30.01.2019 - 15:12 Uhr
NabburgSport

Oberpfälzer Bayern-Fans suchen verzweifelt Tickets für Liverpool

Ein Achtelfinale, doch für viele ist es das Spiel des Jahrzehnts: Die Bayern in Liverpool. Auch viele Oberpfälzer wollen dabei sein. Doch Liverpool liegt an diesem Tag auf einem anderen Planeten.

„The Kop“, die berühmte Tribüne an der Anfield Road. Die Liverpooler Fans treffen kaum auf gesangliche Gegenwehr. Es gibt nur ganz wenige Karten für Bayern-Fans.
von Josef Maier Kontakt Profil

Auf der Liste der beliebtesten Städtereisen belegt Liverpool keinen der vorderen Plätze. Die Stadt im Nordwesten der britischen Insel hat zwar vier Pilzköpfe vorzuweisen, die in den 1960er und 1970er Jahren die Musikwelt revolutionierten. Liverpool lebt noch immer von den Beatles. Die Stadt liegt aber auch an der rauen Irischen See. Das Wetter ist oft Grau in Grau, so wie viele Häuserfassaden.

In vollen Farben strahlt dagegen derzeit der FC Liverpool. Aber nicht nur deswegen wird die Stadt im Februar zum absolut beliebten Reiseziel für die Bayern.. "So etwas habe ich noch nie erlebt", sagt Gerhard Stadler. "Dass es bei einem Achtelfinalspiel so einen Hype gibt." Der Vorsitzende des Flosser Fanclubs ist seit Jahrzehnten immer wieder mit seinem Lieblingsclub unterwegs. Aber dieses Spiel ist ja nicht irgendein Achtelfinal-Hinspiel am 19. Februar in der Champions-League. FC Liverpool gegen den FC Bayern. Jürgen Klopp gegen den Klub, den er nicht sonderlich mag. "Freilich ist das eine besondere Konstellation", sagt Stadler. Beim FC Bayern allein sind mehr als 60 000 Ticket-Anfragen für das Spiel in Liverpool eingegangen. Viele tausende Fans probieren es auch auf anderen Wegen, an Karten zu kommen. Offiziell stehen den Münchenern 2621 Karten - fünf Prozent des Fassungsvermögen der Anfield Road (54 000) zu. Nach Abzug der Tickets für Sponsoren und besondere Gäste stehen noch 1436 Karten zur Verfügung. Stadler verdeutlicht, was das heißt: "Es gibt ja schon mehr als 4000 Fanclubs." Er selbst steht auf der Warteliste. Die Chancen sind trotzdem fast gleich null.

Bernd Hofmann, Boss des Bayern-Fanclubs Nabburg/Oberpfalz, dem weltweit größten im Bayern-Kosmos, hat sofort nach der Auslosung Flüge und Hotelzimmer in Liverpool gebucht. "100 Leute haben sich in den ersten Stunden schon angemeldet", berichtet Hofmann. Obwohl noch keiner von denen eine Karte hatte. Jetzt fliegen 50 Leute vom Fanclub nach Manchester und fahren dann mit dem Bus weiter nach Liverpool. Die Kartensituation ist weiterhin katastrophal. "Drei Leute haben jetzt eine Karte sicher", sagt Hofmann. Über all die Jahre hat sich der Nabburger ein bundesweites Netzwerk aufgebaut. Er ist ständig am Telefonieren, eine Whats-App jagt die nächste. Große Hoffnungen auf mehr Tickets für dieses außergewöhnliche Spiel hat er nicht. Wenn er insgesamt an 10 Tickets käme, wäre das schon überragend. "Wir stehen noch auf einer Warteliste. "Eventuell kann er über die Fanclub-Zuteilung der Bayern noch mit acht Tickets rechnen.

