München
Update 28.09.2026 - 13:03 Uhr

ÖPNV, Dorf, Stadion: Münchens To-Do-Liste unter Zeitdruck

Den deutschen Zuschlag für eine OIympia-Bewerbung hat München bekommen. Doch nun warten die großen Herausforderungen. Ein Blick auf die Aufgabenliste allein in der Stadt.

Nach dem Jubelwochenende über den nationalen Erfolg stehen Münchens Olympia-Bewerber vor arbeitsintensiven und komplizierten Wochen, Monaten oder gar Jahren. Bayerns Landeshauptstadt wird vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) als Kandidat für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 ins Rennen geschickt - im innerdeutschen Duell mit Köln-Rhein-Ruhr setzt sich München dann doch deutlich mit 91:50 Stimmen durch. Die Aufgaben - und Probleme? - aber werden jetzt größer.

Eine Auswahl an Herausforderungen, die München - neben der sportpolitischen Lobbyarbeit - nun vor sich hat, um dem Olympia-Traum näherzukommen:

Zeitdruck

Alle Projekte und Ideen, die in München mit den Sommerspielen verknüpft sind, eint, dass bis 2036 nicht mehr viel Zeit ist. Die Stadt an der Isar bewirbt sich zwar auch für 2040 und 2044. Aber grundsätzlich will München auch in knapp zehn Jahren bereit sein - vielleicht ist gerade dann die Chance am größten. „Ich will keinen Hehl daraus machen, dass der Zeitplan ambitioniert ist“, sagte Oberbürgermeister Dominik Krause dem „Spiegel“. Schon am Wahltag hatte der Grünen-Politiker betont: „Für uns heißt es, ab morgen wirklich loszulegen.“

Der Grünen-Politiker appellierte dabei vor allem an die Politik in Berlin. „Wir sind auf den Bund angewiesen, dass wir Planungsfragen, so wie wir sie bisher haben, deutlich beschleunigen.“ Großprojekte brauchen in Deutschland zu lange, was „den Leuten kaum noch vermittelbar ist“, wie Krause sagte. Er erinnerte daran, dass die Münchner U-Bahn vor den Spielen 1972 innerhalb eines Jahrzehnts entstanden sei. „Das ist heute so kaum noch vorstellbar.“

ÖPNV

Just der öffentliche Personennahverkehr ist eine der infrastrukturell größten Herausforderungen. Mit dem Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke soll eine Entlastung her. Von einer Inbetriebnahme der Röhre quer durch die Innenstadt ist man aber noch weit entfernt - jüngst begann die Tunnelbohrmaschine „Donna Maria“ erste Erkundungs- und Rettungsstollen zu bohren. In den späten 2030er Jahren sollten S-Bahnen durch die Stammstrecke fahren. Bei einem Zuschlag für die Spiele 2036 müsste das deutlich früher der Fall sein.

Der Hauptbahnhof ist derzeit eine große Baustelle; auch er dürfte - Stand heute - erst in den späten 2030er Jahre fertig sein. Zudem muss unter anderem das im Nordosten geplante Olympische Dorf angebunden werden: Dafür sind eine Verlängerung der U-Bahnlinie 4 und ein S-Bahn-Ringschluss Nord angedacht.

OB Krause erinnert an Paris als Olympia-Ausrichter 2024. „Dort sind 400 Kilometer Radwege entstanden, das U-Bahn-Netz ist um zehn Prozentgewachsen. Die ökologische Stadtentwicklung ist um Jahre vorangekommen. Solche Effekte erhoffe ich mir auch für München“, sagte er.

Olympisches Dorf

Apropos Olympisches Dorf: Dieses soll östlich von Daglfing und Englschalking entstehen, bis zu 16.000 Athletinnen und Athleten sowie bis zu 3.000 Medienleute beherbergen und nach den Spielen der Kern eines neuen Wohngebiets sein. Krause meint, so ein Dorf „wird die Stadtentwicklung dort erheblich beschleunigen und zusätzliche Wohnungen schaffen“. Mehr als 10.000 Menschen sollen dort dauerhaft leben, planen die Organisatoren. 

Doch die Stadt kann offenbar nicht uneingeschränkt auf das dortige Areal zugreifen. Laut „Süddeutscher Zeitung“ habe ein Grundstückseigentümer bislang nicht vor, sein Land an die Stadt für das Olympische Dorf abzutreten. Die „SZ“ berichtete unter Bezug auf eine jüngst erfolgte Architektenpräsentation, dass just jenes Grundstück dann auch ausgenommen ist von den Olympia-Plänen. Kritiker befürchten, dass im Extremfall über Enteignungen nachgedacht werden könne - was eine kuriose Entwicklung eines Grünen-Bürgermeisters wäre.

Olympiastadion

Das für die Sommerspiele 1972 errichtete und wegen des Daches weltbekannte Olympiastadion wird derzeit saniert und zukunftsfähig gemacht. 2031 finden in dem Oval die Leichtathletik-Weltmeisterschaften statt. Aus Gründen des Denkmalschutzes soll das Stadion dann von außen genauso aussehen wie bislang. Aber haben die Planer bei der Modernisierung an alles gedacht?

Die Gegengerade und Teile der Nord- sowie Südkurve etwa bleiben ohne Dach, was bei sommerlicher Hitze oder auch möglichen Regenfällen schlecht ist. Oberbürgermeister Krause wich bei der Pressekonferenz in Baden-Baden einer entsprechenden Frage etwas aus. „Wir werden unser Bewerbungskonzept sicherlich überprüfen“, sagte er und deutete dabei an, weitere mögliche - und mit dem Denkmalschutz vereinbare - Baumaßnahmen in Erwägung zu ziehen.

Kosten

Und was soll das alles kosten? Krause sprach am Wochenende von rund zehn Milliarden Euro. Fünf davon seien Eventkosten, also für die Spiele konkret. Und fünf Milliarden Euro sollen in langfristige Infrastrukturmaßnahmen fließen. Kritiker erinnern unter Verweis auf etliche vergangene Ausrichterstädte daran, dass die Kosten fast immer - teils drastisch - höher ausfielen als prognostiziert.

Ludwig Hartmann, Vizepräsident des bayerischen Landtags und einer der bekanntesten Olympia-Gegner, sorgt sich darum, dass schon die nächsten Monate und Jahre teuer werden. „Jetzt kommt es vor allem darauf an, dass aus der Bewerbung kein Fass ohne Boden für München wird“, sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Er ergänzte: „Mein Vorschlag ist ein verbindlicher Kostendeckel für jede einzelne Bewerbungsphase, unabhängig vom Wettstreit mit anderen Nationen, damit es keine Kostenexplosion gibt.“

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© dpa-infocom, dpa:260928-930-754740/2

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