Mit der Schlusssirene war die Erleichterung in der Hans-Schröpf-Arena förmlich greifbar. Nach drei Niederlagen zum Saisonauftakt haben die Blue Devils Weiden am Sonntagabend am vierten DEL2-Spieltag den ersten Sieg eingefahren und die Eispiraten Crimmitschau mit 3:2 bezwungen. Für die Mannschaft von Trainer Mikhail Nemirovsky war es ein Erfolg von enormer Bedeutung, auch wenn die Analyse des Spiels zeigt, dass der erste Schritt aus der Krise noch lange kein endgültiger Befreiungsschlag war.
„Meiner Meinung nach ging es vor allem um einen mentalen und emotionalen Neustart“, erklärte Nemirovsky nach der Partie im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Nach der deutlichen 3:7-Niederlage in Bietigheim hatte der Trainer trotz erneuter Reihen-Umstellungen bewusst auf Kontinuität statt auf Aktionismus gesetzt. „Wir wollten die Reihen etwas ausgeglichener besetzen und herausfinden, welche Spieler am besten zusammen harmonieren. Wir haben aber eigentlich nichts Grundlegendes verändert und auch nicht versucht, unser Spiel umzustellen. Wir wollten einfach unserem Spiel treu bleiben.“
Genau diese mentale Widerstandsfähigkeit machte am Sonntag den Unterschied. Zum dritten Mal im vierten Saisonspiel gingen die Blue Devils mit einer 3:1-Führung in das Schlussdrittel. Gegen Memmingen und in Bad Nauheim zuvor hatten sie einen solchen Vorsprung nicht über die Zeit gebracht. Diesmal aber stemmten sich die Oberpfälzer mit Leidenschaft gegen den wachsenden Druck der Gäste. „Das war heute sogar der wichtigste Punkt: dass wir die Führung diesmal halten können“, sagte Nemirovsky. Das vor dem Spiel ausgegebene Motto lautete: „Lasst euch nicht unterkriegen. Tut alles, um dieses Spiel zu gewinnen.“
Powerplay funktioniert
Dabei sprach der Spielverlauf durchaus gegen die Hausherren. Im Fünf-gegen-Fünf präsentierte sich Crimmitschau über weite Strecken als die reifere Mannschaft. Die Eispiraten wirkten eingespielter, aggressiver in den Zweikämpfen und strukturierter im eigenen Spielaufbau. Zudem offenbarten die Blue Devils erneut einige Defizite, die sich bereits durch die ersten Saisonwochen ziehen. Die Abstände in der Defensivzone waren oftmals zu groß, direkter Druck auf den puckführenden Gegner entstand dadurch nur selten. Die Folge: Weiden ließ erneut eine hohe Anzahl an Abschlüssen zu.
Dass die Punkte dennoch in der Oberpfalz blieben, lag vor allem an zwei entscheidenden Faktoren. Zum einen funktionierte das Powerplay erstmals auf hohem Niveau. Im Mittelabschnitt nutzten die Blue Devils sechs Strafzeiten gegen die Gäste konsequent aus. Tyler Gron und Niklas Postel trafen in Überzahl, das Weidener Powerplay wirkte zielstrebig, druckvoll und jederzeit gefährlich.
Zum anderen konnten sich die Gastgeber auf Patrik Mühlberger verlassen. Der 21-jährige Torhüter parierte laut Statistik 30 Schüsse und war der sichere Rückhalt seiner Mannschaft. Symbolisch für den unbedingten Siegeswillen stand zudem eine Rettungsaktion von Mario Scalzo, der für seinen bereits geschlagenen Goalie Mühlberger auf der Torlinie spektakulär klärte. Auch Fortuna trug diesmal ihren Teil bei, als ein Gewaltschuss von Stanislaus Dietz zum möglichen Ausgleich an den Pfosten knallte.
Seeger sen. stärkt Mühlberger
Die Diskussionen um die Torhüterposition dürften nach diesem Wochenende jedenfalls deutlich leiser werden. Denn Teampräsident Stephan Seeger senior stellte gegenüber Oberpfalz-Medien klar, dass die Verantwortlichen trotz der Verletzung von Stammtorhüter Michael McNiven nicht zwingend nach einer neuen Nummer eins suchen. „Das Problem liegt nicht beim Torwart. Pati Mühlberger spielt herausragend und macht einen wirklich hervorragenden Job“, sagte Seeger. Deshalb gehe es derzeit „nicht darum, einen besseren Torhüter zu finden, sondern vielmehr darum, ihm gelegentlich eine Pause zu ermöglichen“.
Trotz des Erfolgs bleibt die sportliche Einordnung spannend. Im dritten Drittel ging den Blue Devils erneut sichtbar die Kraft aus, die Schlussphase geriet phasenweise zur Abwehrschlacht. Auch Nemirovsky sieht weiterhin Verbesserungspotenzial. Sein Team müsse „etwas schneller spielen“ und lernen, „nicht unnötig Energie zu verschwenden“. Gleichzeitig betont der Coach, dass sich die Mannschaft noch mitten im Entwicklungsprozess befindet: „Wir befinden uns als Mannschaft immer noch in einem Entwicklungsprozess. Der Start in diese Saison war nicht einfach.“
Diese Worte beschreiben die aktuelle Situation der Blue Devils treffend. Nach der chaotischen Vorbereitung mit dem Trainerwechsel von Dave Matsos zu Mikhail Nemirovsky und zahlreichen personellen Umstellungen wirken fünf Punkte aus vier Spielen und Tabellenplatz neun beinahe wie das Maximum dessen, was derzeit möglich ist. Der erste Sieg hat Luft verschafft und den Glauben an die eigene Stärke zurückgebracht. Ein Beleg dafür, dass die Weidener Probleme gelöst sind, war das 3:2 gegen Crimmitschau allerdings noch nicht. Es war vielmehr ein wichtiger Zwischenschritt auf einem Weg, der noch einige Arbeit bereithält.

























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