16.04.2020 - 14:18 Uhr
NabburgSport

Handball: Kommt das "Norweger-Modell" nach der Coronakrise?

Im Frauen-Handball ist Norwegen eine Weltmacht, die Männer sind eines der aufstrebendsten Teams. Gut möglich, dass sich der Bayerische Handballverband im Umgang mit der Coronakrise am Vorgehen der Skandinavier orientiert.

Carina Czichon (vorne, Szene aus der Partie beim HC Weiden) und die Handballerinnen der HSG Nabburg/Schwarzenfeld müssen sich noch etwas gedulden, bis feststeht, ob der Aufstiegstraum Wirklichkeit wird.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Kurz vor der angepeilten Doppel-Meisterschaft kam für die HSG Nabburg/Schwarzenfeld wie für alle anderen Mannschaften landauf-landab die große Keule: Nichts geht mehr. Bundesweiter Corona-Stopp. "Wir sind aktuell zum Nichtstun verurteilt. Aufgrund des strikten Hallenverbots ist derzeit maximal Einzeltraining möglich, indem unsere Akteure einige Läufe absolvieren", sagt Christian Liebl, HSG-Vorsitzender, im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Dabei schien der Weg bereitet für eine dicke Meistersause: Die Frauen von Trainer Karl Söllner stehen in der Bezirksoberliga vor dem Titelgewinn und der Rückkehr in die Landesliga – dem großen Ziel, dem, nach dem bitteren Scheitern in der Vorsaison, so ziemlich alles untergeordnet worden war. Und auch die Männer sind drauf und dran, den Betriebsunfall nach nur einer Saison in der Bezirksliga umgehend zu reparieren. Die Truppe des spielenden Trainerduos Florian Sturm und Martin Strejc führt die Tabelle an und strebt zurück in die BOL.

"Unsere Frauen hätten nur mehr vier, unsere Männer sogar nur noch zwei Spiele zu absolvieren. Das sollte, anders als etwa im Fußball, relativ schnell durchzuziehen sein", rechnet Liebl vor, der wie alle anderen Teams aber auch "warten muss, was der Bayerische Handballverband gegen Ende dieser Woche entscheidet". Wie es weitergehen könnte, das macht ein Blick über die nördliche bayerische Grenze hinaus deutlich. Der Handballverband in Sachsen-Anhalt hat die Saison bereits abgebrochen und nach dem sogenannten "Norweger-Modell" gewertet. Dabei wird die Tabelle anhand eines Punkte-Quotienten ermittelt: Die Zahl der Pluspunkte wird durch die Zahl der absolvierten Partien geteilt. Ein Aufstieg in die nächsthöhere Liga wäre möglich, der Abstieg wird ausgesetzt. Zur Saison 2021/22 sollen die Ligenstärken dann mittels verschärftem Abstieg wieder angepasst werden. Die Skandinavier hatten diese Lösung in Spielklassen, in denen Vereine eine unterschiedliche Anzahl von Spielen aufwiesen, Mitte März vorgestellt.

"Das könnte ich mir in Bayern auch vorstellen, das wäre aus meiner Sicht eine faire Sache", verweist Liebl darauf, dass die vermeintlichen "Spitzenspiele gegen die direkten Konkurrenten bereits absolviert sind" – bei Männern wie Frauen. Auch wenn man nie davor gefeit sei, auch mal "gegen ein schlechter platziertes Team zu straucheln", stünden die Frauen von Karl Söllner in der Landesliga dann vor einer Mammut-Saison. "Die Liga ginge mit 16 Teams an den Start. Das heißt 30 Wochenenden vollgepackt mit Ligaspielen. Das ist fast schon Profibereich", rechnet der HSG-Vorsitzende vor. Ein Aufstiegsverzicht kommt für Liebl aber nicht in Frage. "Wir wollten mit unseren beiden Seniorenmannschaften rauf, von daher werden wir diese Herausforderungen auch annehmen. Wenn es denn so kommt." Je nachdem, wie der BHV diese Woche entscheidet und vielleicht doch noch eine überraschende Lösung aus dem Hut zaubert.

Hintergrund:

Restprogramm der HSG-Teams

Bezirksoberliga - Frauen:

HSG - TV Altdorf (3.)

TV Erlangen-Bruck (8.) - HSG

HV Oberviechtach (7.) - HSG

HSG - SG Regensburg (4.)

Bezirksliga - Männer:

TS Regensburg (9.) - HSG

HSG - HV Oberviechtach (4.)

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