01.05.2020 - 15:37 Uhr
NabburgSport

Neue Bestzeit für Erik Hille: Marathon allein gegen die Uhr

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Der Marathon in Wien sollte der Höhepunkt des ersten Halbjahres 2020 werden. Darauf war die Vorbereitung des Nabburgers Erik Hille ausgerichtet. Dann kam der Corona-Stopp. Eine Alternativlösung musste her.

Der Zieleinlauf für Erik Hille: Nach 2:15:54 Stunden hatte der Nabburger die Marathondistanz rund um Wölsendorf absolviert.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Ehe Erik Hille sich nach einem Marathon in der Heimat dem wohlverdienten alkoholfreien Weizen zuwenden durfte, musste der Kohlenhydratspeicher mit 600 Milliliter "feinstem Zuckerwasser" wieder aufgefüllt werden. Der Nabburger Ausdauersportler muss in Zeiten der Coronakrise improvisieren, wie auch andere Hochleistungssportler gezwungen sind, sich Alternativen zu den eigentlich geplanten Wettkämpfen zu suchen. Es sei beispielsweise an Triathlon-Superstar Jan Frodeno erinnert, der in den eigenen vier Wänden schwamm, radelte und lief. "Eigentlich sollte der Wien-Marathon der Höhepunkt des ersten Halbjahres 2020 werden. Nach der Absage wegen der Coronakrise haben wir umdisponiert und einen Single-Wettkampf in der Heimat auf die Beine gestellt", sagte der 31-Jährige, dessen großes Ziel nach wie vor die Marathon-EM-Teilnahme 2022 in München bleibt.

Und so guckte er sich mit Vater und Trainer Veiko Hille rund um Wölsendorf (Kreis Schwandorf) eine knapp 7,5 Kilometer lange Pendelstrecke aus, die Hille sechs Mal durchlief – alleine gegen sich und die Zeit. Das Resultat war eine neue persönliche Bestleistung: 2:15:54 Stunden für sogar einige Meter mehr als die üblichen 42,195 Kilometer. Bisher standen 2:18:32 aus Köln 2019 zu Buche. "Es ist zwar keine offizielle Zeit, aber ich bin dennoch sehr zufrieden. Dieser Lauf diente auch als Kontrolle für meine Trainingsgestaltung in den Wochen und Monaten zuvor." Erfreulicher Randaspekt: Mit dieser Zeit hätte Hille die deutsche EM-Norm (2:17:00) geknackt. Bereits in der Vorbereitung war Hille auf sich alleine gestellt, als nach dem 10-Kilometer-Lauf in Dresden der Halbmarathon in Prag abgesagt wurde. "So musste ich eben einen 25-Kilometer-Tempolauf in heimischen Gefilden simulieren", sagte Hille im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

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Neusath bei Nabburg

Auch den Marathon rund um Wölsendorf von Schwarzenfeld über Brensdorf, Wölsendorf, Pretzabruck und Unterwarnbach ging der Ausdauerathlet professionell an, so wie der Ablauf eigentlich in Wien geplant gewesen wäre. "Ich bin um 6 Uhr aufgestanden und sofort in die Laufschuhe geschlüpft auf eine 3-Kilometer Jogging-Runde. Und nach dem Frühstück um 7 Uhr erfolgte der Startschuss um 10 Uhr. Alles wie in Wien." Vater Veiko Hille begleitete seinen Sprössling im Auto mit einer auf dem Dach montierten Stoppuhr. Dazu sorgten fünf Freunde auf dem Fahrrad dafür, dass es an den wenigen Kreuzungen nicht zu Kollisionen im Straßenverkehr kam. "Die haben, falls nötig, sich nähernde Autos mal kurz gestoppt." Doch auf der flachen Strecke herrschte wenig Betrieb, der den Hille-Zug hätte bremsen können, ebenso wenig wie der schlechte Asphalt oder der böige Wind.

Während die deutschen Marathon-Asse wie Arne Gabius oder Philipp Pflieger derzeit bis auf lockere Trainingsläufe komplett pausieren, kann sich der Nabburger eine längere Auszeit nicht erlauben. "Gabius und Pflieger haben ihren Leistungshöhepunkt bereits erreicht. Die müssen sich nach der Pause ‚nur‘ wieder dorthin trainieren. Bei mir steht dieser Peak aber noch aus", erläuterte Hille, der jetzt aber zunächst lediglich regeneratives Training absolviert, ehe ein zweiwöchiges Sportverbot folgt, um den Akku wieder aufzuladen. "Das ist der normale Ablauf nach einem Höhepunkt, da besuche ich eigentlich Freunde oder fahre in den Urlaub. Daraus wird dieses Jahr aber nichts werden."

Und erst nach der Mini-Pause richtet sich der Fokus im Training wieder auf den Höhepunkt im zweiten Halbjahr. Das sollte eigentlich der Berlin-Marathon am 27. September werden. Da der Berliner Senat aber alle Großveranstaltungen mit mehr als 5000 Teilnehmern bis 24. Oktober untersagt hat, ist diese Austragung – eventuell im November – noch völlig ungewiss. Zur Not müssen sich die Hilles für das große Ziel EM 2022 eben erneut einen Alternativplan in der Heimat zurechtlegen. Wie wär's mit Brudersdorf (Kreis Schwandorf) statt Berlin?

Eine Umarmung von Vater und Trainer Veiko Hille (links) war Erik Hille nach dem Wölsendorf-Marathon gewiss.
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