer speziell den jungen Leuten widmen und in die Übungen eingreifen, wenn ich Fehler erkenne.

ONETZ: Das klingt, als wollten Sie kürzertreten?

Milan Cernousek: Ich bin ja mittlerweile auch schon über 60 und seit Jahrzehnten im Volleyballsport eingebunden. Da muss ich mir auch mal Auszeiten gönnen. Ich mache das auf jeden Fall nicht mehr allzu lange. Wie lange, weiß ich allerdings noch nicht. Die Zukunft spricht für Jan Liebscher, der inzwischen die Trainerlizenz erworben und schon große Teile der Vorbereitung geleitet hat. Er bringt neue Ideen ein, was mir sehr gefällt. Die Rollen sind neu verteilt: Jan ist der Chef im Training und ich coache bei den Spielen.

ONETZ: Was fällt Ihnen spontan zu Ihrem neuen Spielmacher Ondrej Kust ein?

Milan Cernousek: Einen Zuspieler dieser Qualität gab es hier schon lange nicht mehr. Es ist einer der Besten. Vergleichbar vielleicht mit der Zeit damals, als ich nach meiner Bundesliga-Karriere in Bonn zum Verein stieß. Er ist 38 Jahre alt und hat noch immer unheimlich viel Ehrgeiz und Power. Mit Jan bin ich mir einig, dass jetzt die Mannschaft gefordert ist, etwas zu bieten. Sie wird nicht jedes Spiel gewinnen, aber Lust und Wille sind Voraussetzung. Ondrej muss das Gefühl bekommen, dass alle wollen und dabei jedes Jahr ein bisschen besser werden.

ONETZ: Und wenn nicht?

Milan Cernousek: Mit Auftritten wie in Amberg ist Ondrej nächstes Jahr weg. Er hat so viel erreicht in seiner Karriere, muss sich das nicht antun, hat Familie und Hobbys. Warum soll er 120 Kilometer nach Marktredwitz fahren, um in solche Gesichter zu schauen. Das Mindeste was ich verlangen kann, dass sich jeder reinhängt. Die Erfahrung kommt mit den Spielen. Die Mannschaft sollte seine Verpflichtung als eine Riesenchance sehen: Wenn dieser Zuspieler zufrieden ist und bei uns Spaß hat, haben wir diese Position mindestens für die nächsten zehn Jahre besetzt. Wenn der Philipp Weiß nach seiner Verletzung zurückkehrt, kann er von Ondrej unheimlich viel lernen. Die Älteren im Team haben das längst kapiert, aber die junge Garde glaubt das offensichtlich noch nicht.

ONETZ: Die VGF Marktredwitz hat für diese Saison einen Kader, wie es ihn in dieser Quantität seit vielen Jahren nicht mehr gab. Sie können quasi aus dem Vollen schöpfen ...

Milan Cernousek: Ein Kader mit aktuell zwölf Leuten, da ist der verletzte Philipp Weiß noch gar nicht mitgerechnet, bringt allein wenig. Zehn Spieler reichen mir normalerweise, wenn alle kämpfen. Ich werde mir diese Saison ganz genau ansehen. Danach werde ich aussortieren. Ich sage dann, du hast die ganze Saison gut gespielt und trainiert, du bleibst hier. Wer „scheiße“ trainiert, muss gehen oder in der zweiten Mannschaft auflaufen. Wer dort gut ist, kehrt wieder zurück. Ich stehe damit nicht alleine da. Joschi und Jan Liebscher vertreten die gleiche Meinung. Der Konkurrenzkampf ist eröffnet. Normalerweise hatten wir ja immer personelle Probleme, da mussten alle spielen. Diese Zeiten sind vorbei.

ONETZ: Ondrej Kust soll auf dem Spielfeld mitunter sehr emotional reagieren. Da hat er doch einiges mit Ihnen gemeinsam?

Milan Cernousek: Für meine Begriffe war er in Amberg noch zurückhaltend. Aber ich habe gesehen, dass es in ihm schon kocht. Damit müssen die Jungs klar kommen. Darum habe ich gesagt, Ondrej bleib ruhig, das nächste Mal wird es besser.

ONETZ: Oft in der Vergangenheit, wenn es nicht lief, war im Zuspieler schnell der Schuldige gefunden. Das dürfte nun schwierig werden?

Milan Cernousek: Das wird so nicht mehr funktionieren. Wir haben den Besten. Angreifer und Mittelblocker bekommen ihre Chancen. Viele aber dürfen sie nicht liegen lassen. Wer sich zwei, drei leichte Fehler leistet, kommt raus und der Nächste rein. Ich bin gespannt, wie die Truppe reagiert. Das ist sie nicht gewohnt.

ONETZ: Es fällt auf, dass gerade die Jüngeren im Team im Moment auf der Stelle treten, sich kaum mehr fortentwickeln. Warum?

Milan Cernousek: Vielleicht ist Selbst-Zufriedenheit eingekehrt. Vor drei Jahren als sie kamen, haben sie relativ schnell dazu gelernt, waren äußerst willig. Arbeit, Ausbildung und Schule allein können nicht die Ursache sein. Bislang hatten sie keine Konkurrenz zu befürchten. Das ist jetzt anders. Ich hoffe, sie wachsen an ihren Nebenleuten. Vor allem in eigener Halle vor diesem tollen Publikum stehen alle unter Druck und ich erwarte, dass sie um ihren Platz kämpfen. Für mich hat beispielsweise ein Paul Soderer großes Potenzial, aber er muss es abrufen und konstanter werden.

ONETZ: Und wohin wird die Reise in dieser Saison gehen?

Milan Cernousek: Ich habe keine der Konkurrenten gesehen. Mit Ausnahme der Amberger, die mich als Aufsteiger überraschen. Das habe ich nicht erwartet. In dieser kleinen Halle, bei wenig Licht und der niedrigen Decke werden sie vor allem daheim einige Spiele gewinnen. Die werden die Klasse halten und auf Platz sechs oder sieben landen. Nach der Hälfte der Saison kann ich mehr sagen.

ONETZ: Und wo sehen Sie Ihre Mannschaft?

Milan Cernousek: Mit einem Ondrej Kust muss es unser Ziel sein, auf jeden Fall mindestens um Platz drei oder vier dabei zu sein. Die Mischung aus Jung und Alt passt.

ONETZ: Wie sieht es mit dem Kampf um den Titel und eine Rückkehr in die 3. Liga aus?

Milan Cernousek: Die Voraussetzungen sind auf alle Fälle besser als die Jahre zuvor. Wenn alles gut läuft, haben wir das Potenzial, auch um die Spitze mitzuspielen.

ONETZ: Für einen Volleyball-Regionalligisten hat die VGF inzwischen fast perfekte Bedingungen: Eine eigene Trainingshalle, einen großen Kader, ein Spitzen-Trainerteam, einen perfekten Spielmacher und ein Zuschauerpotenzial, um das sie die Konkurrenz beneidet. Was fehlt also noch?

Milan Cernousek: Ich kann da nicht widersprechen. Es braucht aber mehr Emotionen auf dem Feld. Es kann doch nicht sein, dass die Jungs sich nicht mal über verschlagene Bälle ärgern und kaum miteinander kommunizieren. Bei einigen hatte ich zuletzt das Gefühl, dass ihnen alles egal ist. Schon beim Einspielen muss ich doch zeigen, dass ich der Herr auf dem Platz bin. Das läuft alles zu freundschaftlich ab. In meiner aktiven Zeit gab es vor den Spielen keine Freunde – erst später beim gemeinsamen Bierchen.

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