Hoffmann spricht das Dilemma klar an: "Dieser Verein hat längst eine Größe und Dimension erreicht, die nicht mehr überschaubar ist." Fast 300 000 Mitglieder, 4200 offizielle Fanclubs, Millionen Fans in aller Welt. "Wie soll das funktionieren bei vielleicht 1400 zur Verfügung stehenden Karten." Seit 45 Jahren ist Hoffmann mit seinen vielen Fans europaweit unterwegs. Kein Auswärtsspiel in der Champions-League lassen sie aus. Sie nehmen auch Karten, wenn mal zu viele da sind. Nach Athen wollten nicht viele Bayern-Fans, nach Liverpool eigentlich alle. Auch deswegen ist er enttäuscht, dass der Fanclub wohl keine Tickets bekommt. "Ja, so schwierig war es noch nie", gesteht er. Verständnis hat er durchaus, dass Sponsoren mit einem Kontingent ausgestattet werden. Dennoch will er die Situation bei einem der nächsten Fan-Foren mit den Bayern-Bossen deutlich ansprechen.

Das will auch Marcus Fritsch, Chef des Bayern-Fanclubs Wildenau. Auch die Stiftländer fliegen mit den Bayern in jeden Winkel Europas. Nur in den Nordwesten Englands schafft es wohl kaum einer. Fritsch wäre nur allzu gerne dabei: "Ich habe es über sämtliche Kanäle probiert", sagt er. Über den Fanclub, über seine persönliche Bayern-Mitgliedschaft, auch über persönliche Kontakte. Er wird sich die Partie wohl zu Hause auf "Sky" anschauen müssen. Er und die Wildenauer ärgern sich: "Die Fans sind richtig sauer, weil viele der Karten vorher abgeschöpft werden." Neben Sponsoren geht auch ein größeres Kontingent an das Bayern-eigene Reisebüro. "Wir investieren viel Zeit und Geld. Und wenn man dann bei so einem Spiel nicht berücksichtigt wird, ist das extrem enttäuschend", klagt der Fanclub-Chef.

Da hat Sepp Finster, Boss der "Kaisertreuen" aus Vilseck, fast schon im Lotto gewonnen. Er hat die Zusage für acht Karten für die Partie in Liverpool. "Wir haben die gekriegt, weil wir bei allen Auswärtsspielen dabei sind." Eine Art Treue-Bonus. Denn Finster sagt auch: "Bei diesem Spiel wollen auf einmal alle dabei sein." Auch solche, die sonst nie Auswärtsspiele besuchen. "Schönwetter-Fans" nennt er sie. "Immer mehr picken sich nur die Highlights heraus." Er schaut, dass er die Tickets an Leute verteilt, die ständig mit den Bayern reisen. Als einen Grund für den Hype nennt er auch Jürgen Klopp: "Hätte Liverpool einen anderen Trainer, wäre die Nachfrage nicht so groß."

Klopp live sehen - das geht für die meisten Nabburger Fans nur im englischen Fernsehen. "Wir haben in Liverpool schon ein Pub angemietet, nicht weit weg vom Stadion", berichtet Hofmann. Er und seine Vorstandskollegen bieten mehr als die Fahrt zum Spiel. Es sind auch Kultur-Touren. Sie besuchen das Beatles-Museum, touren durch Liverpool. Und sehen die Anfield Road doch noch. Am Tag nach dem Spiel haben sie eine Stadion-Tour gebucht ...

Bernd Hofmann (rechts) und die Bayern-Fans aus Nabburg sind bei jedem Auswärtsspiel in der Königsklasse dabei. Im Dezember waren sie in Amsterdam. Alle 50 Teilnehmer hatten Tickets. In Liverpool ist das ganz anders.

So etwas habe ich noch nie erlebt. Dass es bei einem Achtelfinalspiel so einen Hype gibt.

Gerhard Stadler, Chef des Flosser Bayern-Fanclubs

Wir investieren viel Zeit und Geld. Und wenn man dann bei so einem Spiel nicht berücksichtigt wird, ist das extrem enttäuschend.

Marcus Fritsch, Vorsitzender des Bayern-Fanclubs Wildenau

Dieser Verein hat längst eine Größe und Dimension erreicht, die nicht mehr überschaubar ist.

Bernd Hofmann, Präsident des Bayern-Fanclubs Nabburg/Oberpfalz

Immer mehr picken sich nur die Highlights heraus.

Sepp Finster, Chef der "Kaisertreuen" aus Vilseck

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